24. Mai 2013
Regenmusik! Antti Tolvi, Amiina und Jóhann Kristinsson
Warum ständig über das Wetter maulen, wenn sich doch zu fiesen Regenschauern bestens aus dem Fenster schauen und den entlegensten Gedanken nachhängen lässt? Vorzugsweise zu Melodien, die taubengrau und irgendwie vertrackt sind und durch die bei aller Melancholie doch ein leises Lächeln vagabundiert. Zu den Neulingen unter den Regenmusikern gehört Antti Tolvi, dessen erstes Album »PIANOKETO« Anfang Juni bei Fonal Records herauskommt, dem renommierten finnischen Label für allerlei schräge und experimentelle Töne. Der Musiker von der westfinnischen Küste, künstlerisch eng verbandelt mit Lau Nau, hat klassische indische Musik studiert und sich jahrelang in der Freejazz-Szene herumgetrieben. Tolvis Hauptinstrument ist eigentlich das Tenorsaxofon, aber für seinen Erstling hat er das Piano gewählt. Und zwar eines, das seit 40 Jahren vergessen in der Ecke stand! Tolvi spielt das Piano wie ein Saxofon. Benutzt nur elf Töne. Wenig? Verdammt viel, wie es sich herausstellt. Der Finne entpuppt sich in ausufernden Variationen über ein Thema als legitimer Enkel von Erik Satie, des belgischen Meisters der kleinen Form. Schafft Klangwelten, die zwischen Diesseits und Jenseits wandeln. Wie ein Echo aus fernen Zeiten klingen. Melancholisch, geheimnisvoll und irgendwie seltsam tröstlich. Verhuscht und doch sehr konkret. Wunderbar meditativ. »Pianoketo Part 1« erweckt beim Hören eine unbestimmte Sehnsucht. Nach was? Ich kann es nicht sagen.




