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Foto nordische Landschaft

31. Mai 2006

Die Crux mit der Werbung

WerbungIn Zeiten, wo das Internet einen zweiten Boom erlebt und Werbung auf Websites wieder richtig Geld in die Kasse bringen kann, findet man nun selbst auf den ödesten Prtivat-Websites, deren einziger Inhalt aus zweimal jährlich ergänzten, unscharf-unterbelichteten Urlaubs-Fotos besteht, haufenweise Goodle-Ads und Banner-Geflicker. Was dabei jedoch von den Betreibern übersehen wird: Die aus der Online-Werbung erwirtschafteten Moneten werden mit einem Verlust an Wertigkeit und – wenn das Angebot aus journalistisch unabhängigem Inhalt besteht – einer Einbuße an Glaubwürdigkeit erkauft. Ist es das wert?

Man muss sich diese Frage ernsthaft stellen in einer Zeit, in der TV-Moderatoren wie Beckmann, Gottschalk, Johannes B. Kerner (Wer brachte eigentlich den dämlichen Boom auf mit dem Kürzel des zweiten Vornamens? Wirkt nicht Peter F. Bickel ebenso tumb wie George W. Bush?) Summen jenseits von Gut und Böse kassieren durch ihre Werbeverträge und so den Journalismus tief in Misskredit bringen. Denn man darf nicht vergessen, dass sich Beckmann, Kerner und Co. tatsächlich als »Journalisten« sehen, wenn man sie nach ihrer Berufsbezeichnung fragt. Nur: Dürfen Journalisten für ein Produkt werben, über das sie selbst berichten (z.B. Fussball), bzw. deren Vertreter sie in ihre Talkshow einladen? Ich bin tatsächlich erschüttert, und ich scheine einer der Wenigen zu sein. Dürfen Journalisten als meinungsbildende Personen überhaupt werben? Ich meine: nein.

Klar gab es das schon immer, irgendwie. Ich erinnere mich an meine Mitarbeit beim WOM Journal vor vielen Jahren, wo es schon mal bei einer CD, für die groß per Anzeige im Heft geworben wurde, heißen konnte: Bitte positiv besprechen! Immerhin – man konnte den Auftrag dann ablehnen, wenn es einem das Gewissen verbot. Aber haben sich die Grenzen seither nicht deutlich – und zu weit – verschoben? Ist es nicht so, dass das, was früher immerhin offiziell für Entrüstung sorgte, sich mittlerweile als »normal« etabliert hat? Oder regt sich – abgesehen vom Medien-Magazin »Zapp« – irgend jemand auf über das Beckman/Kerner-Treiben? Schon vor einigen Jahren hat sich niemand wirklich gewundert, als bekannt wurde, dass von einigen Verlagen Geld für positive Buchrezensionen auf der Amazon-Website bezahlt worden war.

Die moralischen Grenzen sind eigentlich definiert: Im Pressecodex ist festgelegt, dass eine klare Trennung zwischen journalistischen Texten und werblichen Inhalten zu erfolgen hat. Verleger und Journalisten haben diesen im Jahr 1973 vom Deutschen Presserat vorgelegten Grundregeln zugestimmt und sie somit als verbindlich erklärt. Und wie war das nun nochmal mit Beckmann und Kerner? Waren die noch zu jung? Haben die damals nicht zugehört?

Was das nun alles mit nordischer Musik zu tun hat? Insofern eine ganze Menge, als wir bei www.nordische-musik.de – immerhin eine Website mit derzeit 75.000 Besuchern und 500.000 Seitenabrufen monatlich – immer wieder nach Werbekooperationen gefragt werden. Das klingt im ersten Moment verlockend angesichts ständig steigender Ausgaben für Serverkosten und des immer größeren Aufwands an Betreuungszeit. Doch wir sind nach wie vor der Meinung, dass der Journalismus durch die Kooperation mit Werbung seine Seele verkauft. Nicht zwangsläufig, aber die Vorstellungen davon, was moralisch vertretbar ist, senken sich dadurch bedenklich ab.

Deswegen wird es Nordische Musik und im Polarblog weiter keine Werbung geben – weder jetzt noch zukünftig. Versprochen. 

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