Zu gute Bewertungen?
Eigentlich ist es immer sehr spannend, was Leser über die eigene Website denken, wenn sie ihre Meinung nicht direkt kundtun, sondern zum Beispiel in irgendwelchen Foren. Und so fand ich schon recht amüsant zu lesen, was ich durch einen Hinweis im Forum von Plattentests.de über uns fand, wo ein gewisser "ich" schreibt:
»Die bewerten meiner Meinung nach grundsätzlich ein bisschen zu hoch – und dann immer im Kontext von skandinavischen Künstlern. Ich denke, da kommt das auch immer auf die Rezensenten an. Großes Plus ist natürlich die Menge an Rezis, auch wenn die Seite nicht mit dieser hier mithalten kann (fehlendes Forum, Ausführlichkeit der Rezis, fehlende Referenzbands etc.). Ist halt ne Seite für Spezialisten. Das dazugehörige Polarblog find ich aber ganz nett. Das scheint aber auch noch nicht lange etabliert zu sein.
Abschließend: gut, übersichtlich, werbefrei (!!) – kann man nichts falsch machen.«
Besonders putzig fand ich dabei den Vergleich mit www.plattentests.de, mit denen Nordische Musik angeblich nicht mithalten kann. Man möge auf Folgendes blicken:
- die Zahl der Rezensionen und Frequenz, mit der neue Rezensionen online gestellt werden
- die Breite der behandelten Genres (nicht nur Rock, sondern auch Jazz, Avantgarde, Folk, Metal, Klassik, etc.)
- Artikel/Interviews
- Meldungen aus der Musikszene
- Tourtermine
- Fotogalerie
- Buchrezensionen
- angeschlossenes Weblog
Tja, ich würde sagen, bei all diesen Punkten muss Plattentests passen. Bleiben die Punkte Forum (1), Länge der Rezensionen (2) und Referenzbands (3).
- Die Installation eines Forums ist in wenigen Minuten erledigt. Warum also haben wir kein Forum? Ich habe lange Zeit ein Forum mitbetreut, dass 500 bis 1000 Postings täglich hatte. Der Betreuungsaufwand, um Trolle und andere Geisteskranke im Zaum zu halten, steht meiner Ansicht nach in keinem Verhältnis zu dem Nutzen für die Besucher, wenn man sich mal klar macht, wie viele Rezensionen und Newsmeldungen man in der Zeit schreiben könnte. Und wir haben uns bewusst dafür entschieden, statt auf Community-Gedöns lieber auf eine seriöse Site mit redaktionell hochwertigem Inhalt zu setzen. Wenn man die bisherige Presseresonanz auf Nordische Musik mit der auf Plattentests vergleicht, war unsere Entscheidung wohl richtig.
- Ausführlichkeit der Rezensionen: Ich zumindest schaffe es nicht, bei Plattentests.de mehr als 2-3 Rezis zu lesen, weil sie zu lang sind. Nicht nur, weil schwarze Schrift auf dunkelblauem Hintergrund ein Killer für die Augen ist. Nein – ein Onlinemagazin unterscheidet sich halt immer noch von einem Printmedium. Bei uns dagegen kann ich ohne Probleme auch mal 20 Besprechungen am Stück lesen. Aber das mag persönlicher Geschmack sein.
So oder so bin ich allerdings der Meinung, dass man in einer kurzen Besprechung nicht nur ebenso viel ausdrücken kann wie in einer sehr langen, sonern auch »kondensierter« formuliert. Doch vergleichen wir einfach mal mit den Längevorgaben einiger Print-Magazine, für die ich schreibe: Bei »Stereo« zum Beispiel müssen normale CD-Rezensionen derzeit 620 Zeichen lang sein, bei »Soundcheck« 450 Zeichen. Da liegen wir bei Nordische Musik mit 900 bis 1100 Zeichen bei der Aufmacher-Rezension gut im Rennen, würde ich sagen. - Referenzbands: Schon ziemlich lustig, dass eine lieblos unter eine Rezension geknallte Liste von Namen hilfreich sein soll, auf die im Text oft noch nicht mal Bezug genommen wird. Und dass ein Klick auf die verlinkten Namen bei Plattentests.de oft ins Leere führt, also nicht an die Rezensions-Datenbak gekoppelt ist. Ist sowas wirklich gewinnbringend? Ich dachte bislang immer, dass die Nennung und Verlinkung von Referenzbands nur dann Sinn macht, wenn es tatsächlich welche gibt und sie nicht an den Haaren herbeigezogen werden. Siehe Nordische Musik.
Aber wir haben ja noch den Einwand mit der Bewertung. Darüber diskutieren wir auch immer wieder intern. Man muss jedoch folgendes sehen:
- Nordische Musik hat ein sechstufiges Bewertungsschema, Plattentests ein zehnstufiges. In einem kleineren Schema sehen Bewertungen immer positiver aus als in einem grobrastrigen.
- Ich habe mal rasch eine Datenbankabfrage gestartet und mir den Durchschnitt ausrechnen lassen. Da hat Nordische Musik bei derzeit 2464 Rezensionen einen Schnitt von 4,4 bei Songqualität und 4,6 bei Interpretation. Das finde ich bestens, wenn man sich klar macht, dass vier Sterne "befriedigend" und fünf Sterne "gut" bedeuten, und dass wir ja vorrangig die CDs rezensieren, die uns auch gefallen.
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