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Foto nordische Landschaft

28. Juni 2006

Mando Diao vs. Sugarplum Fairy – Bruderzwist in der Schwedenstube

 Die Schweden sind ein missgünstiges Volk. Hat der Bruder Erfolg, versucht der gelbe Widerpart alles daran zu setzen, um ihm ebenbürtig zu begegnen. Carl und Viktor heißen die beiden schlacksigen Anfangszwanziger, die genau dahin wollen, wo Bruder Gustav bereits ist: ganz nach oben auf den skandinavischen Rockthron, um den sich scharenweise blutjunge Mädchen tummeln. Mando Diao heißt die Band des ältesten der drei Norén-Brüder, die binnen zwei Alben europaweit an die Spitze preschen konnte und als etablierte Rockgröße im September mit »Ode To Ochrasy« ihre Position festigen werden. Carl und Viktor bleibt vorerst also nur das Aufschauen, denn ihre ganz eigene Band Sugarplum Fairy ist so etwas wie die noch nettere Kopie von Mando Diao – bevorzugt von jungen Musikhörer(innen) genutzt, um den Absprung vom Charts-Einheitsbrei zu »echten« Bands zu schaffen. Die erste Single »She« aus »First Round First Minute« (VÖ 18.08., die Noréns veröffentlichen im Gleichschritt) klingt, wie Retropop nun einmal klingt und erinnert am ehesten an die genau so netten Local Boys. Der Neid wird also wohl noch ein bisschen wachsen, denn das neue Mando Diao wird wieder nicht nur die besseren Songs, sondern auch den größeren Erfolg haben. Vielleicht gibt´s aber auch eine brüderliche Umarmung und sie fahren wieder gemeinsam auf Tour.

Ob es in der Kjellvander-Familie harmonischer zugeht? Seelenstripper und Saitenzupfer Christian dürfte am ehesten ein Begriff sein, aber sein Bruder Gustav gibt nicht auf. Während seiner Schulzeit in Malmö veröffentlichte er mit Sideshow Bob zwei Alben, tritt als Gastmusiker in Erscheinung und ist nun solo als Fine Art Showcase unterwegs. Sein zweites Album »Radiola« erblickt im August auch das Licht hiesiger Plattenläden. Mit einer perfekten Stimme, die angenehm an Leonard Cohen erinnert und in noch perfekterem Englisch, als man es von den Nordlichtern eh gewohnt ist – kein Wunder, lebten die Kjellvanders zehn Jahre lang in Seattle, bevor sie nach Schweden zurückkehrten. Und in diesem Fall überholt der jüngere Spößling sogar beim musikalischen Output seinen familären Konkurrenten. Mit verwaschenen Melodien und stimmigen Arrangements kann er mit den teilweise leicht drögen Folksongs von Christian locker mithalten und mehr. Aber vielleicht sind die Schweden auch überhaupt nicht missgünstig. Vielleicht sollte man es einfach− positiv gewandet – vorgelebte Inspiration nennen.

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