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Foto nordische Landschaft

25. Juli 2006

Bling Blong Bobby Baby

 Einmann-Projekte haben viele Vorteile: Die Gewaltenteilung bezüglich Songwriting, Catering und Tourplan fällt weg, die Gage muss nicht gesplittet werden, und die Setlist wird kurzerhand zwischendurch ersonnen. Bobby Baby ist ein Einfrau-Projekt.

Schon seit der Kindheit in Hultsfred ist Ellinor Blixt musikalisch unterwegs, sind das Bleepsen und Blonxen inzwischen ihre besten Freunde geworden. Die Billig-Elektronik hat es der Schwedin angetan. Und so sind ihre Songs Akustikgitarren-Songs, die unter allerlei Beatgerümpel gut versteckt sind. Um erst einmal ein bisschen Popularität zu erheischen, veröffentlichte sie alle ihre Songs kostenlos im Internet (auf den Netlabels Corpid und Dive). Inzwischen hat sie aber ein Label gefunden und kommt sogar auf Tour nach Deutschland.

Hier die Daten:

16. August: Berlin – Schokoladen
17. August: Hamburg – Grüner Jäger
18. August: Frankfurt – Das Bett
19. August: Berlin – Trompete
20. August: Kassel – Salon Elitaer

Hier die Songs:

Alle MP3s sind von der offiziellen Bobby Baby-Homepage. Da gibt es noch viel mehr zu entdecken! Und los!

22. Juli 2006

Snackbar: Mon Roe

monroe.gifMarilyn hätte sicher nichts dagegen gehabt: Drei Songs von den Schwedischen Mannen als kalorienarmer Zwischensnack – bevor im Oktober wieder auf deutsche Bühnen gestürmt wird. Trendverspätet versuchen diese Herren, Rocksongs das Tanzen beizubringen. Bis die das aber mit dem cleveren Wave-Pop und den Offbeats hinbekommen haben, dürfte es allerdings noch ein bisschen dauern …

Das Debütalbum von Mon Roe gibt es bereits zu kaufen – auch wenn's niemand mitbekommen hat.

20. Juli 2006

Finnischer Popsommer Teil 1

Finnland hat im Sommer nicht nur wunderbare Natur zu bieten. Sondern auch jede Menge Einblicke in den aktuellen Zustand seiner Popszene. Fangen wir doch mal mit alten Bekannten an.

The Crash beim Ruisrock-Festival oder: Das war vor Jahren

Es gab einmal eine Zeit, da zählte der freche Kitsch-Retro-Pop der Band aus Turku zu meinen absoluten Favoriten. Doch seit »MELODRAMA« aus dem Jahr 2004 ist den Jungs um Sänger Teemu Brunila nicht mehr viel eingefallen. Die Band tritt auf der Stelle, entwickelt sich nicht wirklich weiter und verlässt sich auf die alten Erfolge wie »Star« oder »Still Alive«. Beim Festival-Auftritt singen die kleinen Mädchen in der ersten Reihe und die grossen Mädchen weiter hinten immer noch gerne mit – aber es fehlt der rechte Funke, der einfach nicht überspringen will. Die neuen Stücke wie »Big Ass Love« sind ein bisschen arg dick aufgetragen. Es fehlen die funkelnde Ironie, das unbekümmerte Bekenntnis zum Kitsch und die spielerische Leichtigkeit. Und die neuen Balladen wie »Grace« sind so pomadig, als ob Elton John zum 256. Mal in Las Vegas auf der Bühne stehen wuerde. The Crash klingen wie eine Kopie ihrer selbst. Wohin die musikalische Reise führen soll – das wird beim Konzert noch nicht mal in Ansätzen klar. Dafür gibt es als Neuerung schon wieder einen neuen Keyboarder, der sechste oder siebte in der Bandgeschichte. Im Herbst soll eine neue Crash-Platte erscheinen – und falls der Eindruck vom Ruisrock-Festival nicht trügt und nicht noch ein sehr fähiger Produzent den neuen Songs ein bisschen mehr Pep und Farbe verleiht, ist kaum mit einer positiven Überraschung zu rechnen. 80er-Jahre-Retro-Sounds alleine genügen heute nicht mehr. Was lernen wir daraus? Stillstand ist fatal.

Cats On Fire im Dynamo in Turku oder: Sind wir die neuen Helden?

Rappelvoll ist es im besten Club von Turku. Cats On Fire könnten die neuen Helden der Stadt werden mit ihrem frischen Gitarrenpop. »DRAW IN THE REINS«, die erste EP der Band um Sänger Mattias Björkas, ist eben erschienen. Ist frisch und selbstbewusst und leicht und hat so wunderbare Smiths-Zitate. Björkas ist so dürr und ungelenk wie der junge Morrissey und leidet mindestens ebenso am Leben wie der Altmeister. Aber mit viel Stil, versteht sich. Und mit jeder Menge Nerd-Charme. Wir tanzen und swingen mit und entlocken der Band so etwas wie ein kleines Lächeln. Und eine dynamische Zugabe, die zeigt, dass die Jungs auch Rocken können. Unbedingt im Auge zu behalten.

Since November im Dynamo in Turku oder: There is love on mars

Nein, kein Konzert. Aber das kann noch werden. Sondern ein lebhaft-angeregtes Gespräch mit Tomi Mäkilä, das so zischt und blubbert wie frischer Prosecco. Tomi, jahrelang Keyboarder von The Crash (die Turkuer Szene ist sehr inzestuös), arbeitet seit mehren Monaten an seinem Soloprojekt Since November und will das Debüt »STARWALKERS« noch in diesem Jahr veröffentlichen. Es geht um Sterne, Meteore und Liebe auf dem Mars – und natürlich um Einsamkeit, Unterwegs-Sein und abhanden gekommene Freundinnen. Die Kostprobe »Houston, Changing Manual« macht sehr viel Lust auf mehr. Ein unwiderstehlich mitreissendes, fröhliches, verspieltes, auf den Punkt gebrachtes Pop-Meisterstückchen, das auch nach dem zehnten Hören noch ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Falls der Rest ebenso überzeugend ist, könnte »STARWALKERS« eines der Alben des Jahres werden. Hoffentlich hören wir bald mehr vom Spaceman. Der einigermassen überzeugend und hinreissend lächelnd verspricht, dass wir uns Hoffnungen machen können.

19. Juli 2006

Ein Kind von Traurigkeit

Warum lebe ich nicht in Frankfurt am Main? Vermutlich, weil es eine weitgehend hässliche Stadt ist und Hamburg tausend mal toller und es eben deshalb seine Gründe geben müsste, in Frankfurt am Main zu leben. Aber wenigstens jetzt wäre ich gerne da. Würde auf dem Stadtplan schauen (denn logischerweise kenne ich mich in Frankfurt am Main nicht aus, außer dem Weg vom Bahnhof bis zu den Buchmessehallen, den kenne ich), um die Hanauer Landstraße zu finden. Dort sitzt die Galerie Adler. Und in der Galerie Adler in Frankfurt am Main in eben der Hanauer Straße, die nach Hanau führt (daher der Name), dort ist Ragnar Kjartansson ausgestellt.

Natürlich hängt er nicht persönlich an den Wänden oder steht auf einem Sockel oder ist sonst wie anwesend. Nicht mehr, denn er war da, persönlich und hat zwei ein halb Tage lang sein Stück »Sorrow conquers Happiness« gespielt. An der Orgel, gehüllt in ein Pappritterkostüm. 53 Stunden lang. Nur diese eine Textzeile: »Sorrow conquers Happiness«.

Das ist so ungewöhnlich nicht. Kjartansson macht so etwas öfters. Er ließ sich auch schon mal auf einem Rasen bis zur Hüfte eingraben, spielte dazu auf der Gitarre und sang zwei Stunden lang die Liedzeile »Satan is real. He's working for me«. Ob das stimmt? Oder er führte mal zehn Tage lang hintereinander eine vierstündige Rokoko-Oper auf, während der er nicht nur ununterbrochen sang, sondern auch trank, aß und diverse Stunts vollführte.

Er spielt auch in zwei Bands und er geht immer an die Grenzen, ohne müde zu werden, und nun, wo ich seine Performance verpasst habe, bliebe mir wenigstens sein Video mit einer seiner Bands, wo er gleichfalls in deren Schatten »Sorrow conquers Happiness« singt, das es ab jetzt in der Galerie Adler zu sehen gibt (auch Malerisches gibt es dort zu sehen, auch Siegerkränze, auch eine Orgel, aus der heraus es weint, auch Wasserbilder, getragen von ganz viel Traurigkeit – siehe die Redewendung von wegen nahe am Wasser gebaut). Mal sehen, ob ich es dahin schaffe. Bis zum 5. August habe ich noch Zeit.

13. Juli 2006

Der Sex-Beat schöner Leute

 Huch, was für eine schöne Überraschung. Vor zwei Jahren haben mir The Beautiful People ihre fantastische, selbstbetitelte EP zum Rezensieren zukommen lassen, und erst gerade bin ich zufällig in meinem Plattenregal wieder drüber gestolpert. Waren die Tracks dort oftmals psychedelischer Natur (zwischen My Bloody Valentine und Joy Division), scheint sich 2006 eine Entwicklung hin zum ‘Song’ abzuzeichnen. Die Sedated Times-EP hab ich irgendwie verpennt, aber pünktlich zum orgiastischen Debütalbum sind wir nun von nordische-musik.de wieder am Start. Im September soll es in Norwegen erscheinen, allerdings unter einem anderen Bandnamen – schöne Menschen gibt es nämlich bereits in den USA und in England. Die Wahl fiel schwer und auf: Sex Beat.

Hier aber noch Mal zwei Songs von den ersten beiden EPs – als Überbrückungsmusik. Denn das Album wird hierzulande wohl frühestens Ende 2007 erscheinen, wenn sich überhaupt ein Label und Vertrieb findet …

 
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