30. August 2006
Schmeerenburgh – die nördlichste Rockgruppe der Welt?
Klar, dass wir vom Polarblog nicht weit sind, wenn eine Band behauptet, sie sei die nördlichste Rockband der Welt. Und vermutlich hat das in Svalbard beheimatete Quartett Schmeerenburgh sogar recht.

Also flugs auf die Website geschaut, ob es von der nach einer der größten Walfangstädte des 17. Jahrhunderts benannten Band schon Hörmaterial gibt. Nix, keine Tonträger. Also auf den Bio-Bereich geklickt, wo nur vier schlecht belichtete Fotos zu finden sind. Die Seite mit den Links: leer.
News-Seite: ein paar Plakate – Möglichkeiten für Konzerte gibt es auf Svalbard nicht allzu viele, und so tritt Schmeerenburgh anscheinend regelmäßig im Kroa auf, einem im Holzfäller-Charme eingerichteten Restaurant im Basecamp Longyearbyen, wo es lokale Spezialitäten auf den Teller gibt wie Robbe, Wal oder das nach einem Trapper benannte Pfeffer-Steak »Peppernøis«. Doch ich schweife ab.
Auf der Suche nach Informationen finde ich eine Flickr-Seite mit Live-Fotos von den besagten Kroa-Auftritten und nur rudimentär funktionierende Live-Videos von schauderhafter Qualität. Und jede Menge toter Links.

Und so bleibt das Geheimnis, welche Musik die nördlichste Rockband der Welt eigentlich macht, weiterhin ungelüftet. Zumindest solange die Band weiterhin ihre Website so sträflich vernachlässigt.
Aber man hat eben andere Dinge zu tun auf Spitzbergen – zum Beispiel wie der Drummer Jeff »Shiny Beast« Holmes eine Doktorarbeit über Nordlichter zu schreiben.


Die diplomatischste Art der Bandnamensfindung. Sind erst die Saiten des Gitarristen mit der Heckenschere durchtrennt und das Drumkit mit Cola gefüllt, kann man sich endlich zusammenraufen. Ob es sich denn lohnt, bei all dem herumfliegenden Equipment überhaupt noch weiter zu machen, oder ob die Aktion mit der abgebrochenen Bierflasche gerade eben unbedingt sein musste. Ein Name muss her. Etwas, was jeder mag. Was irgendwie noch politisch korrekt ist – schließlich stoßen die großen Plattenfirmen bei Namen wie »
Die letzten Wochen war sie hier zu Gast und ist dort jetzt mit einer kleinen, feinen Ausstellung mit Sprachzeichnungen vertreten: „Wie sehen Sie ihre Zukunft?“
Wer bei uns zwischen den Zeilen liest, der weiß, dass wir alle auch eine nicht zu geringe Bewunderung für kanadische Musik mit uns herumtragen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir – wenn wir nicht schon ein Portal über skandinavische Musik betreiben würden – uns sehr intensiv der Musikszene Kanadas widmen würden. Liegt ja auch irgendwie nahe. Und so war es denn auch eine Kanadierin, die mich kürzlich wieder zum Heulen vor lauter Rührung brachte: Joni Mitchell. Ich sah mir ihre Dokumentation »Woman Of Heart And Mind – A Life Story« (ein furchtbarer Titel, aber ein guter Film) an, und es waren nicht nur ungehörte Seiten ihrer Musik, die mich tief berührten, sondern vielleicht auch Erinnerungen. Jedenfalls holte ich mir ca. 15 alte Joni Mitchell-Langspielplatten aus dem Keller (im Zeitalter der CD bewahrt man ja seine LPs im Keller auf) und hörte sie alle durch, von vorn bis hinten und zurück. Und war abermals erstaunt darüber, wie musikalisch wandlungsfähig und vor allem durch und durch glaubwürdig diese Sängerin ihr ganzes Leben hindurch geblieben ist.
Übrigens: Im Moment lausche ich gerade der zum neuen Johnny Depp-Film »Fluch der Karibik 2« erschienenen Sammlung von Piratenliedern »Rogue’s Gallery – Pirate Ballads, Sea Songs & Chanteys«. Dort findet man einige VIPs (Bono, Sting, Lou Reed) und viele durchaus interessante Beiträge (Richard Thompson, Bill Frisell, Robin Holcomb, Nick Cave oder David Thomas). Aber dann gibt es auch zwei Beiträge, die mir mal wieder schier das Herz herausreißen: Zum einen singt dort Lucinda Williams, dezent begleitet von Flügelhorn, Bass und Fiddle, die schönste Version von »Bonnie Portmore«, die ich jemals gehört habe … und ich habe viele gehört als Freund echter, ursprünglicher keltischer Musik. Fast nahtlos – so dass man den Übergang kaum merkt – schließt sich daran eine nicht minder berührende Version von »Shenandoah« an, angeführt von Geiger Richard Greene. Alles weder skandinavisch noch kanadisch, deshalb sorry fürs Abschweifen …
