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Foto nordische Landschaft

08. August 2006

Finnischer Popsommer Teil 2

An Konzerten herrscht selbst im Hochsommer, wenn das ganze Land auf Mökki-Urlaub ist, kein Mangel. Steigen wir doch gleich mal in Bus nach Helsinki.

Magenta Skycode im Tavastia in Helsinki oder: Darkpop rules ok

Zum ersten Mal den traditionsreichsten Rockclub Helsinkis zu besuchen und gleich auf der Gästeliste zu stehen…sehr cool! Ein großes Dankeschön an Tomi Mäkila, Keyboarder von Magenta. Für die Ferienzeit ist das Tavastia sehr gut gefüllt. Kein Wunder, denn Magenta Skycode, das neue Projekt von Jori Sjöroos, hat mit »IIIII« bislang eines der überzeugendsten Alben des Jahres aus der Düster-Pop-Ecke vorgelegt. Ganz klar zu spüren: Die Band, die erst seit kurzer Zeit zusammen spielt, muss erst noch zusammenwachsen, den Feinschliff entwickeln. Der Intensität tut dies keinen Abbruch. Die Songs entwickeln eine Sogwirkung, die sich auch live entfaltet. Der Gig im Tavastia eines der Konzerte, auf das ich besonders gespannt war – und die fünf Magentas bestätigen das Potenzial der Platte. Hoffnungslosigkeit, Melancholie, die  wundervolle Kunst des fortgeschrittenen Verzweiflungsanfalls: Sjöroos und seine Mitmusiker zelebrieren den gehobenen Weltschmerz und rocken die blauen Stunden um Mitternacht. Die Interaktion mit dem Publikum stimmt auf den Punkt: Die potenziellen Hitsingles des Albums wie »People« oder »Go Outside Again« werden inbrünstig mitgesungen. Magenta Skycode haben sich in Finnland ihre Fangemeinde schaffen können. Jetzt wäre es an der Zeit, über den Tellerrand Richtung Resteuropa zu schauen. Die Voraussetzungen stimmen.

Samae Koskinen beim Down By The Laituri-Festival in Turku oder: Weißer Lärm

Der Club ist ziemlich altmodisch und abgeranzt, der Publikumszuspruch hält sich in Grenzen, und draußen ist es um Mitternacht sowieso noch hell. Samae Koskinen, Frontmann der Popträumer Sister Flo aus der Weltstadt Rihiimäki, steht mit seiner Gitarre alleine auf der Bühne. Der untersetzte junge Mann mit einem Topf-Haarschnitt wie aus dem »Namen der Rose« und einem unsäglichen karierten Hemd traut sich was als Solokünstler. Sein Album »Vol. 1« überzeugte im Frühjahr durch Leichtigkeit, Selbstbewusstsein, perfekten Sinn für Popmelodien und literarischen Anspruch: Basis waren Texte junger finnischer Lyriker. Koskinen ist ein Meister des Understatement, er ist souverän, er lächelt auf der Bühne in sich hinein und beherrscht  seine Zwischentöne. Ach dumme Welt, was willst Du von mir, ich hebe einfach ab und fliege davon und froh macht mich das sowieso. Diesem unterkühlten Charme kann sich auch die tumbste Dumpfbacke in der Ecke nicht entziehen. Die Botschaft erschließt sich selbst Zuhörern, die das Finnische nur in Ansätzen beherrschen: Hier gibt es eine kleine Kostbarkeit zu entdecken. Und als ultimativen Glückskeks fürs Publikum singt Koskinen noch eines der schönsten Lieder von Sister Flo, »White Noise«. Ein Song, der es unbedingt unter die 20 besten Popsongs aller Zeiten schafft. Mein Lächeln ist selbst am nächsten Tag noch da.

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