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Foto nordische Landschaft

15. August 2006

Finnischer Popsommer Teil 3

Der finnische Popsommer neigt sich seinem Ende zu  – und gemeinerweise spielen zwei meiner Lieblingsbands an diesem Abend fast gleichzeitig, aber an verschiedenen Orten. Da helfen nur ruckartiges Losreißen und ein schnelles Fahrrad.

 Boomhauer im Dynamo in Turku oder: Wer spricht schneller als Saku Krappala?

Ein Extrastoß Adrenalin gefällig? Geht ganz einfach: Das heftigste Garagenrock-Trio der Welt beim Heimspiel zu erleben. Wer vorher schon dachte, dass Sänger und Gitarrist Saku Krappala ziemlich hippelig ist, der wird seine Meinung rasch ändern. Saku muss der unangefochtene finnische Rekordhalter im Schnellsprechen sein: Atemlose, mit Lichtgeschwindigkeit heruntergeratterte Zwischenansagen, deren Absurdität und Skurrilität es mit dem Tempo aufnehmen können, versichert meine hilfreiche Übersetzerin Elina.

Wer Feinsinniges in der Populärmmusik mag, ist bei Boomhauer an der falschen Adresse. Es geht hier um den maximalen Energieausstoß während der Drei-Minuten-Songs und um die Höchtmenge Schweißabsonderung in diesem Zeitfenster. Und es macht einen Riesenspaß, den Jungs bei der Arbeit zuzuschauen, wie sie sich gekonnt die Bälle zuspielen und mit Präzision, Spielfreude und Leidenschaft bei der Sache sind und vor Begeisterung brennen. Saku hüpft wie ein Springteufel, Schlagzeuger Mikko schafft ein dynamisch treibendes Grundgerüst und Basser Marko zeigt sogar Anzeichen von Emotionen. Das ist die Essenz des Rock´n´Roll – bis zur Erschöpfung mitzutanzen und sich völlig verausgabt in den frühen Morgenstunden  nach Hause zu trollen.

Matti Johannes Koivu beim Down By The Laituri-Festival in Turku oder: Vorstellung und Realität

Matti Johannes Koivu, Sänger von Ultramariini. hat mit »PUUHASTELLEN« bislang eines meiner Lieblingsalben des Jahres vorgelegt: Souveräner, federleichter Singer-Songwriterpop mit einem wunderbaren Chanson-Einschlag. Geeignet für alle Dämmerstunden dieser Welt.

Irgendwie hatte ich mir Koivu als einen zarten, blassen, sehr jungen Poeten mit sensiblen Gesichtszügen vorgestellt. Auf der Bühne eines kleinen, recht altmodischen Klubs in Turkus Innenstadt aber steht ein ungelenker, verkrampfter, dürrer Mitzwanziger mit langem, strähnigen Blondhaar und merkwürdig stechenden Augen. Eher der Hippie-Hängerecke zuzuordnen. Ausstrahlung: Fehlanzeige. Den Rotwein trinkt er vorsorglich gleich aus der Flasche, eine der weniger sympathischen, aber durchaus häufig zu beobachtenden finnischen Eigenheiten.

Den Charme seines Albums kann Koivu an diesem Abend live nur in Ansätzen vermitteln. Begeitet wird er von einem ähnlich ausdrucksarmen Kollegen an der Zweitklampfe. Trotz viel guten Willens meinerseits gibt es von diesem Auftritt nur wenig Positives zu berichten. Die Songs laufen fast allesamt ins Leere, was hauptsächlich an der lauen und lustlosen Bühnenpräsenz des Herrn Koivu liegt. Auch wenn wir ihm milde zugestehen, dass er vielleicht einen schlechten Tag hatte: Matti, es gibt dringenden Handlungsbedarf, denn so wird das nichts. Geh mal bitte ein paar Blocks weiter und schau dir genau an, was Saku Krappala dir als Persönlichkeit auf der Bühne voraus hat. Es wäre schade, wenn sich das Koivu´sche Talent nur auf Platte entfalten könnte.