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Foto nordische Landschaft

29. August 2006

Shoegazing

Zur gründlichen journalistischen Arbeit gehört – na klar! – die Recherche. Gibt es eine neue CD zu besprechen, verlässt man sich besser nicht auf die unkritischen Lobhudeleien auf dem Beipackzettel der Plattenfirma, sondern treibt sich hier und dort im Internet herum, holt noch ein paar andere Meinungen ein und bildet sich dann die eigene. 

Der Name der dänischen Band, durch die ich jüngst in eine mittlere Sinnkrise geriet, tut hier nichts zur Sache. Faktum ist: Irgendwann fiel auf einer entfernten Website der Begriff »Shoegazing«, um die Musik dieser Band zu beschreiben. »Was meinen die bloß?«, rätselte ich. Dank Wikipedia war Klärung schnell zu finden. Ich zitiere: »Der Begriff Shoegazing (dt. das Schuhe-Anstarren) bezieht sich auf die musikalischen Protagonisten, die bei ihren Live-Auftritten oft den Eindruck erweckten, sie würden schüchtern oder selbstvergessen auf ihre Schuhe starren, obwohl sie eigentlich auf ihre Gitarren-Effektgeräte schauten.«

Oh weh. Das hatte ich nie gehört. Sollte ich mir jetzt drei Coolness-Punkte abziehen oder einfach nur laut lachen?

Wahlmöglichkeit B ist eindeutig die bessere Variante.

Diese kleinsten Verästelungen und Schattierungen innerhalb der Rockmusik -  da muss fein unterschieden werden! Wo kämen wir denn hin! Es könnte ja, very shocking, vorkommen, dass Shoegazing mit Dreampop, Postrock, Noisepop oder gar Neo-Psychedelik verwechselt wird. Und es gibt sicherlich Spezialisten, die sich tagelang darüber unterhalten können. Und ihren eigenen Insider-Code schön pflegen.

Ob wir mit immer ausgefeilteren Subgenrebegriffen dazu kommen, die gehörte Musik besser zu beschreiben? Sicher nicht. Viel anspruchsvoller ist es ja, die richtigen Worte und Bilder zu finden. Wie kann ich den Song »Don't I Hold You« von Wheat beschreiben, der gerade läuft? Dass er heute der wundervollste Song auf der ganzen Welt ist? Macht vielleicht ein bisschen mehr Sinn als Shoegazing-Klischees anzuführen, aber reicht das?

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