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Foto nordische Landschaft

08. September 2006

Zweieinhalb Herzen für Popmusik – der Labrador-Labelreport

 Sie klingen wie deine Katze. Das behaupten zumindest Hanky & Panky. In Wahrheit klingen sie aber wie deine Katze, die gerade deinen kompletten Vorrat an halluzinogenen Droge n mit ihren Brekkies verwechselt hat. Johan Angergård musste schmunzeln, als er die Demo-CD aus seinem überfüllten Postfach geholt und sie im Player des kleinen Stockholmer Büros hat rotieren lassen. Und da Johan nicht nur ein Agent der Geschmackssicherheit ist, sondern auch ein Sloganizer vor dem Herrn, bekam das schreckhafte Artpop-Trio fortan das Prädikat »Twee-Pop Children On Acid« verpasst. Und ihr Song »Ha Ha Ha Ha!« landete prompt auf einer kunterbunten Kollektion schwedischer Newcomer.

Herausgegeben hat diese Compilation ein kleines Label, das sich in den letzten Jahren aufgrund seiner umsichtigen Veröffentlichungspolitik in Schweden, aber gerade auch hier in Deutschland einen Namen in der stetig anwachsenden Kleinstgemeinde der Schwedenpop-Abhängigen gemacht hat. Labrador gilt als ein unscheinbares, aber umso leidenschaftlicheres Label, was von der eigenen Begeisterungsfähigkeit für sympathische Bands und Musiker getragen wird. »Es muss halt passen«, wie Johan erzählt, der mit weiteren 1 ½ Mannen von Demo-Testsessions, über Bandbetreuung und Veröffentlichungsplanung alles selbst koordiniert.

26 Bands  befinden sich derzeit unter seinen Fittichen. Viele fristen ein karges Dasein, unbeachtet von der großen popkulturellen Öffentlichkeit. Es fehlt dann eben doch an finanzbringenden Zugpferden, die es erlauben würden, die Ausgaben für Promotion und Vermarktung in konkurrenzfähige Höhen zu schrauben. So lebt das kleine Label viel mehr von seinem Ruf, als von klingelnden Konten und wohlgelaunten Kassenwarten. In Schweden sichern die putzigen und immer gutgelaunten Suburban Kids With Biblical Names und die Shoegazer erprobten Radio Dept. das Auskommen. International zählen zudem noch die Legends, Club 8 und Acid House Kings zu den Topsellern des Labels. Grundsätzlich müssen Bands jedoch einige Kriterien erfüllen, um die Chance auf Wohlgefallen der Labelbesitzer zu erhalten: »Wir veröffentlichen nur Musik, die wir selbst lieben und die aus Schweden stammt. Momentan haben wir keine weiteren Bands im Blick, die wir gerne signen würden. Na gut, bei Morrissey oder den Television Personalities würden wir eine Ausnahme machen«. Und wenn man sich die Bands anschaut, dann stehen die Stockholmer vor allem auf eines: Popmusik. Mal schwungvoll wie bei Aerospace, mal etwas auf folkloristischerem Grund stehend wie Edson. Melodiejunkies wie The Legends hatten da natürlich leichtes Spiel, vielleicht auch, weil deren retrofarbiger Anstrich vor wenigen Jahren auch so gut da s verkörperte, was trendy und angesagt war. Generell ist Anpassung aber eher ein Randthema, es dominieren auf Labrador zeitlosere Klänge. Unscheinbar wandelt der halbe Labelroster barfüßig durch die schwedische Heimat und saugt für zartbesaitete Songs den Charme und die Liebeswürdigkeit auf, die an anderer Stelle ihren Ausdruck auch noch in der schwedischen Sprache findet. Kurzum: Es finden sich auf Labrador eine Vielzahl hübscher Nebensächlichkeiten, Must Haves für den Schweden-Fan und Gelegenheiten für die noch Unwissenden.

Und weil jedes Album bis zum Hals in Liebe ertränkt wurde, möchte Johan auch gar nicht preisgeben,  welches der kommenden Alben (The Legends, Irene, [ingenting] und Loveninjas) sein persönlicher Favorit ist: »Alle Alben haben bei uns die gleiche Priorität – wir würden niemals etwas herausbringen, was wir nicht mit all unserer Kraft unterstützen würden. So gut es eben mit unserem bescheidenen Budget als kleines Label geht.«

Ein Tipp zum Schluss: Auf der Webpräsenz des Labels findet man viele Informationen zu den einzelnen Banddiskographien und an dieser Stelle einige Klangbeispiele zum kostenlosen Download, die aber oftmals die besten Titel der jeweiligen Alben nicht mit einschließen. Die Entdeckungsreise sollte also im Plattenladen ihre Fortsetzung finden.