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Foto nordische Landschaft

22. September 2006

Linsenblick: Schweden

Am Ende steht immer der Rückblick. Mit ein bisschen Wehmut wird sich an die gute alte Zeit zurückerinnert – oder zumindest an den vergangenen Sommer. Wenn sich der Herbst ankündigt, dieser miesepetrige Vorbote winterlicher Melancholie mit seinen kalten Winden, seinen Laub- und Kastanienattacken, seinen dicken Jacken, warmen Rollkragenpullis und schiefen Wetterlagen. Dann wird eine Tasse Tee aufgesetzt, die Wolldecke bis zum Hals hochgezogen und die Kiste mit den Fotos behutsam unter dem Bett hervorgezogen. Und man erinnert sich an Tage, wo man mit Sack und Pack im Kanu diverse Seen überquert hat, an unendliche Wanderungen in irgendwelchen Nationalparks oder die fettigen Finger nach dem Verzehr von frisch geräuchertem Fisch in irgendeinem kleinen Fischerörtchen, dessen unbedeutender Name mit dem Sommer im Gleichschritt verblichen ist. Und auch, wenn diese Erinnerungen immer persönlicher Natur sind, hab ich einfach mal fix ein paar Schnappschüsse eingescannt und unbearbeitet online gestellt. Auf dass sie dazu animieren, die eigene Foto-Kiste unter dem Bett hervorzukramen.

 Auf Tour war ich dieses Jahr mit meiner Freundin durch Südschweden. Der silberne Toyota mit dem schrecklichen Touri-Elchaufkleber wurde kurzerhand von meinen Eltern geborgt und dann ging es doppelfährig über Dänemark erst einmal die Westküste hinauf nach Göteborg. Da das Wetter ziemlich prima war (klar, kein Reisebericht ohne Wetterstatus) lagen wir auch hauptsächlich auf irgendwelchen Steinen, an irgendwelchen Stränden am Meer. Und per schuppige Verpflegung auf dem Einweggrill (sorry dafür ) konnte man das sogar bis in die späten Abendstunden aushalten und den Sonnenbrand auskurieren. Ein kurzer Abstecher ins Landesinnere zum größten Moor Schwedens, dem Nationalpark »Store Mosse« brachte da die nötige Abwechslung. Der Bombensommer hatte allerdings zur Folge, dass von dem Moor nicht mehr viel übrig blieb. Ein bisschen erinnerte die Natur an afrikanische Steppenlandschaften mit einem großen See in der Mitte. Keine Spur von dunkelbraunen Untiefen und schlammigen Trampelpfaden. Gar nicht feuchte Feuchtwiesen gesehen und dafür 18 Kilometer um den ollen See gewandert. Toll. Kleiner, aber mit den Moos überwucherten Steinen und Kiefernwäldern (leider nicht windgebeutelt total krumm verwachsen) auf jeden Fall für ein paar Stunden Naturentertainment gut: Nationalparks »Norra Kvill« und »Tiveden«. Leider weder Bär noch Elch gesehen – dafür mussten dann die Blaubeeren tonnenweise dran glauben.

 Schnurstracks ging es dann per Kanu auf irgendwelchen Seesystemen weiter, tageweise nach Göteborg (nicht im Bild) und nach Tjörn (tolle Aussicht auch nicht im Bild). D afür im Bild: das angeblich schönste Schloss Schwedens: Läckö auf einer Halbinsel im Vänern, der in der Tat so groß ist, wie er auf der Karte aussieht. Schnell in paar Schnappschüsse mit ein paar Freunden gemacht, die wir dort getroffen haben, und uns dann per Kanuwettrennen nach Spiken gejagt – berühmt und schwer berüchtigt für seine Räuchereien, die nicht gerade sparsam mit dem Salz umgehen. Trotzdem saulecker.

Über Lönneberga (ein Dorf mit ca. 20 Holzhäusern und zwei Ortseingangsschildern an der Durchgangsstraße – auf dem bei einem ein Schädel von einem Nagetier platziert ist, obacht!) und ein paar touristischen Exzessen in der Gegend, wurde dann Öland geentert. Angeblich im Hochsommer ein absolutes No-Go, weil sich komplett Schweden, wenn nicht am Siljan-See, dann dort trifft. Aber wer so richtig Touri ist und jemals im Sommer in irgendeiner südländischen Metropole war, den kann so was selbstverständlich nicht schocken. Da sich aber die Ost see mitterweile aber in eine miefige Brühe verwandelt hatte, die es locker mit jedem Dixie-Klo am dritten Tag eines Rockfestivals aufnehmen konnte, war eher gähnende Leere auf den Campingplätzen zu verzeichnen. Genau so leer ist quasi das Unesco Weltkulturerbe »Stora Alvaret« gleich nebenan – eine Art kurzgeschorene Heidelandschaft mit ein paar kleinwüchsigen Büschen, grasenden Pferden und mickrigen Mauern, die aus herumfliegenden Steinen von irgendwelchen Bauern in grauer Vorzeit als Beschäftigungstherapie zusammengebaut wurden. Hat aber den Wikingern auch gut da gefallen, wie man an der zugegebenermaßen tollen Schiffssetzung erkennen kann. *klick*. Aber schnell natürlich weg aus Öland. Noch einmal ein paar einsame Seen überfallen, nachts irgendwelche Nacktbadende erschrecken (natürlich unbeabsichtigt) und das Zelt ein bisschen auf die Anhöhe gerückt, um den nahenden Sintfluten Einhalt zu gebieten. Über Malmö, wo die Stadtarchitekten die ehrwürdige Einkaufspassage gelungen mit modernen Gebäuden durchzogen haben, ging es dann auch schon wieder mit einem guten Gefühl und natürlich ohne neuen Elch-Aufkleber am Wagen nach Hause zurück.

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