11. September 2006
Schtimms in meiner Stadt (again)
Was für eine Stimmung! Was für eine Atmosphäre! Da brannte die Luft. Die Führung durch den Treffer von Timo Schultz in der 31. Minute – und dann der bittere, bittere Ausgleich durch Ich-bin-der-Lukas-Podolksi gleich in der zweiten Halbzeit. Konnte man da aussteigen? Wollte man da Musik hören? Natürlich nicht. Und so blieb der Beamer angeschaltet und die Schtimms machten es sich noch ein wenig draußen im Biergarten der Lokalität Grüner Jäger gemütlich, denn wenn man nach St. Pauli kommt und der FC spielt und sein Spiel wird auch noch übertragen und es geht auch noch gegen die Bayern, dann bleibt alles andere stehen und liegen und bevor der FC nicht zu Ende gespielt hat (erst recht gegen die Bayern), geschieht rein null; geschieht weniger als nichts.

Manchmal guckte einer von ihnen kurz um die Ecke, was man verzeihen muss, die große Fußballmannschaft ist Norwegen eben nicht und wo steht Trondheim und wie heißt überhaupt deren Mannschaft, wenn sie denn eine haben? Dann Verlängerung! Verlängerung, Leute! Denn der Klub ächzt in der Dritten Liga, weit abgeschlagen, fast am Ende (Platz 15 von 19!), mit dem Aufstieg wird das wieder nichts, während die Bayern wieder Meister werden, es ist einfach nicht zu verhindern. Und dann das Aus, durch Philipp Lahm, so unglücklich von Keeper Patrik Borger selbst ins Netz gepatscht, hätte er ihn doch einfach durchgelassen, nichts wäre passiert. So aber senkte sich eine große Stille über die Anwesenden; keiner sprach ein Wort, wortlos tranken wir aus unseren Astra-Flaschen.
Schtimm verstehen so was. Schtimm kennen sich damit aus. Schtimm machen aus Stille Musik und aus Musik Stille. Und sie gingen in den Konzertraum nach hinten, hoben ihre Instrumente und spielten ganz sachte ihre sachten Liedern. Erst zehn hörten ihn zu, dann zwanzig, dann dreißig, dann mehr. Und was spielten sie doch für eine tröstliche Musik, wie geschaffen für so einen Abend. Und wo bald alle so richtig getröstet waren, fingen Schtimms vorsichtig an zu rocken, denn das können sie auch, rocken und die Hüften schwingen lassen und mit den Fingern schnippen, wobei sie nie so doof martialisch rocken wie eine normale Rockband. Sondern eben freundlich, ein wenig zurückhaltend, einfach schön. »Ein Traum«, rief ein Zuhörer – und niemand widersprach, sondern alle nickten.
Und es wurde immer mehr ein heilsames Konzert und als es nach zwei Zugaben zu Ende war, traten wir alle zufrieden und genesen und nicht mehr enttäuscht und sogar ein wenig glücklich wieder in die laue Nacht und auf die Straße beim Grünen Jäger, wanderten weiter zum Schulterblatt, wo gerade die Wasserwerfer auffuhren, herbeigelockt von denen, die nicht bei den Schtimms gewesen waren. Ja, so war das.


Sie klingen wie deine Katze. Das behaupten zumindest
n mit ihren Brekkies verwechselt hat. Johan Angergård musste schmunzeln, als er die Demo-CD aus seinem überfüllten Postfach geholt und sie im Player des kleinen Stockholmer Büros hat rotieren lassen. Und da Johan nicht nur ein Agent der Geschmackssicherheit ist, sondern auch ein Sloganizer vor dem Herrn, bekam das schreckhafte Artpop-Trio fortan das Prädikat »Twee-Pop Children On Acid« verpasst. Und ihr Song »Ha Ha Ha Ha!« landete prompt auf einer
Veröffentlichungspolitik in Schweden, aber gerade auch hier in Deutschland einen Namen in der stetig anwachsenden Kleinstgemeinde der Schwedenpop-Abhängigen gemacht hat. Labrador gilt als ein unscheinbares, aber umso leidenschaftlicheres Label, was von der eigenen Begeisterungsfähigkeit für sympathische Bands und Musiker getragen wird. »Es muss halt passen«, wie Johan erzählt, der mit weiteren 1 ½ Mannen von Demo-Testsessions, über Bandbetreuung und Veröffentlichungsplanung alles selbst koordiniert.
befinden sich derzeit unter seinen Fittichen. Viele fristen ein karges Dasein, unbeachtet von der großen popkulturellen Öffentlichkeit. Es fehlt dann eben doch an finanzbringenden Zugpferden, die es erlauben würden, die Ausgaben für Promotion und Vermarktung in konkurrenzfähige Höhen zu schrauben. So lebt das kleine Label viel mehr von seinem Ruf, als von klingelnden Konten und wohlgelaunten Kassenwarten. In Schweden sichern die putzigen und immer gutgelaunten
auf Wohlgefallen der Labelbesitzer zu erhalten: »Wir veröffentlichen nur Musik, die wir selbst lieben und die aus Schweden stammt. Momentan haben wir keine weiteren Bands im Blick, die wir gerne signen würden. Na gut, bei Morrissey oder den Television Personalities würden wir eine Ausnahme machen«. Und wenn man sich die Bands anschaut, dann stehen die Stockholmer vor allem auf eines: Popmusik. Mal schwungvoll wie bei Aerospace, mal etwas auf folkloristischerem Grund stehend wie
s verkörperte, was trendy und angesagt war. Generell ist Anpassung aber eher ein Randthema, es dominieren auf Labrador zeitlosere Klänge. Unscheinbar wandelt der halbe Labelroster barfüßig durch die schwedische Heimat und saugt für zartbesaitete Songs den Charme und die Liebeswürdigkeit auf, die
welches der kommenden Alben (The Legends, Irene, [ingenting] und Loveninjas) sein persönlicher Favorit ist: »Alle Alben haben bei uns die gleiche Priorität – wir würden niemals etwas herausbringen, was wir nicht mit all unserer Kraft unterstützen würden. So gut es eben mit unserem bescheidenen Budget als kleines Label geht.«
