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Foto nordische Landschaft

11. Oktober 2006

Frauen und Katzen an die Macht!

 Die Gleichstellungsbeauftragte vom polarblog hat gesagt, ich soll mehr über Frauen in der Musikszene schreiben. Frauen! Dabei ist das Wort »Frauenmusik« schon schrecklich. Wir reden ja auch nicht über »Männermusik«. Was allerdings daran liegt, dass man besonders Randgruppen im Allgemeinen eher zu klassifizieren sucht, als die große Menge. Und Frauen in der Popmusik sind nun einmal hoffnungslos unterlegen. Gut also, dass jetzt ein Sampler dagegen Stimmung macht. Auf den ersten Blick scheint der Sampler uns sagen zu wollen: Frauen, das sind die Quasimodos der Musik, haben eine große Klappe und setzen gern mal ´nen Horn auf. Das wäre aber überinterpretiert. Eigentlich will der Sampler uns nur sagen: Frauen gibt es auch. Und sie machen sogar Musik!

»Girl Monster Vol.1« unterstreicht das gleich mal mit einundsechzig Tracks und zeitungsformatigem Booklet, als wolle man es den männlichen Dominatoren mal so richtig eins auswischen. Aber neben ein bisschen Angeberei (61 Songs!) schwingt natürlich auch eine Dinoportion Stolz mit. Zu Recht, denn Bescheidenheit wäre auch hier gar nicht angebracht. Mit feministischem Ehrgeiz wurde die Musikgeschichte mal hinterrücks aus Frauensicht aufgeschrieben. Angefangen irgendwo in den 80ern, wo Frauen erstmals in der Popgeschichte unübersehbar die Bühnen der Welt bevölkerten, über Anleihen der Riot Grrrl-Punkszene, bis hin zu avantgardistischen Sounds mit neuem Selbstverständnis der Gegenwart. 3CDs prallvoll mit ziemlich hysterischen, rabaukigen und oftmals elektronischem Musikmaterial. Was die Ambtionen dieses Projekts beweist: Die meisten Produktionen sind exklusiv auf diesem Sampler vertreten und wurden eigens an den langen Haaren frisch aus dem Untergrund ans Tageslicht befördert. Dabei siegt ganz klar die Individualität und das Aufbegehren gegenüber der geschminkten Sexiness. Was sich natürlich am besten durch exzessives Namedropping belegen lässt. Neben heldischen Größen wie Peaches, Björk (womit der Skandi-Bezug mal wieder geschmeidig gelungen wäre), Le Tigre, Siouxsie Sioux, Chicks On Speed oder Kevin Blechdom, gibt es natürlich auch feingesponnenes Küchenmaterial aus der umfangreichen zeitgenössischen Szene. Der Lolita-Elektropop von Cat5 aus Schweden kommt als einzig erträgliche Eurodisco-Variante daher und Gustav aus Österreich ist nicht nur aktiv gegen Walfang, sondern auch auf emphatischen Poppfaden unterwegs. Diese Frauen scheißen ausdrücklich auf Hausarbeit und Häkelkurs. Bestimmt. Und das darf sogar Männern gefallen.

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