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Foto nordische Landschaft

15. Oktober 2006

Ein Fall für Zwei: Laurila und Mäkkelä

In Finnland ist Herr Matula einer der bekanntesten Deutschen. Sagt Janne Laurila, das musikalische Multitaltent aus Tampere. Die Krimiserie »Ein Fall für Zwei« läuft seit vielen Jahren unter dem Titel »Kahden Keikka« im finnischen Fernsehen. Die Abenteuer von Josef Matula und seinen Kollegen spielen bekanntermaßen in Frankfurt. Janne Laurila hat für den Auftritt im Frankfurter Dreikönigskeller extra aus diesem Anlass eine Lederjacke angezogen, um Matula die Ehre zu erweisen. Hat tapfer freiwillig Frankfurter Spezialitäten wie Bockwurst und Äbbelwoi probiert (für Menschen, die den lokalen Dialekt beherrschen: Weck, Worscht unn Woi!). Und was hat ihm das alles genutzt? Leider sehr wenig!

 Zum Abschlusskonzert der gemeinsamen Tour von Mäkkelä´s Trash Lounge und Herrn Laurila tauchen gerade mal gefühlte zwölf Zuhörer auf. Vielleicht waren es auch 15, wenn man den Barkeeper mitzählt. Die beiden Musiker lassen sich von den Frankfurter Kulturbanausen nicht beeindrucken (schon Goethe hatte ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu seiner Heimatstadt!) und spielen leidenschaftlich und mit viel Herzblut auf.

Laurilas wunderbarerer Sommersong »Endless Summer« hatte sich bereits vor Monaten in mein Herz gespielt. Und da steht der quirlige junge Mann mit den lebhaften dunklen Augen allein mit seiner Gitarre auf der Bühne und bestätigt das Potenzial sein er selbst betitelten EP »LAURILA« auf ganz wunderbare Weise. Dass ein sehr temporeicher Song wie »Number Down« solo fast ebenso druckvoll kommt wie mit Bandbegleitung – Laurila macht solche kleinen Wunder möglich. Erzählt zwischendurch lustige Geschichten und steckt mit seiner Fröhlichkeit selbst den berufscoolen Barkeeper an. Spielt ganz herzerwärmend traurige Hank-Williams-Cover. Und einige Songs seiner früheren Band Office Building. »Warum wollen nur zwölf Leute diesen Mann hören«? fragt man sich ratlos. Janne hat Talent, Bühnenpräsenz, Ausstrahlung und eine unglaublich variationsreiche Stimme. Die zwöf wollen ihn kaum von der Bühne lassen. Recht haben sie!

Herr Mäkkelä hat es nach Jannes lebhaftem Auftritt fast ein bisschen schwer. Ist sperriger, fordert mit seinen launigen Songs mehr Aufmerksamkeit von den Zuhörern. Kultiviert das Kauzige und die liebt absurde Alltagsgeschichten. Ganz der halbseidene Bonvivant im verschlissenen Anzug. Und wunderbar e Geschichten hat er zu erzählen, wie die von dem Mann, der den Swimming-Pool von Brian Jones gebaut hat. Und die von den Pinguinen. Und zu ganz später Stunde, als die Glocken der Dreikönigskirche in Sachsenhausen schon längst zwölf geschlagen haben, kommt Janne Laurila nochmal mit auf die Bühne – und gemeinsam huldigen die beiden Musiker dem Mann in Schwarz. Eine besser Cover-Version von »Delia’s Gone« habe ich lange nicht gehört.

Für Janne endet dieser Abend sowieso noch versöhnlich. Hat ihm doch eine Frau aus dem Publikum erzählt, dass sie Matula heute IN ECHT gesehen hat. Am Flughafen! Janne findet das völlig großartig.

Ein Interview mit Janne Laurila übrigens demnächst auf Nordische Musik. Die Band hat gerade ihr erstes Album aufgenommen. Wer eine verschwommene und leider gar nicht synchrone Vorstellung davon bekommen möchte, wie sich Laurila live anhören, kann hier einen ersten Eindruck gewinnen.

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