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Foto nordische Landschaft

12. November 2006

Wichtelzauberspielchen für Zwischendurch

 Nicht dass sie denken, uns sind die Finger verfroren und wir können nur noch unter Schmerzen hier mühsam einen Polarblog-Beitrag pro Woche abliefern, weil  wir gleichzeitig uns mit einer heißen Tasse Tee (antifrostige Wintermischung) und dicken Daunendecken von Innen und Außen wärmen müssen. Denn in Skandiavien ist es derzeit gar nicht so kalt, wie man vermuten könnte. Okay, Pudasjarvi, Mittelfinnland: Höchsttemperatur –5°, Schnee. Brrrr. Nicht viel besser: Nordschweden. Dauerfrost mit irgendwas unter Null. Aber sonst wärmen die Ozeane vorbildlich die Küstenregionen auf deutsche Temperaturen.

Nein, wir sitzen hier im Redaktionsbüro und daddeln uns die Finger wund. Schließlich haben wir die wunderbar ideenreich animierten Flash-Spielchen von Jakub Dvorsky wiederentdeckt. Noch einmal die kleinen Wichtel retten, Planeten vorm Kollidieren bewahren und dem bösen Endboss eins Auswischen. Wir vergessen einfach mal, dass der werte Webdesigner aus Tschechien kommt und stellen uns vor: Diese kleinen Zauberwesen hätten genau so gut auf Island oder sonst wo in den verhuschten Schratwäldern Skandinaviens hausen können. Und wer weiß, vielleicht tun sie es ja auch.

Zum Warmwerden (statt Tee) empfehlen wir »Quest For The Rest«, das als Teaser zum 2004er Album vom Kuttenkollektiv The Polyphonic Spree ins Netz gestellt wurde. Danach geht es etwas kniffeliger weiter – mit dem interstellaren Raumquiz »Samorost 1« und der noch besseren Fortsetzung »Samorost 2«. Wer es noch nicht kennt, der bereite sich auf eine gute Stunde Click-Spielereien vor. Wer es kennt, darf das Wasser aufsetzen gehen. Oder schreibt den nächsten Polarblog-Beitrag.

05. November 2006

… … And Then We Take Berlin: Tiger Lou und andere Neu-Hauptstädter

Kommen die goldenen Zeiten wieder? Als Ende der 70er strauchelnde Superstars wie David Bowie zeitweise in Berlin lebten und die  düstere Mauerstadt einer der coolsten Orte auf der Weltrockkarte war?

Berlin, damals noch von beiden deutschen Staaten hochsubventionierte Haupt- und Frontstadt, ist heute so pleite, dass die Löcher in dem Straßen abseits der Boulevards schon lange nicht mehr geflickt werden.  So pleite, dass die Grundschule meines Patenkindes Mitja so heruntergekommen aussieht, dass selbst der damalige Bundestagspräsident Thierse bei der Besichtigung vor Ort entsetzt genug war, um einige Euros für Verschönerungsarbeiten herauszurücken. So pleite, weil die einzige Hochburg der Industrialisierung nie den Anschluss an die ach so wunderbar funktionierende Dienstleistungsgesellschaft gefunden hat.

Was aber höchst lebendig ist, das ist die Off-Kulturszene.  Kein Wunder. Mieten und Lebenshaltungskosten sind deutlich billiger als in anderem Großstädten wie München oder Frankfurt. Ungenutzte ehemalige Industriegebäude finden sich abseits der hippen Szeneviertel noch massenweise. Und Neugier, Toleranz und Offenheit liegen den Berlinern  – wenn sie nicht gerade mit Maulen, Meckern oder Ruppigsein beschäftigt sind.

Die Freiräume der Hauptstadt haben immer ein großes Anziehungspotenzial für auswärtige Künstler gehabt. In letzter Zeit vor allem für die Skandinavier. Tiger Lou gönnt sich nach ausgiebiger Tourerei  eine kreative Pause in Berlin, teilt er in gewohnter Lakonie auf seiner Homepage mit.  Er schreibt neue Songs und denkt darüber nach, was er mit dem Rest seines Lebens anfangen will. Vielleicht dem Friedenscorps beitreten? Und hat gerade gemeinsam mit seiner Fau Andrea aka Firefox ak ein Weihnachtslied für eine Compilation des schwedischen Labels Razzia Records aufgenommen. Hoffentlich wirkt sich der dauergraue Berliner Winter und der immer noch gegenwärtige Geruch von Kohleheizungen nicht negativ auf Rasmus´ Kreativität aus.

Zu den Neu-Berlinern aus dem Norden gehören auch die Dänen von Lily Electric. Die ihren neuen Proberaum ausgerechnet in dem Komplex gefunden haben, wo ehemals der DDR-Staatsrundfunk residierte.  Begeistert berichten sie in ihrem Blog von den »netten Berlinern« (sollte es die tatsächlich geben?) und den Deutschstunden bei Frau Günther. Zu den prominentesten Berlin-Fans aus Dänemark gehören übrigens Kashmir, die sich im Interview mit Nordische Musik als große Fans von Bowies Berliner Alben outeten.

Weitere skandinavische Berliner gefällig? Múm aus Island haben sich vom heruntergekommen Charme Berlins ebenso inspirieren lassen wie ihre Landsleute Kimono. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Der Tanz auf dem Vulkan kann angesichts dieser Anziehungskraft der deutschen Metropole weitergehen. Wir warten neugierig auf Tiger Lous Berliner Album.

02. November 2006

Nicht nur Lachs und Würstchen

Lachs und Würstchen

Fühlt man sich nicht irgendwie »wichtig«, wenn man folgende Einladungskarte erhält?

EINLADUNG

Zur Eröffnung der Ausstellung und zur Verleihung des Willy-Brandt-Preises 2006 durch die Außenminister beider Länder laden wir Sie mit Begleitung herzlich ein.

Es sprechen:

  • Jonas Gahr Støre
    Minister für Auswärtige Angelegenheiten des Königreichs Norwegen
  • Dr. Frank-Walter Steinmeier
    Bundesminister des Auswärtigen
  • Franz Thönnes, MdB
    Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales und Vorsitzender der Norwegisch-Deutschen Willy-Brandt-Stiftung
  • Prof. Dr. Peter Brandt
    Direktor des Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften und Leiter des Lehrgebiets Neuere deutsche und europäische Geschichte am Historischen Institut der FernUniversität Hagen

Auch Sponsoren-Logos von wichtigen Firmen und Institutionen, die die beiden Länder halt so zu bieten haben, prangen zuhauf auf der Einladungskarte.

Sponsoren-OverkillUnd ein leuchtend gelber Aufkleber »Bitte planen Sie genügend Zeit für die Sicherheitskontrollen ein« erinnert daran, dass man nicht weit entfernt von Politikern stehen wird, die glauben, sich besser schützen zu müssen als Diktatoren in Bananenrepubliken.

Tut mir leid: Eigentlich wollte ich ja gar nicht ironisch werden oder gar scherzhaft darüber spekulieren, ob sich eine Fahrt nach Berlin lohnt angesichts des zu erwartenden Buffets bei dieser Veranstaltung. Das ergab sich jetzt nur so.

Eigentlich wollte ich vielmehr auf die Wander-Ausstellung »Nicht nur Lachs und Würstchen – Hundert Jahre deutsch-norwegische Begegnungen « selbst hinweisen, die nach einigen Monaten in Norwegen nun auch nach Deutschland kommt. Sie gastiert zunächst in Berlin im Museum für Kommunikation vom 11.11.2006 (!) bis 28.1.2007 in Berlin.

Und sie hat ein exquisiten Ausstellungskatalog. Dies schreibe ich bei Gott nicht deshalb, weil ich selbst einen Beitrag über die norwegische Jazzszene beigesteuert habe.

Sondern weil ich allein durch diesen Umstand in den Besitz des fast 350seitigen, bunt bebilderten Ausstellungskatalogs gekommen bin und weil das Querlesen in den verschiedenen Aspekten norwegisch-deutscher Gemeinsamkeiten höchst interessant ist.

Womit ich hiermit den Besuch der Ausstellung und den Erwerb des Katalogs ausdrücklich empfehle …

 
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