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Foto nordische Landschaft

30. Dezember 2006

2007

 Farsælt Komandi Ár! – Das war Isländisch

Godt Nytår! – Das war Dänisch

Onnellista Uutta Vuotta! – Das war Finnisch

Godt Nytt År! – Das war Norwegisch

Gott Nytt År! – Das war Schwedisch

Frohes Neues! Natürlich gibt es hier auch nächstes Jahr weiterhin viel skandinavische Blogbewegung – oft musikalisch, manchmal grenzwertig. Nach nur acht Monaten seit der eher unspektakulären Geburt der etwas hibbeligeren Schwesterseite von www.nordische-musik.de haben wir schon viele Stammleser gewonnen. Vielen Dank also fürs kontinuierliche Reinklicken! Das Polarblog-Team wünscht guten Rutsch und einen fantastischen Start ins Jahr 2007!

28. Dezember 2006

Soul Of A City: Owusu & Hannibal

 Am Ende des Jahres kommt die Abrechnung. Meist in Listenform und überall kommt etwas anderes unterm Strich raus, was eigentlich nur dicke imperativische Ausrufezeichen hinter den Fakt setzt, dass Musik vor allem eine subjektive Angelegenheit ist. Auch wenn einige Leute dann gerne Geschmacksunsicher- heit attestieren – nur weil es das eigene Top-Album des Jahres nicht unter die ersten 20 Plätze geschafft hat.

Von derlei Irritationen unbeeinflusst eignen sich die Jahrescharts von Magazinen im Papier- und Bildschirmbereich allerdings vorzüglich, um auf etwaige sträflich missachtete, gar übersehene Prachtexemplare hingewiesen zu werden. Platz 38 der derzeit durch Turbulenzen geschüttelten Spex ist ein solcher Fall. Denn zwischen den rachitischen Blood Brothers und den zugedröhnten Lemonheads erweckten die exotisch anmutenden Owusu & Hannibal meine Aufmerksamkeit.

 Kurze Zeit und vier Hörproben später dann die Erkenntnis: Spex hat recht. Was sich anhörte wie eher öde afrikanische Trommlerfolklore ist ein erlesen kosmopolitisches, globalisiertes Zwei-Mann-Projekt aus Kopenhagen, was das skandinavische Land mit einer donnergleichen Meldung direkt auf die Landkarte des Soul hievt. Philip Owusu erstammt einer ghanaischen Familie, Robin Hannibal ist bereits in Dänemark geboren. Beide zusammen erdenken und erfühlen ein gradioses Album, was eine Brücke vom wärmenden Soul der Motown-Ära auf die Elektronika-Ebene der Zukunft schlägt.

Urbane Beats treffen auf ihrem Debüt »Living With Owusu & Hannibal« auf weichkehlige Prince-, Brown- oder Jackson-Stimmen. Großes Musikkino ist garantiert, wenn die beiden im Dialog mit dem Sampler und seiner eigenen choralen Vielstimmigkeit die  Grenzen von Mensch und Maschine ausreizen und dabei nerdigen Pathos versprühen. Als herausragende Singles seien an dieser Stelle »Blue Jay« und »Delirium« genannt, die den beiden Freidenkern auch den Plattendeal mit dem umsichtigen kalifornischen Label Ubiquity einbrachte. Der Rest tändelt zwischen Genre-Patchworks und minimalistischeren Cosmic House-Anleihen. In dekonstruktivistischer Manier bedienen sie sich in allen Stilistik-Schubladen. Donnernder Funk, schmachtende Balladen und gechillter NuJazz verschmelzen zu einem in sich stimmigen und doch heterogenen Soulkomplex. Ein formidables Headz-Album und eine echte Entdeckung. ´tschuldigung für die Verspätung.

23. Dezember 2006

Schlimmer Anfall von Promodeutsch

 Ich bin wie immer überpünktlich am Venue und schaue mich erst mal um. Ah, die Backline steht – und gleich zwei Drumkits werden nacher ordentlich Druck durch die PA blasen. Soundcheck war wohl schon – jetzt dürften »Tamron« genug Zeit für das Q&A haben, wenn sie nicht gerade über das Catering herfallen. Eigentlich wollte mir mir Marc von »Figga Records« nur ein Phoner mit der Band andrehen, aber auf die Intensität eines Face-To-Face will ich als professioneller Musikjournalist natürlich nicht verzichten. Schön also, dass sich hier noch vor Album- bei diesem Showcase die Gelegenheit ergeben hat.

 Erst mal meinen Kontakt suchen. Passenderweise macht Marc das gleich selbst – ist er doch A&R, Labelchef und Head Of Promotion in Personalunion. Gesucht und gefunden! Ich hab anscheinend doch noch ein paar Minuten Zeit, da gerade noch der Print-Freelancer dran ist, der vom »Rockstyle-Magazin« den Event covern soll. Ein paar mehr Minuten wird’s wohl dauern, da auch erst noch draußen ´nen Shoot gemacht wird. Der Schedule ist eh hinfällig und längst durcheinandergewirbelt, Also trinke ich noch ein schnelles Bierchen mit Marc, der mir auch gleich in seiner charmanten, aber aufdringlichen Art seinen halben Label-Roster für weitere Activities andrehen will. »Odori« will er ordentlich pushen und mit diesem Act endlich mal den deutschen Markt breaken, auch wenn natürlich ein Top 100-Chart Entry Illusion bleiben wird. Dennoch: »Odori« sind klar sein Priority-Thema. Danach muss ich mir noch von ihm den restlichen Forecast seiner Releases der nächsten Wochen anhören, bis ich endlich mein Mikro für das Interview mit »Tamron« in Stellung bringen kann, um sie mal auf ihr Attitude-Problem anzusprechen. Ist doch eh nur eine Inszenierung von den Imageberatern des Labels. Klare Sache das.

 Es geht nicht immer so reibungslos. Noch gestern hatte Jeff, der Booker von »JamÄmm-Agency«, mit mir gephoned, dass der Termin mit »Baby G« off ist. Alles gecancelt und auf nächstes Jahr verschoben. Aber wir handlen das schon. Neuer Tourplan wird auch gerade schon ausgecheckt, aber Locations und Dates sind noch tbc. Eigentlich wollte er sich heute noch mal melden, aber vermutlich ist er gerade zu busy im Meeting mit seinem PM. Die sind derzeit mit der Planung für ihr Sublabel beschäftigt, wohin sie ihre unkommerzielleren Grenzprodukte wie deepe Drum´n´Bass-Elemente oder ihre neu gesignten Post-Harcore-Emoboys aus Washington DC outsourcen wollen, um ihre Produktlinie übersichtlicher zu staffeln.

Nachdem es jetzt schon so spät geworden ist, schenk´ ich mir die Live-Performance. Zurück im Redaktionsoffice checke ich erst mal die Promopost. Ah, eine Advance-Watermarked-Copy des neuen Longplayers von »Bay Parks« aus Montreal ist dabei. Komisch, dass die das jetzt noch verschicken – war nicht sowieso in zwei Wochen Street-Day? Wahrscheinlich  ist das Ding echt noch nicht geleaked und bei den üblichen Filesharing-Programmen downloadbar. Eine echte Seltenheit in diesem Biz. Erste einminütige Snippets der ultrascharfen neuen Scheibe von »XXXTC« sind auch dabei. Toll, aber was soll ein Radioredakteur denn damit anfangen? Genau so sinnlos
wie die overvoicte EP, die sie letzte Woche geschickt haben. Anscheinend haben die überhaupt keinen Durchblick mehr da. Komplettes Album gibt´s sogar schon als Pre-Listening bei iTunes, obwohl der Name noch tba ist. Verstehe einer diese Taktik.

Jeff ruft doch noch mal an. Nichts Neues bezüglich »Baby G«, aber er fragt an, ob wir nicht Lust hätten, die »Hoya«-Tour ein bisschen zu featuren. Trailer, Teasing und redaktioneller Support gegen das übliche Zeugs: Giveaways zum raushauen, bisschen Merch, Tix für die Show sowieso und wenn´s der Slot zulässt, wäre auch noch ein Meet&Greet für unsere Hörer an der Location drin. Ich confirme das einfach mal spontan (schließlich sind »Hoya« in ihrem Genre Trendsetter und dem Mainstream um Längen voraus) und schicke noch schnell ´nen Feedback an »Streetstone Music« raus. Dann bin ich endlich fertig für heute. Die Medienpartner sind gepleased. Zeit, das Licht auszuknipsen.

19. Dezember 2006

Nick Triani oder: Herr Achteinhalb und sein Gespür für Indie-Pop

Meine finnischen Freundinnen sind süchtig. Donnerstag abend ist als fester Termin reserviert. Sie sitzen vorm Radio und bilden ihren Musikgeschmack weiter. Lassen sich von den die interessantesten Neuerscheinungen aus dem internationalen Indiepopbereich inspirieren. Was geht hier vor? Ganz einfach: Nick Triani hat seine allwöchentliche zweistündige Sendung »8 1/2« auf Radio Helsinki. Und Mr. Triani kennt sich aus.

 Wie es einen waschechten Londonder nach Helsinki verschlägt, hat der Fama zufolge einen ganz simplen Grund: Liebe! Seit fast zehn Jahren lebt Triani nun schon in der finnischen Hauptstadt und hat im Musikleben eine deutliche Spur hinterlassen: Als Musiker mit seiner Band Treeball. Als umtriebiger Produzent, der mit Bands von Apulanta über Giant Robot bis zu Sister Flo gearbeitet hat. Und natürlich als Moderator und und Vorreiter in Sachen guten Musikgeschmacks über seine legendäre Radiosendung am Donnerstag abend. Über Webradio kann man Herrn Trianis Empfehlungen übrigens auch von Deutschland aus bestens verfolgen: Der gute Mann spricht bis zum heutigen Tag nur zwei Worte finnisch und dabei soll es sich um den Abschiedsgruß »hei  hei« handeln, sagt Liisa, die das aus sicherer Quelle weiß. Man muss nur Trianis Londoner Straßenslang im Radio verstehen, und an den gewöhnt man sich.

Triani ist für aufstrebende junge finnische Indie-Bands eine Institution wie der Papst für Katholiken. Oder John Peel für  die Smiths. Spielt Triani einen Song auf 8 1/2, dann ist das schon ein Riesenschritt in Richtung Ruhm und Reichtum.

 Zur Zeit mag er die putzigen Elektro-Spasspopper I Was A Teenage Satan Worshipper aus Tampere. Die verträumten Pianopoeten Baby Sweetcorn aus Pori. Und die verhuschten Folkrebellen Mikael H And Some Sibirians aus Helsinki. Unter Trianis finnischen All-Time-Favoriten sind Red Carpet , Sister Flo , die Rollstons , Ultrasport und Office Building. Und wer mal eine Sendung verpasst: Nick stellt die Playlist über seine myspace-Seite ins Netz.

Was ich am Donnerstag abend so mache? Ääääh…da ist ein wichtiger Termin von 19 bis 21 Uhr. Finnischer Zeit, natürlich.

17. Dezember 2006

Blog-O-Dramen

 Überhaupt ist diese Bloggerei ein einziges Drama. Da hat man gut recherchierte Texte und findige und hin- und her überlegte Ideen, die Stunden und Aberstunden an Eingabe und Ausformulierung benötigen, aber nur so heraussprudeln. So etwas schreibt man vielleicht ein, zwei Mal im Monat, wenn denn das Zeitfenster zwischen Uni, Freunden und sonstigem Beschäftigungsalarm mitten in der Nacht einen Spalt weit offen steht und das passende Feierabend- und Blog-Bier im Kühlschrank lagert.

Aber dann gibt es die Tage, wo das Schreiben einen ermüdet. Wo die Welt einen anbläst mit starren Gesichtern, wo der Schreibtisch zum Abraum der Welt gehört und überhaupt alles wie klammes Tuch und bleiern auf den Schultern lastet. Und trotzdem ist da dieser innerer Drang, doch etwas auf den Monitor bringen zu müssen. Der Drang, doch mal wieder irgendwas zu schreiben, damit das Vergessen da draußen an der Blogfront nicht seine kalten Hände zum Würgegriff ausfährt. Damit hier auch an diesem Wochenende etwas passiert. Und sei es wegen des Zugeständnisses an unsere Zeit, in der alles immer, schnell, sofort und neu sein muss. Wo die Gier nach Input herrscht, und das Bedürfnis immer neue Gedanken, Motive und Textfragmente in sich hinein zu schlingen.

Es ist das Äquivalent zur täglichen Newsrunde kurz nach dem Hochbooten des Computers. Einmal die neuesten Emails aus dem Eingang fischen, die sich im Stundentakt, wie Spreu vom Weizen, abgetrennt von Volksbank-Spam und Penisverlängerungspillen bereits in der isolierte Zelle des digitalen Postfachs versammelt haben. Danach noch schnell die häppchenweise vorportionierten Nachrichten hinunterwürgen, die irgendwelche kurz angebundenen Journalisten bereithalten und wo die schlagworthaft gestauchte Überschrift oft den Text gänzlich überflüssig macht (oder sich wenigstens intuitiv mit eigenem Halbwissen auffüllen lässt und einem so prima in die Weltsicht passt). Als nächstes noch samt Kaffee und Pizza vom Vorabend die favorierten Musik- und Blogseiten mit einem überhasteten Morgenposting abhaken und dabei Tropfen aus den feuchten Haaren auf die Tastatur perlen lassen. Weil es eben sein muss. Weil es einen sonst innerlich zerreißt.

Aber die Gewohnheit macht anfällig. Fast verärgert ist man über die unverhoffte Störung in dem sonst reibungslos funktionierenden System aus traditionalistischer Routine, die fast autistische Ausmaße annimmt, und der schmeichelnden Gewissheit, der Aktualität der Ereignisse nur minimal hinterher zu hecheln, wenn sich der freundliche Mailsupport nur mit einem neutralen Smiley für den Aufruf seiner Seite bedankt oder wenn auf der Lieblingsblog-Seite immer noch der bereits vierfach gelesene Eintrag von vorgestern prangt. Da werden einem die Abhängigkeiten des User-Alltags schlagartig bewusst. Eine Erfahrung, die zwar nur kurz betrübt, aber nicht davon abhält, gleich bei der nächstmöglichen Gelegenheit wieder einmal nachzuschauen.

Dieser Eintrag ist somit lediglich die Kapitulation vor der eigenen Blog- und Schreibsucht und einzig und allein dazu da, die Sucht derjenigen zu nähren und zu befriedigen, die bereits der Abhängigkeit zum Polarblog verfallen sind.

 Weil man dachte, sie hätten auf ihrem Debüt nur vorbildlich die Instrumente gewetzt für den Todesstoß des Zweitlings, war die Spannung auf das neue Werk von Husky Rescue »Ghost Is Not Real« (VÖ: 26.01.2007) vielleicht überhaupt da. Schließlich war »Country Falls« nicht nur bei uns ein gelobter Batzen Nordpop, sondern auch sonst ein gern gehörter Gast im Rundschwung der Plattenspieler. Ganz frisch eingetroffen ist nun eine 7´´ als Vorbote des neuen Albums. Sie hört auf den heimeligen Namen »My Home Ghost« und ist eine zwischen Pop und Elektropop pendelnde Unaufdringlichkeit, die fast ärgerlich belanglos daherschlurft. Aber vorverurteilt wird bei uns aus Gründen journalistischer Sorgfaltspflicht natürlich nicht.

Deswegen lässt man sich von einem weiteren Song auf das Album vorbereiten, der gleich einmal visuelle Verstärkung anfordert. »Nightless Nights«, ein Song, der Spannung daraus schöpft, dass eigentlich nichts passiert. Ständig erwartet man einen Twist, einen U-Turn oder gar eine Wendung. Aber wieder nichts. Vielleicht muss das aber auch so sein, dass die Band im Video gelangweilt vor sich hinspielt, während der in 70er Klamotten gehüllte Rest arschwackelnd und tanzend auf der Wiese umherhüpft. Nur warum?

Überhaupt das Video. Mit ein bisschen mehr Kreativität hätte man nicht nur beim lokalen Juhannus-Fest (Midsommar) die alte Super 8 drauf gehalten, bei der sphärischen Interlude naheliegend fliegende Menschen in Slo-Motion gezeigt und zwischendurch mal das Licht ausgeknipst. Anscheinend war hier einfach nicht mehr drin. Und wenn jetzt jemand»Langeweile« gähnt, gehen uns in der Tat die Argumente aus. Aber man soll nicht sagen können, wir hätten etwas unversucht gelassen, die neuen Songs von Husky Rescue gutzufinden. Es hat einfach (noch?) nicht gereicht.

 
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