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Foto nordische Landschaft

10. Dezember 2006

Tollerei im Kollektiv – I’m From Barcelona auf Tour

Ist der Anspruch gering, ist die Stimmung gut. Die Formel von I’m From Barcelona ist gleichsam simpel und wirkungsvoll. Die Popsongs können nicht genug Popsong sein, die Melodien nicht genug Melodie und die gute Laune nicht gut genug. Es ist ein Fest, wenn die Schweden auf Europatour sind!

I’m gonna sing a song with all of my friends / And we’re all from Barcelona / Love is a feeling that we don’t understand / But we’re gonna give it to you / We’ll aim for the stars, we’ll aim for your heart / When the night comes / And we’ll bring you love, you’ll be one of us / When the night comes…

Als ein Hobbyprojekt zum Zeitvertreib von Emanuel Lundgren gestartet (es muss Sommer gewes en sein) wurde inzwischen aus den bis zu 29 Schweden und Schwedinnen so etwas wie das Kintergarten-Kollektiv der schwedischen Musikszene. Eigentlich nur für einen legendären Gig zusammengefunden, geben sie inzwischen europaweit spärlich Konzerte. Kein Wunder, wer bekommt schon vom Arbeitgeber mal einfach so frei – denn mit über zwanzig Freunden zu Touren ist nicht gerade ein lukratives Geschäft, so dass unterm Strich von I´m From Barcelona nicht viel mehr als ein Hobby übrigbleibt.

Dementsprechend waren die etwas schrägen Hippies auch nicht ganz vollständig angetreten – trotzdem konnte sich die Bühne des Gloria-Theaters in Köln nicht über gähnende Leere beschweren. Gleich fünfzehn Gesangsmikrophone, ein Instrumentarium von Tuba bi s Tröte und einundzwanzig in Hippie-Chic gekleidete Schweden. Die meisten trugen Vollbärte oder 70er Jahre Kleidchen mit urigen, viel zu großen Brillen. Ein bunter Haufen, eben mit viel Haar und Humor. Als Anheizer wurden die Seifenblasen-Maschinen auf die höchste Stufe gestellt, das Konfetti eimerweise durch den Raum geschmissen. Dann ging es los mit dem Nonsens-Reigen. Mit »Treehouse“, das gleich für Familienpackungen an »Na-Na-Naas« der geschätzten zehn Backgroundchor-Grüppchen auf der Bühne sorgte.

Obwohl es das einzige Deutschlandkonzert der Tour, waren gerade einmal 150 Leute im samtbehangenen Gloria anwesend. Und es dauerte z wei, drei Songs, bis die Euphorie auf das Publikum übersprang. Spätestens beim eingecoverten »Like A Virgin« bei »Rec & Play« war aus dem Funken eine Glutwelle geworden. Man hatte auch keine Wahl! Tummelte sich doch die Band wenn nicht auf der Bühne auch gerne im Publikum. Schwätzte ein bisschen rum und hielt einem dann selbst das Mikrophon unter die Nase. Kein Problem, wenn da nur ein zaghaftes Mitsummen zu hören war – unter der Masse an Sängern lässt sich ein Einzelner gar nicht mehr lokalisieren. Unter der Chorälen litten vor allem die Musiker, deren Instrumentenklang kaum mehr als Staffage waren.

Instrumente wurden getauscht, Mikrophone gewechselt, Gastmusiker auf die Bühne gehievt, gesprungen, getanzt, gelacht, Luftschlagen gepustet, Luftballons gepritscht und mitgesungen. Für Außenstehende muss es eine skurrile Situation der Entfesselung  gewesen sein – ein Kindergeburtstag für Erwachsene. Fast ausnahmslos wurden alle Songs des Debütalbums gespielt, nur unterbrochen vom neuen Stimmungsmacher »Grizzy Man« (genau so blöd natürllich, wie es der Titel vermuten lässt. Aber das ist ja einem auch die Erwartung schuldig) und »Bält Ros«. Die Erkennungshymne »We´re From Barcelona« geriet zum Siedepunkt einer leider zu kurzen, aber absolut  infantil-liebenswürdigen Vorstellung, die nur von der gleichnamigen Coverversion der»Original I´m From Barcelona-Coverband« im Zugabenblock übertroffen wurde. Als wirklich die Grenzen zwischen Band und Publikum verschwammen und man sich auf einmal selbst in einen emotionalen Glücks-Flash gewickelt und mit Kirmes-Ukulele spielend, tanzend und singend statt vor der Bühne auf ihr wiederfand

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