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Foto nordische Landschaft

17. Dezember 2006

Blog-O-Dramen

 Überhaupt ist diese Bloggerei ein einziges Drama. Da hat man gut recherchierte Texte und findige und hin- und her überlegte Ideen, die Stunden und Aberstunden an Eingabe und Ausformulierung benötigen, aber nur so heraussprudeln. So etwas schreibt man vielleicht ein, zwei Mal im Monat, wenn denn das Zeitfenster zwischen Uni, Freunden und sonstigem Beschäftigungsalarm mitten in der Nacht einen Spalt weit offen steht und das passende Feierabend- und Blog-Bier im Kühlschrank lagert.

Aber dann gibt es die Tage, wo das Schreiben einen ermüdet. Wo die Welt einen anbläst mit starren Gesichtern, wo der Schreibtisch zum Abraum der Welt gehört und überhaupt alles wie klammes Tuch und bleiern auf den Schultern lastet. Und trotzdem ist da dieser innerer Drang, doch etwas auf den Monitor bringen zu müssen. Der Drang, doch mal wieder irgendwas zu schreiben, damit das Vergessen da draußen an der Blogfront nicht seine kalten Hände zum Würgegriff ausfährt. Damit hier auch an diesem Wochenende etwas passiert. Und sei es wegen des Zugeständnisses an unsere Zeit, in der alles immer, schnell, sofort und neu sein muss. Wo die Gier nach Input herrscht, und das Bedürfnis immer neue Gedanken, Motive und Textfragmente in sich hinein zu schlingen.

Es ist das Äquivalent zur täglichen Newsrunde kurz nach dem Hochbooten des Computers. Einmal die neuesten Emails aus dem Eingang fischen, die sich im Stundentakt, wie Spreu vom Weizen, abgetrennt von Volksbank-Spam und Penisverlängerungspillen bereits in der isolierte Zelle des digitalen Postfachs versammelt haben. Danach noch schnell die häppchenweise vorportionierten Nachrichten hinunterwürgen, die irgendwelche kurz angebundenen Journalisten bereithalten und wo die schlagworthaft gestauchte Überschrift oft den Text gänzlich überflüssig macht (oder sich wenigstens intuitiv mit eigenem Halbwissen auffüllen lässt und einem so prima in die Weltsicht passt). Als nächstes noch samt Kaffee und Pizza vom Vorabend die favorierten Musik- und Blogseiten mit einem überhasteten Morgenposting abhaken und dabei Tropfen aus den feuchten Haaren auf die Tastatur perlen lassen. Weil es eben sein muss. Weil es einen sonst innerlich zerreißt.

Aber die Gewohnheit macht anfällig. Fast verärgert ist man über die unverhoffte Störung in dem sonst reibungslos funktionierenden System aus traditionalistischer Routine, die fast autistische Ausmaße annimmt, und der schmeichelnden Gewissheit, der Aktualität der Ereignisse nur minimal hinterher zu hecheln, wenn sich der freundliche Mailsupport nur mit einem neutralen Smiley für den Aufruf seiner Seite bedankt oder wenn auf der Lieblingsblog-Seite immer noch der bereits vierfach gelesene Eintrag von vorgestern prangt. Da werden einem die Abhängigkeiten des User-Alltags schlagartig bewusst. Eine Erfahrung, die zwar nur kurz betrübt, aber nicht davon abhält, gleich bei der nächstmöglichen Gelegenheit wieder einmal nachzuschauen.

Dieser Eintrag ist somit lediglich die Kapitulation vor der eigenen Blog- und Schreibsucht und einzig und allein dazu da, die Sucht derjenigen zu nähren und zu befriedigen, die bereits der Abhängigkeit zum Polarblog verfallen sind.

 Weil man dachte, sie hätten auf ihrem Debüt nur vorbildlich die Instrumente gewetzt für den Todesstoß des Zweitlings, war die Spannung auf das neue Werk von Husky Rescue »Ghost Is Not Real« (VÖ: 26.01.2007) vielleicht überhaupt da. Schließlich war »Country Falls« nicht nur bei uns ein gelobter Batzen Nordpop, sondern auch sonst ein gern gehörter Gast im Rundschwung der Plattenspieler. Ganz frisch eingetroffen ist nun eine 7´´ als Vorbote des neuen Albums. Sie hört auf den heimeligen Namen »My Home Ghost« und ist eine zwischen Pop und Elektropop pendelnde Unaufdringlichkeit, die fast ärgerlich belanglos daherschlurft. Aber vorverurteilt wird bei uns aus Gründen journalistischer Sorgfaltspflicht natürlich nicht.

Deswegen lässt man sich von einem weiteren Song auf das Album vorbereiten, der gleich einmal visuelle Verstärkung anfordert. »Nightless Nights«, ein Song, der Spannung daraus schöpft, dass eigentlich nichts passiert. Ständig erwartet man einen Twist, einen U-Turn oder gar eine Wendung. Aber wieder nichts. Vielleicht muss das aber auch so sein, dass die Band im Video gelangweilt vor sich hinspielt, während der in 70er Klamotten gehüllte Rest arschwackelnd und tanzend auf der Wiese umherhüpft. Nur warum?

Überhaupt das Video. Mit ein bisschen mehr Kreativität hätte man nicht nur beim lokalen Juhannus-Fest (Midsommar) die alte Super 8 drauf gehalten, bei der sphärischen Interlude naheliegend fliegende Menschen in Slo-Motion gezeigt und zwischendurch mal das Licht ausgeknipst. Anscheinend war hier einfach nicht mehr drin. Und wenn jetzt jemand»Langeweile« gähnt, gehen uns in der Tat die Argumente aus. Aber man soll nicht sagen können, wir hätten etwas unversucht gelassen, die neuen Songs von Husky Rescue gutzufinden. Es hat einfach (noch?) nicht gereicht.

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