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Foto nordische Landschaft

23. Dezember 2006

Schlimmer Anfall von Promodeutsch

 Ich bin wie immer überpünktlich am Venue und schaue mich erst mal um. Ah, die Backline steht – und gleich zwei Drumkits werden nacher ordentlich Druck durch die PA blasen. Soundcheck war wohl schon – jetzt dürften »Tamron« genug Zeit für das Q&A haben, wenn sie nicht gerade über das Catering herfallen. Eigentlich wollte mir mir Marc von »Figga Records« nur ein Phoner mit der Band andrehen, aber auf die Intensität eines Face-To-Face will ich als professioneller Musikjournalist natürlich nicht verzichten. Schön also, dass sich hier noch vor Album- bei diesem Showcase die Gelegenheit ergeben hat.

 Erst mal meinen Kontakt suchen. Passenderweise macht Marc das gleich selbst – ist er doch A&R, Labelchef und Head Of Promotion in Personalunion. Gesucht und gefunden! Ich hab anscheinend doch noch ein paar Minuten Zeit, da gerade noch der Print-Freelancer dran ist, der vom »Rockstyle-Magazin« den Event covern soll. Ein paar mehr Minuten wird’s wohl dauern, da auch erst noch draußen ´nen Shoot gemacht wird. Der Schedule ist eh hinfällig und längst durcheinandergewirbelt, Also trinke ich noch ein schnelles Bierchen mit Marc, der mir auch gleich in seiner charmanten, aber aufdringlichen Art seinen halben Label-Roster für weitere Activities andrehen will. »Odori« will er ordentlich pushen und mit diesem Act endlich mal den deutschen Markt breaken, auch wenn natürlich ein Top 100-Chart Entry Illusion bleiben wird. Dennoch: »Odori« sind klar sein Priority-Thema. Danach muss ich mir noch von ihm den restlichen Forecast seiner Releases der nächsten Wochen anhören, bis ich endlich mein Mikro für das Interview mit »Tamron« in Stellung bringen kann, um sie mal auf ihr Attitude-Problem anzusprechen. Ist doch eh nur eine Inszenierung von den Imageberatern des Labels. Klare Sache das.

 Es geht nicht immer so reibungslos. Noch gestern hatte Jeff, der Booker von »JamÄmm-Agency«, mit mir gephoned, dass der Termin mit »Baby G« off ist. Alles gecancelt und auf nächstes Jahr verschoben. Aber wir handlen das schon. Neuer Tourplan wird auch gerade schon ausgecheckt, aber Locations und Dates sind noch tbc. Eigentlich wollte er sich heute noch mal melden, aber vermutlich ist er gerade zu busy im Meeting mit seinem PM. Die sind derzeit mit der Planung für ihr Sublabel beschäftigt, wohin sie ihre unkommerzielleren Grenzprodukte wie deepe Drum´n´Bass-Elemente oder ihre neu gesignten Post-Harcore-Emoboys aus Washington DC outsourcen wollen, um ihre Produktlinie übersichtlicher zu staffeln.

Nachdem es jetzt schon so spät geworden ist, schenk´ ich mir die Live-Performance. Zurück im Redaktionsoffice checke ich erst mal die Promopost. Ah, eine Advance-Watermarked-Copy des neuen Longplayers von »Bay Parks« aus Montreal ist dabei. Komisch, dass die das jetzt noch verschicken – war nicht sowieso in zwei Wochen Street-Day? Wahrscheinlich  ist das Ding echt noch nicht geleaked und bei den üblichen Filesharing-Programmen downloadbar. Eine echte Seltenheit in diesem Biz. Erste einminütige Snippets der ultrascharfen neuen Scheibe von »XXXTC« sind auch dabei. Toll, aber was soll ein Radioredakteur denn damit anfangen? Genau so sinnlos
wie die overvoicte EP, die sie letzte Woche geschickt haben. Anscheinend haben die überhaupt keinen Durchblick mehr da. Komplettes Album gibt´s sogar schon als Pre-Listening bei iTunes, obwohl der Name noch tba ist. Verstehe einer diese Taktik.

Jeff ruft doch noch mal an. Nichts Neues bezüglich »Baby G«, aber er fragt an, ob wir nicht Lust hätten, die »Hoya«-Tour ein bisschen zu featuren. Trailer, Teasing und redaktioneller Support gegen das übliche Zeugs: Giveaways zum raushauen, bisschen Merch, Tix für die Show sowieso und wenn´s der Slot zulässt, wäre auch noch ein Meet&Greet für unsere Hörer an der Location drin. Ich confirme das einfach mal spontan (schließlich sind »Hoya« in ihrem Genre Trendsetter und dem Mainstream um Längen voraus) und schicke noch schnell ´nen Feedback an »Streetstone Music« raus. Dann bin ich endlich fertig für heute. Die Medienpartner sind gepleased. Zeit, das Licht auszuknipsen.