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Foto nordische Landschaft

15. Januar 2007

Lo-Fi-Fnk in meiner Stadt

Okay, eine Band kann im Prinzip nichts dafür, wenn vor ihr vier Oberschüler pseudoekstatisch hopsen, als hätten sie nach einem mehrwöchigen Lateinprojekt mal wieder Freigang. Aber Lo-Fi-Fnk sind eine Schnöselband und von daher passte es denn doch.

Doch von Anfang an und der begann mit einer Frage: Zuhause auf dem Sofa hocken bleiben, um auf ZDF den nächsten Wallander zu gucken (mal wieder mit dem wohlig-bärigen Rolf Lassgard und nicht dem so verhärmten, protestantischen Krister Henriksson) oder in die Astra-Stube ausgehen? Ach, wozu gibt’s DVD-Recorder und auch wenn mir wie immer der Bus vor der Nase wegfuhr, frische Luft tut immer gut. Und gemütlich voll wurde es bei den Astras, gut besucht mit netten Leuten und dazu noch ein Heineken in der Hand, nur die Oberschüler nervten schnell; spätestens mit ihrem „Ey, die sind voll schwul-kicher-kicher“, als die drei Boys von Lo-Fi-Fnk mit Limo-Flaschen bewehrt die badetuchbreite Bühne betraten.

Gerne würde ich jetzt etwas Nettes über die Schweden schreiben, aber ich wüsste nicht was. Wie hat es Kollegin Liska Cersowsky in ihrer CD-Kritik geschrieben: „Halbinteressanter Pop-Trancedance, der sich zu Tode loopt und selten aus den Hufen kommt.“ Das ist auch live vorgetragen nicht anders. Vielleicht kommt ihre Musik im Vergleich ein wenig härter und ein wenig schneller aus den Boxen, aber viel ändert das nicht. Sie sind nun mal nicht Röyksopp; ihnen fehlt dazu schlicht die gewisse Lässigkeit, von Charme ganz zu schweigen.

Nach einer halben Stunde war Schluss. Nach einer halben Stunde? Ja, nach einer halben Stunde. Wie Finanzbeamten in Sichtweite des Feierabends stöpselten sie ihre Laptops aus und trugen sie davon, ein arrogantes Lächeln auf den Lippen. Nix zu machen, so sehr ihre Fans auch baten und bettelten. Nur die Oberschüler hopsten noch ein bisschen weiter. Sie hatten sich vorher die Ohren mit Tempotaschentücherschnipseln abgedichtet, die Weicheier!