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Foto nordische Landschaft

18. Januar 2007

Finnland, fröhlich

Kürzlich in der Straßenbahn. Eine junge Frau fragt nach dem Weg zur Uni. Den erkläre ich ihr freundlich. Sie bedankt sich herzlich und plaudert noch ein bisschen, deutet auf meine Umhängetasche mit dem charakteristischen Blumendesign.

»Coole Tasche, gefällt mir! Wo gibts die denn zu kaufen?«

Ich, erfreut. »Oh, das ist eine Marimekko-Tasche aus Finnland!«

Hinter ihrer Stirn laufen sichtbar die Assoziationsketten ab und dann bricht es aus ihr heraus:

»Finnland! Ach ja! Dunkel, kalt, Winter, besoffene Leute, Kaurismäki!«

Sie war noch nie in Finnland, wie sich auf Nachfrage herausstellt.

Bingo!

Die finnische Tourismusbehörde zieht mit Sicherheit in jedem Jahr, in dem ein neuer Kaurismäki herauskommt, seufzend zehn Prozent vom Umsatz ab. Herr Kaurismäki ist ein großer Künstler, aber er hat Stereotypen von den stets schweigenden Finnen und der urbanen winterlichen Unwirtlichkeit der finnischen Hauptstadt im kollektiven Unbewussten des weltweiten Kinopublikums zementiert.  Keiner bringt es fertig, Helsinki so depremierend aussehen zu lassen wie Kaurismäki. »Muss es denn immer alles so hässlich sein bei ihm?«, fragt selbst meine sonst so moderate Finnischlehrerin Liisa erzürnt.

Das heitere, lebenslustige, farbenflirrende, sommerliche Helsinki – bei Kaurismäki nicht vorhanden. Ebenso wenig wie das erwartungsvoll hüpfende, frühlingshafte Helsinki oder das wuselige, in satte Farben getauchte herbstliche Helsinki. Sicher: Auch die finnische Hauptstadt hat hässliche Ecken wie jede andere Metropole auch. Gebongt. Aber die Mär von den ewig pessimistisch vor sich hinstarrenden Landeskindern können wir doch ein wenig entmystifizieren: Mit fröhlicher finnischer Popmusik, zum Beispiel!

Eine kleine Auswahl für ein Anti-Kaurismäki-Mixtape:

• Paakon von Samae Koskinen

• Houston, Changing Manual von Since November

• Genius On The Run von Laurila

• Draw In The Reins von Cats on Fire

• White Noise von Sister Flo

• Vanha Auto von Maria Gasolina

• Valerie von The Tunes

• Tired Of All The Lovers von  Ultrasport

• Boy In A Glass Box von The Rollstons

• Go! von Daisy

• 20 Fingers 20 Toes von Goodnight Monsters

• Wear Out The Soles von Brightboy

• Candy Candy von I Was A Teenage Satan Worshipper

• Big Ass Love von The Crash