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Foto nordische Landschaft

09. März 2007

We Are Soldiers, We Have Guns in meiner Stadt

Wieder die Astra-Stube, wieder ein Heineken in der Hand. Wieder ein netter, fast intimer Abend, der Laden ist nicht gerade überfüllt, was den Vorteil hat, dass niemand drängelt und einem die Sicht nimmt. Die Sicht auf die schmale Bühne, deren Rückwand (ja, auch bei den Astras ist man Neuerungen aufgeschlossen!) neulich mal wieder gestrichen wurde.

Darauf ein Hamburger Songwriter mit dem vieldeutigen Namen Likkh. Sehr ruhig geht es zu, er schlägt die Gitarre an, bastelt daraus kleine Soundschleifen, zu denen er vergleichsweise schüchtern singt, was nichtsdestotrotz sehr schön klingt. Nur kann er zwischendurch, wenn er seine Gerätschaften umstöpselt, keine obskuren Geschichten erzählen, wie das Songwriter so machen, aber es ist ja gut, wenn man noch etwas vorhat im Leben.

Und dann – We Are Soldiers, We Have Guns. Das Projekt um Malin Dahlberg, die auch auf der Bühne der Mittelpunkt ist. Wirklich sehr schöner, unaffektierter Indiepop, der sich da verwellt und webt und von dannen zieht; da macht es auch nichts, dass die ersten zwei Songs etwas vernuschelt sind. Doch eben dann spielen sie ihre sparsamen, dabei dramaturgisch sehr klug aufgebauten Lieder, manchmal kurz an der Schwelle zur Ruppigkeit und nie so eingängig, dass man denkt: Ach, das kenne ich schon. Es könnte so immer weiter gehen, längst ist Mitternacht, draußen ebbt der Verkehr ab und Malin singt eher leise als grell und ihre Band bewegt sich umsichtig und vorsichtig und manchmal wie in Zeitlupe, als könne sie mit allzu schnellen Bewegungen jemanden verschrecken, mich zum Beispiel.

03. März 2007

Empfindsame EF versus babbelnde Hessen

Eins vorneweg: Ich lebe gerne in Hessen. Das Bundesland hat legendäre Landeskinder von Goethe über die Gebrüder Grimm bis zu Rudi Völler hervorgebracht. An kulinarische Scheußlichkeiten wie Handkäs mit Musik gewöhnt man sich. Die Hessen sind ein überaus freundliches und genussfreudiges Völkchen. Sie haben nur einen Nachteil: Sie reden zu viel. Ein Hesse, der nicht babbelt, liegt entweder im Tiefschlaf oder ist tot.

Ganz besonders störend macht sich diese regionale Eigenheit bei Konzerten bemerkbar, die in einem kleineren Rahmen stattfinden und/oder konzentriertes Zuhören erfordern. Einfach aus Respekt für die Musiker heraus.  Unter dem hessischen Kommunikationsbedürfnis hatten jetzt die empfindsamen Postrocker EF bei ihrem Konzert in der gebärmutterartigen Höhle des Frankfurter Clubkellers zu leiden. Konzentriert, ernsthaft, leidenschaftlich und und zart entwerfen die fünf Musiker aus Göteborg erstaunlich eindrucksvolle Klangwände, die sich in mantrischen Wiederholungen zu wütenden Ausbrüchen steigern und dabei eine Spur der Verwüstung in Form von in Schönheit gebrochener Herzen hinterlassen. 

Und was macht der gemeine Hesse? Er klammert sich an sein Bierglas und schwätzt unaufhörlich in die intimsten Momente hinein. Etwa wenn  Cellist Jonatan, von einer altmodischen Nachttischlampe beleuchtet, zu einem Solo ansetzt und mit seinem Instrument zu einer Einheit pathetischer Liebeslust verschmilzt. Die beiden minderjährigen Grazien hinter uns lassen sich derweil laut und ausgiebig über die  körperlichen Vorzüge und den Haarschnitt des jungen Mannes aus. Neben uns wird über die Partygestaltung des kommenden Wochenendes diskutiert. AAARGH! Hessen, habt endlich Erbarmen und schweigt! Und hört gefälligst diesem Melodika-Solo zu!

Die Musiker auf der Bühne lassen sich von der Unruhe im Publikum nicht beeinflussen und spielen ein intensives, naives, atmospärisch dichtes Konzert, eins der schönsten in diesem Jahr bislang: Vielleicht gerade deswegen, weil einfach auf Verdacht hingehn und dann überwältigt werden zu den schönsten Erfahrungen der Konzergängerin gehören.  EF erfinden den Postrock nicht neu, natürlich geistern jede Menge Sigur Ros- und Mogwai-Einflüsse durch ihr musikalisches Schaffen, aber Bühnenpräsenz und Hingabe stimmmen und berechtigen zu optimistischen Erwartungen für die Zukunft. Die fünf Schweden werden wohl im Herbst nochmals hier touren, hingehn lohnt sich unbedingt. Und seitdem läuft ihr Erstlingswerk »GIVE ME BEAUTY…OR GIVE ME DEATH« immer öfter und hilft mächtig dabei, hessische Eigenheiten zu ertragen.

 
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