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Foto nordische Landschaft

27. April 2007

Und jetzt etwas ganz anderes: Kunst (Teil 3)

Aller vier Jahre wird die Ars Baltica Triennale der Photographie ausgetragen. Dabei hat sie sich längst von einer reinen Bilderschau hin zu einer Übersicht von Videoprojekten und visuellen Installationen entwickelt. Vertreten sind dabei Künstler und Künstlerinnen aus dem Ostseeraum, somit vom Baltikum hinüber nach Finnland, Schweden und Norwegen. Und weiter geht es über Russland, Polen, dann durch die norddeutschen Bundesländer und natürlich Dänemark nicht zu vergessen.

Diesmal gibt es schöne Arbeiten des Norwegers Talleiv Taro Manum, der in der Tradition der Cheap Photos die letztjährigen Kunst-und Musikfestivals in seinem Wohndorf Ringnes südlich von Oslo dokumentiert. Petra Bauer aus Stockholm widmet sich dagegen dem Fall eines 13jährigen muslimischen Mädchens, das nach islamischer Tradition einen 18jährigen Mann heiratet. Als das Paar ein Kind bekommt, wird der Mann verbotener sexueller Handlungen angeklagt, was eine nicht geringere öffentliche Debatte um die Grenzen und Regeln schwedische Integrationspolitik auslöste – ohne dass je das Mädchen von der Presse oder der Anklage zu ihrer Sicht der Dinge befragt wurde.

 Höhepunkt der Ausstellung aber, die wie die Jahre zuvor in der Stadtgalerie Kiel startet, bevor sie dann durch den Ostseeraum tourt, ist zweifellos eine vierteilige Videoprojektion des Projektes der Beschwerdechöre des Künstlerpaares Oliver Kochta-Kalleinen und Tellervo Kalleinen. Sie haben in Birmingham, St. Peterburg, dem Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg und natürlich in Helsinki Bürger für Chöre gewinnen können, bei denen sich die Beteiligten ihre alltäglichen Sorgen mit Macht von der Seele singen.

 Egal, ob man sich beklagt, dass die Rolling Stones nie vorbeikommen, der Tag generell zu kurz ist, der monatliche Lohn zu gering ausfällt oder auf der Toilette stets das Toilettenpapier fehlt, alles wird mit der selben Inbrunst vorgetragen. Wobei die gesanglichen Unterschiede zwischen dem Chor aus Helsinki und etwa dem aus Hamburg-Wilhelmsburg enorm sind. Da merkt man mal wieder, wie uns Deutschen eine selbstverständliche und national unbelastete Volksmusikkultur fehlt.

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