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Foto nordische Landschaft

12. April 2007

Mixtapes & Cellmates in meiner Stadt

Das war schon hart: »Africa« als Einstieg, »Rosanna« als Ausstieg – die zwei Schwulstpophitstücke der frühen 80er, seinerzeit serviert von der Kosmetikkombo Toto. Aber sie wollten es so haben, dieMixtapes & Cellmates und also legte der freundliche Barmann in der Astra-Stube die Songs jeweils in den CD-Player, dabei kopfschüttelnd. Aber so ist das nun mal: Wer diese Zeit damals nicht mitgemacht hat, der kann sich heute gut drüber lustig machen.

Dazwischen aber glänzte der wunderbar-ziselierte Gitarrenpop von Henning und Robert und Olle und Johan und Mathilda, die lustige Trippel-Trappel-Schuhe trug, still und schüchtern ihren Bass bearbeitete und die die Jungs ruhig öfter ans Mikro lassen sollten, denn singen, das kann sie.

Schön auch, wie die Schweden ihre manchmal auf CD etwas zu gradlinigen Songs live beherzt anschnitten, hier und da etwas abhobelten, so dem Ganzen einen kantigen, schroffen Unterton beimischten und entsprechend sprachlos war das Publikum, als nach einer halben Stunde Schluss sein sollte. Okay, es war ein Doppelkonzert, zudem war es ihre erste Deutschlandtournee, sie wirkten noch ein wenig schüchtern, ließen sich dann aber doch bequatschen, stöpselten ihre Gerätschaften wieder ein und das Vergnügen blieb auf beiden Seiten groß.

Später dann mischten sie die Fünfe unters Publikum, lauschten den Hillybilly-Rock-Stücken von The Green Apple Sea aus dem Pfefferkuchenstübchen Nürnberg (warum nur müssen deutsche Frontmänner immer zwischendurch so viel quatschen?) und rauchten hastig eine nach der anderen, während ihnen die Gäste wortreich erklärten: Noch ginge das, vielleicht aber bald nicht mehr oder auch doch in Ausnahmefällen, von denen man aber noch nicht wüsste, wie sie dann ausfallen müssten, um nicht wieder die Regeln zu werden und was dass alles mit einem gewissen Christian Wulff zu tun hätte, der bei den Astras bestimmt noch nie namentlich erwähnt wurde.   

11. April 2007

Die New Violators oder sind wir der neueste Geheimtipp?

Nichts lieben die bunten Musikpostillen – auch die mit Anspruch! – mehr, als die Genugtuung für sich verbuchen zu können, das nächste heiße Ding als erste entdeckt zu haben. Wär ja auch peinlich, immer nur die ollen Kamellen zu Tode zu loben. Dass sich die vielversprechenden neuen Entdeckungen häufig nur als Eintagsfliegen entpuppen, interessiert hier nur am Rande.

 Seit Anfang des Jahres tauchen die norwegischen New Violators immer wieder mal mit dem »Geheimtippstatus« ausgepreist in Leitmedien wie Village Voice oder Pitchfork auf. Vielleicht sollte man noch ein entscheidendes Detail hinzufügen: Die Band aus Trondheim, die erst seit dem vergangenen Sommer existiert, hat noch nicht mal ein Album vorgelegt. Ist noch bei keinem Label unter Vertrag. Was ja nichts Ehrenrühriges ist. Gerade drei Songs haben die Musiker um Sänger Per Borten auf ihrer myspace-Seite dem neugierigen Musikvolk zu bieten. Nicht gerade großzügig. Auf der potenziellen Single-Auskopplung »Burma« klingt Borten so wie Morrissey bei einem völlig untypischen, brachialen Temperamtsausbruch. Ansonsten fliegen die Zitate und musikalischen Anspielungen munter von Cure-Schwulst bis zu Duran-Duran-Dandytum. Und die Discokugel dreht sich dazu.

Zugeben: Die Violators sind eine Band mit einem hohen Energielevel. Machen Tanzlust. Sollen live glaubhaften Berichten zufolge unwiderstehlich sein und wurden im März beim SXSW-Festival in Texas hoch gelobt. Aber warum gerade diese Band zum Indie-Insidertipp ausgerufen wird, bleibt unklar.

Music Export Norway, von Berufs wegen zur  Parteinahme für die Musiker des eigenen Landes prädestiniert, widmet den New Violators immerhin einen nicht allzu lobhudeligen und angenehm faktentreuen Beitrag.  

Seufzend fragt sich die Musikfreundin, was in diesen Zeiten des immer schnelllebigeren Verheizens von Trends und der Allgegenwart von Musikblog-Lobeshymmnen und myspace-Overkill noch Bestand hat. Bei der Überfülle an aufstrebenden jungen Bands und nachlegenden Zweitveröffentlichern ist es müßig und überflüßig. sich auf die Empfehlungen der angeblichen Szenegurus zu verlassen. Lieber neugierig der eigenen Nase nach! Und immer schön skeptisch bleiben!

 
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