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Foto nordische Landschaft

28. Juni 2007

Bobby Baby in meiner Stadt

Draußen ging regenmäßig die Welt unter, aber eine Handvoll Unerschrockener hatte sich dann doch unten im Club des Kulturhauses 73 eingefunden, wo Bobby Baby schon ungeduldig neben der Bar hippelte und zappelte und schaute, wer denn da so kommt. Und rauf auf die Bühne, strich sie sich ihr Kleid straff und wuschelte sich immer wieder durch ihre opulente Kurzhaarfrisur, während sie die Tasten drückte und ihre Lieder sang. Mit dabei war diesmal Robert. Robert am Kinderschlagzeug. Robert am Kinderxylophon. Robert am Kinderklavier. Robert an der Erwachsenengitarre.

Das Schöne an Bobby Baby ist ihre kantige Musik. Denn einerseits spielt sie artig-wohlklingende Popmelodien, die aber immer irgendwie unfertig in den Wald geschickt werden, wo sie sich verlaufen und manchmal auch im Dunkeln fürchten und da sitzen und zittern. Und  andererseits sind ihre Songs am nächsten Morgen wieder hell wie der Tag, luftig wie eine Brise im Mai und knusprig wie die Brötchen bei meinem Lieblingsbäcker (Bäckerei F. Thörmer, Ecke Friedensallee/ Daimlerstraße, wen das interessiert).

CD’s hatte sie nicht mit, dafür eine Idee: »Ihr gebt mir das Geld und ich schicke sie euch dann aus Schweden« und alle lachten. »Komisch, dass haben die Leute in Dresden gestern auch gemacht, wirke ich wirklich so unseriös?« Und Robert nahm sie zur Seite, tröstete sie ein wenig und wieder besänftigt hüpfte sie vor ihr Mikro und mischte aus dem Laptop ein paar Chorstimmen und elektrische Rhythmen dazu. Alles, was da auf der Bühne stand, musste schließlich in zwei Koffer passen, waren die beiden doch per Bahn unterwegs, was wirklich nur einer schwedischen Popelfe einfallen kann, wie sie gerne auf Zehenspitzen stehend singt.

Wirklich: Sehr sympathisch die Gute, und Robert war es auch und das es draußen immer noch unverdrossen wie aus Eimern regnete, Schwamm drüber.

18. Juni 2007

Und jetzt etwas ganz anderes: Radiohören

Kurz bevor es endgültig hinaus geht an die frische Luft, um irgendwo eben dort eines der vielen Festivals zu besuchen, bietet das Duo der wunderbaren Kultursender Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur eine Reihe von interessanten Festivalmitschnitten. Für uns Nordleute gibt es in den nächsten Tagen da zwei wichtige Termine: Ein Mitschnitt eines Konzertes von Nils Petter Molvaer & Freunde, die da wären: Helge Sten, Sidsel Endresen und Jan Bang. Und diese traten im letzten August auf dem Punktfestival in Kristiansand auf, bewehrt mit einiger Elektronik: Freitag, 22. Juni, 21.05 Uhr bis 22.00 im Deutschlandfunk.

Eher gediegen, aber auch für sich gesehen fix geht es am Montag bei DeutschlandRadio Kultur, dem 25. Juni, ab 20.03 Uhr zu: Eine Aufzeichnung der Musikfestspiele Saar vom Samstag zuvor – wo die Jan Gabarek Group in der ‚Industriekathedrale’ spielte. Das Festival widmet sich dieses Jahr ganz der klassischen bis zeitgenössischen nordischen Musik – es tritt auch auf der so genannte Schreichor Huutajat.

Und wo wir schon dabei sind, noch ein Tipp für den Klassikfan: Kurz bevor Molvaer im Radio seine Trompete ansetzt, ist nebenan beim DRK die Sinfonie Nr. 1 e-moll op 39 von Jean Sibelius zu hören – in einer Einspielung mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Nach der Konzertpause, ca. 21.05 Uhr.

08. Juni 2007

Huuhkaja! Wie ein Uhu ein Fußballspiel entscheiden kann

»Huuhkaja! Huuhkaja!« könnte sich zum neuen Favoriten unter den Fangesängenn finnischen Stadien etablieren. Dass die finnische Fußballnationalmannschaft der Männer im Qualifikationsspiel gegen Belgien ihre theoretische Chance gewahrt hat, im kommenden Jahr zum ersten Mal bei einer Europameisterschaft teilzunehmen, hat das Team  nicht zuletzt dem spekakulären Auftritte eines riesigen Uhus (Huuhkaja in der Landessprache) im Olympiastadion zu Helsinki zu verdanken.

Der imposante Uhu (Flügelspannweite zwei Meter) meinte zur Mitte der ersten Halbzeit, dass das bis dahin torlose finnische Team die Unterstützung der heimischen Fauna dringend nötig hatte. Wíe der Helsingin Sanomat berichtet, flog der im offenkundig im Olympiastadion lebende Nachtvogel mit mächtigem Flügelschlag vom Dach aufs Spielfeld, um sich ein genaues Bild von den Geschehnissen auf dem Rasen zu machen.  Der britische Schiedsrichter Mike Riley unterbrach die Partie. Keiner der Fussballer wagte sich in die Nähe des mächtigen Vogels (lateinisch Bubo Bubo), der es immerhin auf eine Größe von deutlich über einen halben Meter bringt. Eine rote Karte gegen das Tier hätte wohl wenig genutzt. Die belgischen Spieler staunten, die finnischen grinsten, und die 30.000 Zuschauer sangen begeistert einen neuen Song: »Huuhkaja! Huuhkaja«! Der Uhu ließ sich nicht lumpen, kreiste lässig über das Spielfeld und ließ sich theatralisch nacheinander auf beiden Toren nieder, bevor er schließlich in einigem Abstand im Seitenaus verharrte und die Partie weitergehen konnte. Wenig später schoss Johansson für Finnland zum 1:0 ein.

Der Uhu verschwand dann zur zweiten Halbzeit, hatte sich aber als Glücksbringer und wichtigster Mann auf dem Platz bereits in den finnischen Herzen unsterblich gemacht. Die Gastgebeber gewannen mit 2:0. Auf Youtube gibt es wunderbare Amateurvideos mit dem Helden des Abends in der Hauptrolle zu sehen.

Die Fotos haben Markus Jokela und Sami Keros vom Helsingin Sanomat gemacht.

04. Juni 2007

Was bleibt vom Stapel? Rubik, ganz klar!

Der Stapel mit den für »Nordische Musik« zu besprechenden CDs auf meiner Anlage wird irgendwie nie richtig kleiner. Der aktuelle Stapel liegt rechts, die Dauerbrenner an älteren Alben links. Auf dem »Altstapel« sammelt sich bisweilen der Staub. Schöne Ordnung. Aber Spaß machts! Sind die Scheiben besprochen, wandern sie ziemlich häufig in die Ablage unten im Regal, knapp über den alten Joggingschuhen. Nur einige wenige schaffen es jeden Monat an den exklusiven Platz, wo die überlebensnotwendigen Aufnahmen stehen.

Es gibt jede Menge mediokre Musik. Es gibt peinliche, selbstverliebte, langweilige und einfach schlechte Aufnahmen. Aber, hurra! Es gibt natürlich auch die guten. Und im idealen Fall ist es schon beim Reinhören der Beginn einer kleinen Liebesaffäre. Das kommt aber nicht zu häufig vor.  Und damit komme ich endlich zum Punkt: Unter die fünf, sechs, acht bisherigen Lieblingsplatten dieses Jahres haben sich die finnischen Indierocker Rubik mit ihrem Debütalbum »BAD CONSCIENCE PATROL« gespielt: Ungestüm, leidenschaftlich, mit dem Potenzial, unwiderstehliche Mitsing-Klassiker zu schreiben. Es sind zwei, drei RICHTIG grandiose Songs auf dieser Platte, die souverän mit allem spielt, was zwischen Rock und Prog und Glam und keybardverliebter Experimentierlust angesiedelt ist. Eine echte Entdeckung!

Rubik – und dabei komme ich endgültig zum entscheidenden Detail! – sind in dieser Woche zum ersten Mal überhaupt auf Deutschland-Tour. Live soll die Band sehr, sehr überzeugend sein, sagen meine finnischen Freunde unisono. Und die müssen es ja wissen.

Damit es den Jungs aus Helsinki nicht so ergeht wie letztens den famosen Synthierockern 120 Days aus Norwegen, die ihr erstes Konzert in Deutschland vor zwöf bis 15 Leutchen in Köln spielten, versteige ich mich hier erstmals zu einem Veranstaltungstipp:

Rubik spielen  am 5. Juni im Magnet in Berlin, am 6. Juni im Blue Shell in Köln, am 7. Juni im Elfer in Frankfurt, am 8. Juni im NATO in Leipzig und am 10. Juni im Haus 73 in Hamburg. Bisschen mehr als zwölf Besucher pro Abend wäre den Jungs zu gönnen.