31. August 2007
Kari Bremnes – von »LIVE« zu »REISE«

Beinharte Fans wussten es: Kari Bremnes ließ bei ihrer letzten Tour die Bänder mitlaufen für ihr erstes Live-Album, und nun ist es da: »REISE« heißt es, was im Deutschen ebenso verständlich ist wie im Norwegischen – und viel schöner als der Titel der norwegischen Ausgabe: »LIVE«. Wie auch immer: Das Album macht sehr viel Spaß.
Songs, die die norwegische Singer/Songwriterin seit 20 Jahren begleiten, reihen sich harmonisch neben neue Vertreter: die berührenden Balladen aus der CD »SVARTA BJÖRN« ebenso wie die Vertonung von Munchs »Skrik«, der Langzeit-Klassiker »Hurtigrute« als Schlussnummer oder der wunderbar sehnsüchtige Neuling »You’d Have To Be Here« – neben »To Give You A Song« der einzige englische Beitrag.
Und neben ihren bewährten Begleitern – Keyboarder Bengt Hanssen und Drummer Helge Norrbakken – sind auch Gitarrist Hallgrim Bratberg und Bassist Sondre Meisfjord mit von der Partie – ihre volle Band also, mit der sie (aus Kostengründen?) meist nur in Norwegen tourt. Fein, denn die beiden Saiteninstrumente addieren zum Teil noch wilde Dramatik und sorgen einfach für mehr Druck. Auch wenn viele Songs den Besitzern der Studio-Alben keine neuen Interpretationen liefern: Kari Bremnes zieht den Hörer mit einer emotionalen Performance und ausgezeichnetem Sound in ihren Bann.
Außerdem werde ich nie vergessen, wie Kari Bremnes im Interview den Namen des Gitarristen aussprach: »Halllgrimmm Bratttberg. Ein typisch norwegischer Name …«, witzelte sie und forderte mich auf: »Sprich mir nach: Halllgrimmm Bratttberg!«
»LIVE« ist in Norwegen am 27. August erschienen. In Deutschland wird das Album mit dem Titel »REISE« am 16.11. in die Läden kommen.


Die Zwillinge besetzen beide die Parts Vocals und Gitarre und sehen sich wirklich zum Verwechseln ähnlich! Deutschen Konzertgängern dürfte zumindest Claes Strängberg bekannt vorkommen: Der blonde Schlacks spielt Gitarre bei den Göteborger Postrockern
Es hebt die Popwelt nicht aus den Angeln, aber dieser unbeschwerte Powerpop, dieses ironische Understatement, diese Melodienverliebtheit machen einfach Laune. Elegant fügt die Band um das Gebrüderpaar Miko und Tuomas Valo (nein, wirklich nicht verwandt mit Ville Valo!) kauzig-verschrobene Elemente ein, was den Spaß noch steigert. Warum kennt bloß kein Mensch außerhalb Finnlands diese Band, die auch live sehr gut sein soll, wie Freunde glaubhaft versichern?
Wir machen alle zwei, drei Jahre eine Platte, und das machen wir mit Gusto und viel Liebe und ob wir dabei reich und berühmt werden, ist uns doch weitgehend egal. Wir machen das, weil uns das Spaß macht. Und das gibt uns eine ungeahnte Freiheit. Vielleicht klingen Rollstons-Alben wie das wunderbare »OUR GRAIN COULD FILL YOU STADIUM« genau aus diesem Grund so entspannt und souverän.
Wunderbar, wunderbar, denn die Frage nach dem Sommerhit 2007 ist damit endgültig geklärt. So schrecklich können die 80er Jahre gar nicht gewesen sein, wenn das neue Material Girl hier so unbekümmert, ironisch und sinnlich das musikalische Erbe dieses Pastellfarben-Horrorjahrzehnts ins Hier und Heute rettet!