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Foto nordische Landschaft

30. Oktober 2007

Radiohören im November (2007)

Ja, wie klingt der Norden? Und wenn er klingt, klingt es dann einheitlich – nordisch? Tatsache oder immer wieder bemühtes Klischee: Auf jeden Fall bietet der Kultursender Deutschlandradio Kultur in diesem Monat jede Menge Anlässe, sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Wie wäre es mit Carl Nielsen, dem – auch das so ein Label – großen Dänen? Seine Sinfonie Nr. 1 g-moll op 7 wird gespielt vom Dänischen Nationalen Rundfunkorchester am Freitag, den 2.11., ab ca. 21.15 Uhr.

Zwei Tage später folgen dann bisher unbekannte schwedische Aufnahmen mit Zarah Leander: am Sonntag, den 4. 11, um 18.05 Uhr. Wieder klassisch dann der erste Abend „Wege des Nordens“ (Donnerstag, 8.11., ab 20.03 Uhr) mit Werken von Magnar Am, Jean Sibelius, Edvard Grieg und Carl Nielsen – da sind sie also wieder alle zusammen. Fortgesetzt wird die Reihe am Freitag, den 16.11, 20.03 Uhr, dann mit Werken von Atli Heimir Sveinsson („Icerapp“ für großes Orchester), Jon Nordal, nochmals Nielsen sowie Jon Leifs, dessen „Geysir“ zu hören sein wird. Will man dagegen Wege des Jazz beschreiten, heißt es früh aufstehen oder besser länger aufbleiben: Karl Seglem samt seiner Gefährten widmet sich der erste Teil der Sendung Tonart, ein Mitschnitt der 31. Leipziger Jazztage (Dienstag, 20.11., 2.05 Uhr).

Interessant sind gewiss auch zwei Sendungen, die sich eher indirekt mit klassisch geordneter Musik, weit aber mehr mit Klängen und Geräuschen beschäftigen: „Frost Pattern“ nennt sich eine Autorenproduktion von Andreas Bick, die den Versuch unternimmt, das Kalben grönländischer Gletscher, das Schreiten über den arktischen Schnee und das Schütteln verschneiter Bäume zu einer Klangcollage zu bündeln (Freitag, 9. 11., 0.05 Uhr).

„Station Eismitte“ von Thomas Körner ist vernmutlich ebenfalls eine eher ungewöhnliche Komposition: Ausgehend von der Station des Polarforschers Alfred Wegner, die dieser 1930 im grönländischen Inlandeis errichtet, verspricht die Produktion eine „Klangtopographie der ‚inneren Arktis’“ und „imaginiert den Ton eines ins Eis gegrabenen Lebens“. Na, dann mal warm anziehen!

30. Oktober 2007

Dark Tranquillitys Mikael Stanne: »Wir lieben unsere Gesellschaft«

Am 23. Oktober 2007 spielen Dark Tranquillity in Karlsruhe. Ich nutze die Gelegenheit um den äußerst gutgelaunten Front-Rotschopf Mikael Stanne zu interviewen, der für (seine) Musik lebt – und sie liebt.

Es herrscht das übliche Chaos: Der Tourmanager, den ich anrufen soll, steckt wohl noch im Flieger. Als ich dennoch endlich im Substage stehe, stopft die Band gerade ihre hungrigen Mäuler. Und so folgt anschließend ein Blitz-Interview zwischen Tür und Angel, im wahrsten Sinne des Wortes:
Aus Mangel an Sitzgelegenheiten im uns zugewiesenen Vorraum, nehmen wir den Einlass-Tresen in Besitz.

dark tranquillity mikael stanne

Wie war die Tour (mit Sonic Syndicate, Soilwork und Caliban) bisher?
Großartig! Wir fingen in Großbritannien an – und es war sehr viel besser als erwartet.

Besser als erwartet – seid ihr so pessimistisch?
(lacht) Oh, wir rechnen immer mit dem schlimmsten. Das beste Publikum hatten wir aber in Frankreich, Italien, Spanien.

…und in Deutschland?

Da ist es auch gut, aber gerade die Italiener zeigen ihre ganze Leidenschaft, die drehen völlig durch!

Habt ihr eine fixe Setlist, oder wexelt ihr je nach Land/Stadt die Songs?
Oh, wir ändern sie je nach Spieldauer. Auf dieser Tour wexeln die Headliner: Wir waren in Italien, Spanien und Großbritannien Headliner, hier sind es Caliban.

…und wenn nun ein paar Fans lautstark einen bestimmten Titel fordern…?
Oh, den spielen wir dann manchmal. (denkt nach, grinst) auf dieser Tour kam’s tatsächlich ein paar Mal vor. Kompletten Beitrag lesen …

29. Oktober 2007

Tenlike in meiner Stadt

Das kommt also davon, wenn man unbedingt den Tatort zu Ende gucken muss, um zu sehen, ob Professor Börne und der Thiel sich nicht doch wieder vertragen. Das kommt davon, wenn man noch schnell auf dem Weg eine termingenaue Geburtstagspostkarte einwerfen will und in einer Stadt wohnt, die sich zwar unablässig Metrozone nennt, aber (deswegen?) kaum noch Briefkästen kennt, die am späteren Abend geleert werden. Und so waren die Jungs von Tenlike schon am spielen, als ich die Max-Brauer-Allee herunter geradelt kam, in der Ferne das Schild der Astra Stube aufleuchten sah und schnell an der Sternbrücke mein Rädelchen anschloss (man weiß ja nie).

Drinnen dichtes Gedränge und die Frage war nicht unbegründet: „Willste da noch rein, wirklich?“ Und der junge Mann machte sich schlank und weiter durchgewühlt, was ein Temperaturunterschied: außen knappe 9 Grad, drinnen 30 plus, mindestens.

Zu viert war das Trio um Oskar Sveden angerückt und was spielten sie für netten Gitarrensound und eben nicht Gitarrenpop. Dazu sind sie zu gradlinig, zu entschlossen. Und glücklicherweise sind auch sie auch wieder zu bodenständig, um ins rein Elegische abzugleiten, wie das Gitarrenboys ja zuweilen geschieht. Keine Zugabe, so viel Material hätten sie noch nicht eingespielt und im übrigen empfahlen sie die anschließende Hamburger Band Ten Second Walk, beide Combos sind nach einer kleinen Deutschlandtournee über Lüneburg, Chemnitz, weiter nach Kaiserlautern und zurück zum Schluss nach Hamburg miteinander sehr vertraut.

Also: Tenlike. Ein Name, den man sich merken muss. Und so entspannt wie sie später draußen vor der Tür standen und den etwas raueren Tönen von TSW lauschten (deren Sänger nicht ganz so gut singen kann), werden sie gewiss mal wieder zu uns kommen, der Thiel und der Börne haben sich übrigens am Ende wieder vertragen, gut so.

26. Oktober 2007

Plakativ: José González auf Deutschlandtour

 Das Urprinzip des Lebens ist seine Vergänglichkeit. Philosophie und Religion leiten daraus unterschiedliche Schlüsse ab, jeder von uns bewältigt diese zentralen Fragen mit eigenen Antworten. Auch der schwedische Songwriter José González mag sich damit auseinandergesetzt haben. Sein neues Album „In Our Nature“ entspinnt mit atmosphärischen Akustiksongs und seiner ganz eigenen kreidenen Stimme einen melancholischen Grundton.

 Im November kommt er nach langer Liveabstinenz wieder auf Deutschlandtour.

  • 12.11. Berlin, Kino Babylon
  • 13.11. Hamburg, Knust
  • 14.11. München, Atomic Café
  • 19.11. Köln, Gloria

Um das gebührlich zu feiern, hat sich die kleine Konzertagentur etwas Besonderes ausgedacht. Das Vanitas-Thema des Albumtitels wird in speziall angefertigten und strikt limitierten Tourplakaten aufgenommen.  Die Berliner Künstler und Typografen Björn Wiede und Stefan Guzy erfanden dazu im Labor eine ganz spezielle Druckfarbe auf der Basis von Eisenpulver.

Per Siebdruck gedruckt, lassen Luft und Wasser die Plakate unterschiedlich oxidieren.  Das Papier rostet. Erst nach und nach legt dieser Farbumschwung ins Bräunliche Teile der Typografie frei, die auf einer eigens für dieses Plakat entworfenen Schrift “Heinemann” basieren.

 Die Plakate, die diese Prozedur unbeschadet überstehen, werden am Schlusspunkt ihrer Oxidationsphase auf den vier Deutschland-Konzerten verkauft. Eine geniale Idee, eine intelligente Umsetzung des Themas und sicherlich ein außergewöhnlich schönes Souvenir von bestimmt genau so schönen Konzerten.

23. Oktober 2007

Land unter: Reeperbahnfestival im Regen

Böse Zungen behaupten ja, der Hamburger habe Kiemen.
Die Besucher des diesjährigen Reeperbahnfestivals hätten sie jedenfalls brauchen können: Das »Hamburger Schietwetter« bestätigte seinen Ruf mustergültig.Beschränkte sich der Freitag noch auf eine regnet-Bindfäden-bis-gießt-aus-Kübeln-Mischung, so entluden sich am Samstag sintflutartige Wassermassen.

reeperbahn

Der Ticketverkauf zeigte erstaunlicherweise: 2007 wurden deutlich mehr Tagestickets, mit denen die Besucher von Club zu Club ziehen konnten, abgesetzt. Im vergangenen Jahr lag der Schwerpunkt noch bei den Venuetickets für die einzelnen Clubs. Blieb nicht dennoch der Großteil der Teil der Musikliebhaber ganz einfach in dem jeweiligen Club? Oder folgten die Käufer tatsächlich dem Grundgedanken der Veranstaltung, mehr als 100 Bands in 12 Clubs sehen zu können, zogen trotz Regen rund um die Reeperbahn?

Auf die Frage »Hat sich das Regenwetter negativ ausgewirkt?« antwortete der Projektleiter des Reeperbahnfestivals, Detlef Schwarte mit einem: »Das lässt sich schwer sagen. Generell hatten wir nicht den Eindruck, dass viele abgeschreckt wurden. Sicher hat das hoppen von Club zu Club darunter etwas gelitten«. Und so entsprach die diesjährige Besucherzahl mit 12.000 Besuchern trotzdem den Erwartungen der Betreiber.

»Land unter« hieß es aber für den Spielbudenplatz am Samstag, bitter für die Bands die dort auftraten. Dem Rahmenprogramm, wie der Posterausstellung »Flatstock Europe« hätten ein paar Sonnenstrahlen sicherlich gut getan, ebenso den angebotenen »Beatles-Touren«.

reeperbahn, spielbudenplatz

Aber welch Horrorszenario hätte (zu) schönes Wetter ausgelöst: Statt einem 'es regnet in Strömen, bleiben wir doch hier'-Gedanken, geisterte ein 'wie schaffe ich es nur von Band A im Club X rechtzeitig zur Band B in Club Y zu kommen?' durch den Kopf. Durchgeschwitzt, mit heraushängender Zunge stünde der Besucher nun vor Club Y, nur um dort ein »nichts geht mehr« zu hören, weil der Clubs bis zum Anschlag voll wäre.  

So oder so hatte der geneigte Musikfreund schon die Qual der Wahl: Lieber einen vielversprechenden Newcomer entdecken (»ich war dabei, als ihn noch keiner kannte!«) oder besser die Chance nutzen, den etablierten Künstler in lockerer Clubatmosphäre zu genießen (»das war 'ne total lässige Show, damals auf dem Kiez«)? Genau diese Mischung macht den Charme des gerade mal zweijährigen Festivals aus.

Die Kriterien nach denen die Bands ausgewählt werden, verrät Detlef Schwarte: »Wir präsentieren 'New International Music'. Dabei sind gleichermaßen wichtig: Der Neuigkeitswert (spielt der Künstler erstmals in Deutschland/Hamburg, hat er gerade eine neue Platte veröffentlicht), die Qualität, die Reputation (sprich Erfolg im Herkunftsland, Presseecho)«. Und schließlich soll außerdem die Stilrichtung zum Charakter des Festivals passen, die Palette der Veranstalter lautet: Indie, Rock, Pop, Elektro, Reggae, HipHop.

Womöglich, ja hoffentlich, seufzt mancheiner auch näxtes Jahr: Ach, wenn man sich nur teilen könnte. Denn vielleicht folgt ein Reeperbahnfestival 2008, so Detlef Schwarte: »Wir hoffen, dass wir es wieder veranstalten können. Das hängt aber zum Teil auch von öffentlichen Zuschüssen ab, die gewährt werden müssen«.
 
Rock on, Reeperbahn!

Fotos © natte 

 
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