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Foto nordische Landschaft

08. Oktober 2007

Radiohören im Oktober (2007)

Lange muss der radiophone Nordfan diesmal im Programmheft von Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk blättern, will er fündig werden. Gibt es denn so gar keinen Jazz, gar keinen Rock oder Pop aus dem Norden, auf den hinzuweisen wäre? Und noch mal von vorne geschaut, mit aller Aufmerksamkeit: Nein, viel ist es nicht, was anzustreichen ist.

Außer dann doch einem Jazzabend mit Jan Lundgren am Piano, eine Aufnahme vom JazzBaltica Festival in diesem Sommer (Montag, 8.10., 21.05 Uhr, auf Deutschlandfunk). Oder die Aufführung der Sonate für Klavier für Violine und Klavier, Nr. 3, c-moll, op 45 von Edvard Grieg (auch hier im Deutschlandfunk, Donnerstag, 11.10., sehr früh, nämlich 4.00 Uhr.

Einen Tag später ist dann ebenfalls am dortigen Ausstrahlungsplatz das Stück „Dinosaurus“ für Akkordeon und Tape von Arne Nordheim zu hören (Freutag, 12.10., ab 3.00 Uhr). Noch mal früher und langsam Richtung Mitternacht vorrückend: Jean Sibelius’ „Malinconia“ für Violoncello und Klavier, op. 20: Donnerstag, 25.10., 2.05 Uhr, wiederum auf dem Platz des Deutschlandfunks.

Und dann findet sich doch eine kleine Kostbarkeit, eine echte Besonderheit, die eben nicht oft zu hören ist: Die Komposition “Abschiedssymphonie op. 177“ von Henning Christiansen (Donnerstag, 25.10, ab 0.05 Uhr, und diesmal auf Deutschlandradio Kultur).

Christiansen ist einer der führenden Vertreter der Fluxus-Bewegung und so hilft ihm denn Nam June Paik am Klavier aus, während ein gewisser Joseph Beuys per Telefon hinzu geschaltet wird. Das kann sehr heiter und seltsam werden.

03. Oktober 2007

Rotkäppchen, rauchfrei: Ai Phoenix in Darmstadt

Es ist wie im Sommer. Anfang Oktober im Sommerjäckchen vorm  603qm lungern, Bekannte und Unbekannte treffen, leise reden. Warum stehen die Leute draußen? Weil sich das Warten auf die schüchternen Norweger Ai Phoenix unter Nachthimmel abends um viertel nach zehn draußen besser besser ertragen lässt? Nein, es ist ein historischer Tag: Endlich Rauchverbot  in hessischen Kneipen und Konzertsälen, endlich das, was Schweden, Finnland, Spanien, Italien, Irland und sogar Baden-Württemberg bereits geschafft haben. Danke, Roland Koch, Sie Trantüte! Endlich nicht mehr vom Konzert nach Hause kommen und stinken wie eine Packung Marlboro.

»Die sind superaufgeregt«, sagt die Frau an der Kasse auf die ungeduldige Nachfrage, wann es denn endlich losgeht. Ein Mann mit Gitarre schlurft auf die Bühne. Singersongwritert vor sich hin und entpuppt sich später als Mitglied des live-Line-Ups der Norweger. Seinen Namen habe ich leider schon wieder vergessen. Wird seinen Grund haben.

Darmstadt, Wissenschaftsstadt, steht auf den Ortsschildern, ist an diesen Abend Stadt der Kulturbanausen.  Wenn es mal 20 Leute im Publikum sind, dann ist das optimistisch gezählt. Wie schade, denn Rotkäppchen ist uns erschienen: Ai-Phoenix-Sängerin Mona Mørk im roten Folklore-Pulli und wippendem Alien-Haarreif. Sie haucht,  sie flüstert, sie fleht. Sie trinkt Tee aus einer viel zu großen Tasse und liefert sich die zärtlichsten musikalischen Duelle mit dem Gitarristen Patrick Lundberg. Sie schaffen es, an diesem frühlingshaften Oktoberabend eine märchenhafte, intensive Stimmung zu erzeugen. Langsam in Schönheit ersterben. Der Vergleich mit den kanadischen Cowboy Junkies drängt sich auf. Aber Mona Mørk ist auf eine allerliebste Weise viel schüchterner als Margo Timmins!

Wir stehen im Publikum und lächeln Unbekannte an. Wir lassen uns einfangen von den zauberischen Absonderlichkeiten des Pop.  Und der Allerempfindsamste im Raum ist Drummer Bosse Litsheim, der zwar aussieht wie Pierluigi Collina oder wie der Sänger von Midnight Oil für Nicht-Fußballfans, aber der auf eine so zarte und souveräne Art seinem Job nachgeht, dass sein großes Herz die Bühne zum Leuchten bringt. Kitschig? Und wenn schon!

Die 15 im Pubilkum lassem die Norweger nicht ohne Zugabe gehen. »A cover by Roxy Music«, kündigt Mona an. »Now the party is over«, flüstert sie ins Mikro und lässt uns alle rätseln. Welcher Song ist das nochmal? Mona verrät es erst später. »Das war doch Avalon!«. Wir haben es in ihrer verfremdeten Rotkäppchen-Fassung nicht erkannt.

 
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