Home
Foto nordische Landschaft

08. November 2007

The Moonbabies oder: Was ist der perfekte Popsong?

Wie hört sich der perfekte Popsong an? »Ich weiß es nicht«, antwortete Ola Frick überrascht auf diese Frage. Die weißen Engelsflügel hat der Sänger der Moonbabies nach dem Konzert im Frankfurter Club »das bett« bereits abgelegt. Seine dunklen Haare sind wirr verstrubbelt und auf dem Boden klebt verschüttetetes Bier.  Höchstens mal 15 Konzertgänger haben sich an diesem trüben Novemberabend eingefunden, um schwedischen Pop zu hören. Die Konkurrenz aus dem eigenen Land ist da, denn kaum dreihundert Meter weiter spielt Britta Persson im Clubkeller. Aber die Sache mit dem perfekten Popsong, über die wollen wir hier weiter reden. »Dieser Song muss immer ein bisschen traurig sein«, sage ich. »Stimmt«, meint Ola.

Die Moonbabies sind eine dieser Bands, die live überraschen. Durch ihre Energie und Präsenz, die auf das Publikum abstrahlen wie Heizpilze im Dezember vor Nichtraucherkneipen. Durch Professionalität und Lebendigkeit. Durch ihre mutige Entscheidung, eine ihrer buntesten Leuchtraketen gleich zu Beginn des Konzerts zu zünden und mit »War On Sound« einzusteigen, einem melancholisch-optimistischen Funkelstern, der dem Ideal des perfekten Popsongs sehr nahe kommt. Bei dem man sich fühlt, als hätte man die hundert Wunderkerzen in der Hand alle auf einmal angezündet.

Die helle Stimme vcn Carina Johansson geht leider an diesem Abend wegen  technischer Problemen im bett unter, das ansonsten ein grundsympathischer Club mit netten Betreiben ist. Da hilft es auch nichts, dass sie ins Megafon singt. Dabei lebt die musikalische Identität der Moonbabies doch von diesem Boy-Girl-Wechselgesängen seiner beiden Protagonisten! Egal, egal, an diesem Abend vermitteln die beiden eine Ahnung davon, dass sie noch viel vorhaben und irgendwann zum großen Sprung ansetzen könnten. Von der arrogant-coolen Selbstverliebtheit so mancher schwedischer Nachwuchs-Popkapelle ist hier nichts zu spüren.  Unterstützt von einem präzisen Tourschlagzeuger mit knochentrockenem Anschlag entsteht eine zärtliche, experimentierfreudige, mächtig Tanzlust machende Melange. Und ganz zum Schluss fliegen die Seifenblasen und blitzt so eine Ahnung von Glück auf. Auch das gehört im übrigen zum perfekten Popsong.

Und endlich gibt es Antworten auf die wichtigen Fragen. Einer meiner Lieblingssongs auf der neuen Platte »AT THE BALLROOM« ist gleich das Eingangsstück »21st Century Heart«.  Der Text ist nicht so ganz verständlich. »Was singt ihr denn da genau?«, frage ich. Carina und Ola grinsen. »Something good is coming to me, oh yeah, alright.« Dem ist nichts hinzufügen, denn jetzt strahlen wir alle drei.