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Foto nordische Landschaft

09. November 2007

Ulalala – Laurila in meiner Stadt

Niels von der Astra-Stube dachte ein wenig nach. Denn wie sollte er dem Mann mit der Pudelmütze erklären, was diese Finnen nachher für Musik machen würden? „Irgendwie vergleichbar mit?“, drängelte der Pudelmützenmann und Niels wiegte noch einmal den Kopf, sagte schließlich: „Fett. Ja, fett.“ Und dann: „Dreckige Gitarren, aber sehr präzise gespielt.“

Yupp – das trifft es. Denn Laurila mögen es weder orgelig, noch zisselig, noch allzu ausgedehnt harmonisch. Stattdessen knallen sie ihre Songs in den Raum, als wären sie auf der Flucht. Einer ist schneller als der andere, dazu brettern und schlenkern und hebeln sie die Gitarren, als hätte sie ein grundsolider Schüttelfrost befallen. Was sie aber auch nicht daran hindert, urplötzlich ein chorisches Ulalala oder Uhuuuhuu in den Refrain zu schieben.

Wirklich – äh – fett die beiden Gitarristen, die mit viel Körpereinsatz zeigten, das guter Rock nicht im Liegen gehört werden sollte. Wobei sich das Verwandlungspotential ihrer Musik bei Jukka Salminen besonders plastisch offenbarte: Eben noch stand er im Angestelltenhemd aus Geschirrtuchstoff leicht schüchtern neben der Bühne, um sich auf der selben in einen Berserker mit feschem, dünnen Lederschlips zur Kunstlederjacke zu verwandeln – bis gar die Laurila’sche Ekstase seine Brille hinweg fegte. Eifrig der Schlagzeuger, dem eifrig immer wieder das hübsch und frisch geschnittene Haar ins Gesicht fiel. Beeindruckend der Bassist mit Teddy-Frisur, der wirklich keine Miene verzog; na ja, sein T-Shirt zeichnete ihn auch als Krieger im Dienstes des Satans aus. Überhaupt ist Laurilas Musik live vorgetragen von einer gewissen Liebe zum Rock ’n ’Roll alter Schule geprägt.

Der Mann mit der Pudelmütze zog übrigens eingangs einen schmalen Band mit Gedichten von Reinhard Lettau hervor, las eines daraus vor, in dem es um einen jüngst verstorbenen Schriftsteller ging sowie um die Frage, warum die schönen Mädchen immer von Berlin nach London ziehen, um dann nicht mehr erreichbar zu sein. Wobei dem Vortragenden recht gut gefiel, dass er selbst wie der im Gedicht Angesprochene Dichter Peter heißt.