Home
Foto nordische Landschaft

14. Januar 2008

Once we were in meiner Stadt

Oh doch, ich war schon neugierig, ob man in der Astra Stube das Rauchverbot, wie es in Hamburg seit dem 1.1. gilt, umsetzen wird. Denn so schnuckelig und gleichzeitig cool der Laden nun mal ist, manchmal bin ich da schon am Ende eines langen Abends mehr tot als lebendig wieder hinaus getaumelt. Um dann vor der Tür den nächsten Schlag zu empfangen: So richtig frische Luft kann einen schon von den Füßen hauen. Und dann und wann der Morgen danach! Dabei bin ich gar kein Kopfschmerztyp. 

Jedenfalls prangte ein Zettel an der Tür, eine Art Kugelschreiberzeichnung, wo in dünnen Buchstaben die Parole „smoking kills music“ zur Einsicht aufrief. Doch nicht alle mochten dieser Parole folgen, ein vereinzelter, aber nicht unbeachteter Aschenbecher hielt sich hinter dem Tresen bereit. Fazit: Ja, es wird weniger geraucht, das schon. Aber so richtig Schluss damit, so weit ist man auch wieder nicht.

Zu diesem einerseits ‚nee, nich’ mehr’, andererseits ‚ach egal, weiter wie bisher’ passte der Auftritt von Once we were aller bestens. Denn die drei Jungs bieten recht netten Gitarrenclustersound, entschieden im Indiepop beheimatet, wobei der mit Ohrstöpseln bewehrte Drummer dank seines sehr präzisen und keinesfalls nur begleitenden Schlageinsatzes eine Art Klammer bildet, damit die beiden Gitarren sich nicht allzu sehr in einander verlieben. Kein Gesang belastet die ineinander verwobenen Gitarrenmelodien, wie sie in immer wiederkehrenden Varianten sich wie auf einer Schnur aufstecken; keine knurrigen Bassläufe erzeugen gegengesetzte Ungeduld. Bis urplötzlich das Tempo angezogen wird, die beiden Gitarrenboys arg wild für zwei Minuten ihre Köpfe schütteln, schier außer sich vor Kraft in die Saiten hauen, sich aber urplötzlich wieder besinnen und in wieder in ihren Wohlklangtrab einfallen, als würden sie in sich gekehrt Hand in Hand über eine Frühlingswiese huschen.

Musik von einer Intensität entsteht, als würde man mit quietschenden Reifen und angezogener Handbremse die Autobahnauffahrt nehmen, um dort bald Vollgas zu geben, einen Fuß auf der Bremse. Oder anders gesagt: OWW pflegen die zwiespältige Kunst des musikalischen Coitus Interruptus. Das hat durchaus etwas Anregendes, aber am Ende dann doch Unentschiedenes. Für mein Empfinden jedenfalls.