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Foto nordische Landschaft

24. März 2008

Molotov Jive oder: Hauptsache, die Frisur sitzt

Es gibt sie, diese Konzerte, wo sich die Popmusikfreundin jenseits der 21 eindeutig in Lager der Generation UHU (Unter hundert!) wähnt. Himmel, welche Elterngeneration hat denn an diesem Abend im kuscheligen Frankfurter Club Das Bett all diesen minderjährigen Grazien Ausgang gegeben? Schmunzelnd ein Weizenbier geholt und der Dinge geharrt. Die gruselige Vorband Auletta aus Mainz über sich ergehen lassen: Vier sehr ernsthafte junge Männer mit schlimmen Haarschnitten, die so spielen, als wollten sie im nächsten Jahr als die Vertreter des wunderschönen Bundeslandes Rheinland-Pfalz bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest mitmachen. Ironiefreie Leidenschaft und holperige Refrains. Nett und harmlos, aber den Mädels gefällts und der Gitarrist denkt sich, er sei David Lee Roth und zeigt stolz seinen ausgeprägten Brusthaaransatz. YUCK!

Molotov Jive aus Schweden  sind der Hauptact des Abends und schlagen die braven Mainzer Buben nicht nur frisurmäßig um Längen. Stilbewusstsein ist den jungen Herren aus Karlstad ein inneres Bedürfnis. Ist ja nichts gegen einzuwenden, aber man wird das Gefühl nicht los, dass ein Großteil der künstlerischen Energie der Band in die äußere Geste, nicht in die musikalische Substanz fließt. Poser eben. Der Anspruch dieser vier ist jedenfalls himmelhoch: Wir wollen Stars werden und ihr dürft uns jetzt dabei erleben, wie wir noch kleinklein sind, aber das dürfte sich bald ändern! Denken wir also ein bisschen Mando Diao und noch ein bisschen mehr Sugarplum Fairy. Mit Letzteren sind die Molotovs bereits im vergangenen Jahr getourt, und dadurch wird klar, warum der Jungmädchenanteil im Publikum so hoch ist. Schmacht.

 Denn Sänger Anton Annersand mit seinen braunen Kulleraugen und dem pathetischen Auftreten ist durchaus kein unangenehmer Anblick für Damen jeden Alters. Wenn er bloß nicht so aussehen würde wie der kleine Bruder von The-Ark-Sänger Ola Salo. Nur ohne Strapse, Federboa und High Heels. Den Hang zur beherzten Selbstinszenierung übernimmt der junge Frontmann gerne. Hier zählt die allein das Aussehen.  Kein Song will so richtig hängenbleiben. Trotz aller inszenierten Leidenschaft und der beschwörenden Zwischenansagen. Denn eines muss sich noch bis Karlstad herumsprechen: Wer zu viel will, verliert den Blick auf das Wesentliche: Dass Inhalt mehr zählt als äußere Form. Obwohl es natürlich bewunderswert ist, wie die Frisuren hier unter vermehrter Schweißabsonderung noch perfekt sitzen.

Lassen wir Gnade walten. Zur Zugabe gelingen den Molotovs noch Songs, die ein ernsthaftes Bemühen demonstrieren, sie selbst zu sein und irgendwo anzukommen im echten Poprockland, wo nicht nur alles schnöder Schein ist. Vielleicht.