Home
Foto nordische Landschaft

06. April 2008

Anorexisch, androgyn, arrogant, aber gut: Death By Kite

Kleine Vorbemerkung zum Konzert der drei Dänen Death By Kite im Frankfurter Club das bett : Bloggen wird belohnt! Hat mir der Betreiber des einzig erträglichen Etablissements in Frankfurts Äbbelwoi-Kulissenstadtteil Sachsenhausen doch an diesem Abend wohlwollend ein Weizenbier ausgegeben. Und warum? Seinen Veranstaltungsort mehrfach im Polarblog erwähnt. So wird man plötzlich zur Expertin. Als ein jungspundiger Nachwuchskonzertgänger am Tresen fragt, welche Art Musik die Dänen denn so machen, sagt der Wirt wichtig: »Frag diese Frau, die kennt sich aus«! Kleiner Lachanfall bei der gemeinten Person. :)

 Death By Kite  lassen sich an diesem Abend Zeit, um auf die Bühne zu kommen. Vom Band laufen »Silver Machine« von Hawkwind und »Radar Love« von Golden Earring. Lange nicht gehört. Die Dänen touren bereits zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres durch die Kleinclubs, um ihr selbstbetiteltes Debütalbum zu bewerben.  Nur den Schlagzeuger haben sie inzwischen gegen ein magersüchiges Kind ausgetauscht. Passt bestens in das optische Gesamtbild der Band: Blond, blass, anorexisch und androgyn. Mit viel Kajal um die Augen dem lebensüberdrüssigen blasierten Schhick gehuldigt. 

Und nun genug der Widerworte zum äußeren Erscheinungsbild des Trios. Es wird heftig. Es wird intensiv. Das unbeding notwendige Grundgerüst des Powerpop und sonst nichts: Gitarre, Bass, Schlagzeug. Es geht deutlich zurück in die frühen Tage des New Wave. Daseinsverdrossenheit und und stilverliebte Wut. Wir sind die Jugend, wir haben recht. Das ist selbstverständlich arrogant, aber es ist gut. Die Stücke wie »Himmelfahrtskommando« und »Bhf Asta« punkten mit Dringlichkeit und ausgefeiltem Songwriting. Sind cool. Sind unbedingt tanzbar. Dass die Placebo-Bezüge offenkundig sind und Sänger Bjørn Alexander Gøtzsche Lange dem Dunkeldandy Brian Molko genau zugehört hat, ist geschenkt. Dieses Mädel am Bass und diese zwei Jungs können spielen. Auch wenn sie sich gern in Posen gefallen. Geschenkt.

 Beschäftigt hat uns an diesem Abend noch, wie es der Sänger überhaupt in diese superengen Röhrenjeans geschafft hat. Allein das Zuschauen tut weh. Aua! Um die Unterleibsgesundheit junger Dänen müssen wir uns ernste Sorgen machen. Um das musikalische Aufbruchpotenzial dagegen nicht.