Home
Foto nordische Landschaft

22. August 2008

Dieser Sommer wird empfindsam Teil 3: Kuryakin

Draußen rauscht der Regen unablässig über eine nachtschwarze Stadt. Fast ist man versucht, bereits im August wie jedes Jahr zu Herbstbeginn Ahas Klassiker »Summer Moved On« aufzulegen, wehen Herzens aus dem Fenster zu schauen und im Gleichklang mit fallenden Blättern zu seufzen. Aber noch sträubt man sich gegen das Unvermeidliche und hört lieber den sanften elektronisch-akkustischen Tönen des schwedischen Duos Kuryakin zu. Einer eigentümlich wohlig einlullenden Mischung aus Twee Pop, 60ies-Sounds und sanft-abgeklärter Melancholie. Mit diesem gewissen Stilbewusstsein, das die skandinavischen Nachbarn einfach nicht mit der selbstverständlichen Leichtigkeit wie die Schweden hinbekommen.

Peter Gjöres und Johan Norberg haben ihrem musikalischen Projekt den Namen eines russischen Spions aus der 60er-Jahre-US-Fernsehserie »SOLO FÜR O.N.K.E.L« gegeben. Darin geht es um – was wohl in den Zeiten des Kalten Krieges – gute und böse Agenten, reichlich Selbstironie, und säckeckeweise aufgeplusterte männliche Coolness. Passt nicht so ganz auf die Schweden. Aber klingt gut.

Kuryakin sind nämlich, wie es sich für echte Tweepopper gehört, echte Romantiker. Lieben das Schwelgerische, Schwämerische. Ohne dabei zu übertreiben. Dafür sorgen schon die dancefloor-affinen Electronics für das heile Herunterkommen nach einer langen Nacht, wenn es schon sehr, sehr spät ist und man nur noch mit offenen Augen vom Schlafen träumt.

Treiben lassen. Lächeln. Entspannt den Dingen nachsinnen und Frieden mit den eigenen Fehlern schließen – das lässt es sich zu Kuryakins kleinen Hymnen bestens. Die zwar schweben, aber nie den Boden unter den Füßen verlieren. Und deren Songs sich mit den wirklich wichtigen Dingen des Lebens befassen. Dem Sonnenschein zum Beispiel. Und dem Regen.