07. Oktober 2008
Wir tanzen barfuß: Samae Koskinen entdeckt das Glück
Das Finnische hat sich als Idiom der Popmusik noch nicht wirklich durchgesetzt. Die Sprachbarriere hält davon ab, popmusikalische Talente zu entdecken, die aus so exotischen Orten wie der Kleinstadt Rihiimäki stammen. Samae Koskinen etwa. Kann einer mit diesem Namen über die Landesgrenzen hinaus bekannt werden? Die Chancen dafür stehen schlecht. Schade eigentlich.
Samae Koskinen muss in diesen Tagen ein glücklicher Mensch sein. So fern dies für einen finnischen Mann überhaupt möglich ist. Nicht nur ist der Musiker mit der kleidsamen Topffrisur gerade frisch verheiratet. Sondern durfte er sogar jüngst in Helsinki beim Auftritt der Indie-Legenden American Music Club den Support Act geben. Vielleicht hat er sogar wieder ein bisschen getanzt. Ganz so, wie tappsige Bären sich bewegen. Samae Koskinen ist einer von den ganz Schüchternen.
Aber bereits im Sommer gab es im Klubi in Turku einen Samae zu bestaunen, der den Entertainer in sich entdeckt. Sich in den Anzug gezwängt hatte. Barfuß tanzte und sichtlich Spaß dabei hatte. Und sich mit Freunden umgab, die, so weit es ihnen möglich war, die Big Band gaben.
Samae, der mit seiner Hauptband Sister Flo bereits mehrere wunderbare Popalben vorgelegt hat, ist einer von den Eigenwilligen. Den Eigensinnigen. Den Empfindsamen. Der solo auf seinem ersten Album »VOL. 1« diesen tastenden, zarten Ansatz gefunden hat, um Gedichte finnischer Gegenwartslyriker zu vertonen. Was im Ergebnis überhaupt nicht kopflastig ausfällt, sondern sinnlich und leicht. Und immer von einer gewissen Grundtraurigkeit. Wie es sich für den perfekten Popsong gehört. Dazu bedarf es keiner weitergehenden Kenntnisse des Finnischen. Denn Songs wie »Hän Asuu Näilllä Kulmilla« kann man endlos hören.
Der Mann aus Rihiimäki arbeitet derzeit an seinem zweiten Soloalbum, das im kommenden Jahr erscheinen soll. Nimmt man seine jüngsten Aufttritte als Maßstab, dann hat Herr Koskinen tatsächlich in diesem Jahr das Glück entdeckt. Muss vom Barfußtanzen kommen. Wir dürfen auf eine neue Überraschung hoffen.


