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Foto nordische Landschaft

26. Oktober 2008

Da ist Leben unterm Beton: Nina Kinert in Ludwigshafen

Beinahe hätten wir nicht hingefunden. Alle Amok laufenden Stadtplaner und Architekten der letzten 50 Jahre müssen sich speziell vorgenommen haben, die pfälzische Metropole Ludwigshafen nach Kräften zu entstellen. Übereinandergeschachtelte Betonungetüme von Umgehungsstraßen, die konsequente Navisystemverweigerer durch eine völlig undurchsichtige Wegführung ins Nirgendwo führen. Selbst der Bahnhof taugt nicht als Orientierungspunkt, da er sich wie ein Fremdkörper unter den Betonbarock duckt.

Irgendwie haben wir die Bahnhofstraße (die, merke: NICHT am Bahnhof liegt!) und den Veranstaltungsort das haus dann doch noch gefunden. Sind viel zu spät in den aparten Saal in seiner anregenden Betonästethik gehuscht und kamen sogar für umsonst rein, da das Konzert schon mehr als zur Hälfte vorbei war. Und jetzt genug geschimpft über unwirtliche Innenstädte, denn jetzt kommt Nina Kinert, die konzentriert an den Tasten sitzt und sich in ihrem seltsamen grauen Kapuzenkleidchen bestens an die Umgebung anpasst. Alles Äußerlichkeiten. Denn die eigenwillige Chanteuse, die einigen Zuhörern vielleicht als Backup-Sängerin von Ane Brun bekannt sein könnte, präsentiert sich hier als sehr eigenständige Musikerin mit eigenm Kopf.

Die Vergleiche liegen nahe, aber ebenso leicht daneben: Tori Amos und Fiona Apple. Die merkwürdigen Damen, die in ihrer eigenen Welt leben und komische Dinge sehen, die wir vielleicht nicht ganz so verstehen wie sie. Nina Kinert ist sicherlich auch eine Bewohnerin dieser merkwürdigen Zwischenwelt. Aber eine, die sich irgendwie ihre naive Mädchenhaftigkeit bewahrt hat. Auch wenn sie gleichzeitig sehr, sehr garstig sein kann.

Unterstützt von einer bestens aufgelegen Band – aber fast noch besser solo. Wenn sie zur Zugabe mit ungelenker Grazie nochmal auf die Bühne steigt und ganz bei sich ist und fast in das Keyboard hineinzukriechen scheint. Spätestens dann wissen wir, dass wir Ludwigshafen nicht mehr böse sein dürfen. Danke für diesen Abend!