Psychopunch: Karlsruhe wird zur »Moonlight City«
So, noch schnell einen Blick auf Bettie Ford geworfen, genauer gesagt: Deren letzte drei Lieder angehört, bevor die Schwedenpunk’n'roller am 16. Oktober um 22 Uhr das Substage rocken sollen. Die Kölner machen ihre Sache nicht schlecht, doch so rechte Stimmung kommt nicht auf: Zu wenige Leute, die dann auch noch drei Meter Sicherheitsabstand von der Bühne halten.
Weniger Berührungsängste haben Psychopunch, die ihrem dreimaligen Support-Act zum letzten Song ein Tablett mit Drinks auf die Bühne bringen.
Umbaupause. Die Gelegenheit um die Zuschauerzahl von 70 auf endgültige 80 Personen zu steigern – und den Alkoholpegel soweit anzuheben, dass sich die Lücke zwischen diesen und Bühne bis zum dritten Lied schließt.
Psychopunch lassen sich davon nicht stören, sie wollen beim letzten Gig dieser Tour noch mal richtig Spaß haben und posen als stünden sie in einem ausverkauften Stadion – statt in der nicht mal zu einem Fünftel gefüllten, ehemaligen Unterführung in Karlsruhe.
Psychopunch rühren die Werbetrommel für ihre aktuelle Scheibe »MOONLIGHT CITY«, ergänzt durch etliche Tourklassiker wie »Nothing Ever Dies« oder »Black River Song«.
Nach fast einer Stunde haben es die Schweden um Sänger/Gitarrist JM geschafft: Drei, vier Mannen pogen vor der Bühne, wahrscheinlich passt der Promillepegel nun. Vermutlich auch bei den Typen in den hinteren Reihen, die in den Songpausen immer hartnäckig etwas brüllen, das wie »Fisse« klingt.
Endlich reagiert der Bassist Mumbles mit einem »Can’t get it”, was die Schreihälse zu noch lauterem Gebrüll anstimmt, während einer der Poger ein Taschenwörterbuch(!) zückt, und in Zusammenarbeit mit Mumbles versucht, den Sinn zu ergründen.
Doch nach einem Schrei aus der Menge, verstummen die unqualifizierten Zwischenrufe endlich. Der Schrei lautete, wenn ich mich recht erinnere: »Halt’s Maul! Scheißpfälzer.«
Ungestört feiern die Schweden samt mittlerweile aufgetauten Besuchern weiter, die nach dem Abgang der Band Zugaben verlangen. Die kamen auch, die Erste war … »S.O.S«, von ABBA. Einige Songs später haben die Punkrocker gute 90 Minuten hinter sich gebracht, sowie von Fans auf die Bühne gereichte harte Drinks vernichtet und verlassen die Bretter der Fächerstadt endgültig.
Fazit: Fans dürften auf ihre Kosten gekommen sein, bei Nichtkennern der Alben dürfte nach der Show wenig im Gedächtnis bleiben, die Songs ähneln sich doch sehr.
PS: Wer denkt, dass das Licht der geringen Besucherzahl wegen meist sehr gedämpft – um nicht zu sagen fast aus – war, der könnte sich irren. Möglicherweise war dieses Beinkleid – beziehungsweise dessen Farbe – der Grund. 
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