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Foto nordische Landschaft

15. November 2008

Vier Freunde, laut: Lukestar im Bett in Frankfurt

»Diese Schweden und Norweger spielen immer so laut«, brummelt der Wirt des einzig heimeligen Clubs in der Äbbelwoikneipenkulissenwelt Frankfurt-Sachsenhausen und verkauft noch ein Ökobier mehr an die politisch korrekte Kundschaft. Lieber Wirt, auch wenn es schwerfällt und die nörgeligen Nachbarn mit bösen Anrufen beim Ordnungsamt drohen: Lukestar muss man laut hören!

Die Norweger sind in diesen Tagen erstmals auf Deutschlandtournee – und wer sie verpasst hat, sollte sich jetzt ärgern: Denn dieser eigenwillig aus allen Zeiten fallende Indierock, der seltsam glamourös ist (obwohl die vier Musiker das genaue Gegenteil davon sind!), entwickelt eine unerwartete Dynamik. Lukestar, deren Album »LAKE TOBA« sich in ihrer Heimat sehr, sehr ordentlich verkaufte, sind engagierte Spielkinder mit der positivesten Ausstrahlung einer Band seit dem sommerlichen Auftritt von Sigur Rós in Wiesbaden. Psychedelik, Power, Pathos,  Pop, – zwischen diesen Polen richten sich Lukestar entspannt ein und feiern. Feiern die Falsett-Stimme von Sänger Truls Heggero und die Tatsache, dass sie einen unglaublichen Spaß daran haben, zusammen zu spielen. Vier Freunde sollt ihr sein!

Es ist einer dieser Abende im bett, an denen es einem merkwürdig warm ums Herz wird: Weil gerade mal geschätzte 30 Leute den Weg in die Klappergasse gefunden haben und diese 30 so unterschiedlich sind, wie man sich das Publikum auf Konzerten sonst immer wünscht: Klar, die unvermeidlichen Indierocknerds, männlich, jung, die meistens in Grüppchen auftauchen. Aber auch das Pärchen jenseits der 45, das in der ersten Reihe begeistert tanzt. Das minderjährige Mädel, das seine Mutter oder eine andere Aufsichtsperson mitgebracht hat – und beide jammen angeregt. Die sehr rustikalen Typen, die aussehen wie norwegische Ölfeldarbeiter, es aber bei näherem Hinhören doch nicht sind. Die Handvoll echte Norweger (etwa die halbe norwegische Population der Mainstadt?) Die bunte Truppe, die aussieht wie von einer Balkanparty entfleucht. Wäre das Publikum doch immer so interessant durchmischt!

Lukestar, so fern allen modischen Schnickschnacks, so fern aller egoistischen Eitelkeiten, so fern aller dummen aufgesetzten Posen, sind mit ihrer ungekünstelten Freude an dem, was sie tun, die wahren Helden. Vielleicht sind so hoffungslos altmodische Eigenschaften wie Bescheidenheit und Sympathischsein in diesen Tagen die neuen Gradmesser für Coolness. Die Norweger also die Trendsetter?

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2 Kommentare

1. Peter schrieb am 25. November 2008 um 09:51

Habe die Band gerade entdeckt.Sehr cool. Würde sie auch mal gerne Live erleben. Und gerade die kleinen Gigs in winzigen Clubs sind mir die Liebsten.

2. Lukestar - komische Vögel… schrieb am 25. November 2008 um 10:00

[...] Lake Toba. Fazit: Nordische Musik trifft Großstadtcowboy mit Ambition zum Verqueren. Update: Im Polarblog habe ich gerade einen Konzertbericht über die Norweger [...]

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