Brüderchen und Schwesterchen, verspielt: Dirty Fingernails
Ach schau an, die angeblich verstockten Schweiger aus dem äußersten Norden können auch anders! Das perfekte Gegengift zur grausamen graunassen Novembertristesse kommt ausgerechnet von einem finnischen Geschwisterpaar, das aus dem Provinznest Kajaani nach London ausgebüchst ist, um dort den rotzfrech-vergnügten Synthiepop mit garstigen Untertönen zu pflegen. Päivi und Sami Salo sind die Dirty Fingernails, die in diesen Tagen ihr erstes Album »GREETINGS FROM FINSBURY PARK, N4« vorgelegt haben.
Ein einziger ironischer, zitatreicher, anarchischer, temporeicher Spaß, der mit so allen Klischees spielt, die der sensible Indiepop so zu bieten hat. Mit dicken Synthiefanfaren, zum Beispiel. Brüderchen und Schwesterchen spießen mit Vorliebe die alten Haudegen von Tom Waits über Marianne Faithful bis Bono mit der Kuchengabel auf. Und sind dabei superlebendig und sehr, sehr tanzbar.
Ganz ernstnehmen tun wir uns nicht, und diese Einstellung befreit die beiden musikalischen Protagonisten ungemein. Treibt zu allerlei Spielerei und Schabernack an. Perfekt mögen andere sein. Die Dilettanten-Attitüde hat einen unwiderstehlichen Charme. Leicht durchtriebene Schlunzigkeit regiert. Und zu nichts lässt sich zu tauenden Schneemassen auf den Straßen derzeit besser durch die Küche hüpfen als zu den wunderbar naiven Songs »Chop Suey« oder »Bruno« , wobei letzterer so schön anspielungsreich post-Suede-mäßig klingt.
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