Es bleibt in der Postrock-Familie: Halo Of Pendor
Die Göteborger Postrock-Szene muss man sich wohl wie einen sehr überschaubaren, familienähnlichen Verbund vorstellen: Jeder kennt jeden und jeder spielt irgendwie neben der eigenen Band noch im Nebenprojekt des besten Kumpels mit. So wundert es also nicht, dass eine der neueren Formationen aus der Hafenstadt, nämlich Halo Of Pendor, aus alten Bekannten und ihren engsten Freunden besteht: Im Grunde handelt es sich hier um das bereits länger vor sich hinköchelnde Soloprojekt von Daniel Öhman. Der ist engstens mit den Lokalheroen EF verbandelt und hat zur Verstärkung deren Cellisten Jonatan Hammar mitgebracht. Dieser wiederum hat bereits nach Kräften seinen EF-Bandkumpel Claes bei dessen eigener Kapelle Immanu El beim Debüt »THEY´LL COME THEY COME« unterstützt. Andere Halo-Of-Pendor-Aktivisten sind wiederum bei The Gentle Act Incident aktiv. Über die inzestuösen Verästelungen der Göteborger Postrocker ließen sich sicherlich ganze Doktorarbeiten verfassen.
Halo OF Pendor also an einem frostigen Vorweihnachtsabend im Offenbacher Hafen 2. Geradezu schüchtern, verhalten kommen sie daher. Scheinen sich zunächst hinter ihren elektronischen Stimmensamplern zu verstecken. Ein Daniel Öhman, der so zerbrechlich aussieht, dass man ihm am liebsten eine Tasse heißen Kakao und ein dickes Stück Marmorkuchen anbieten möchte. Noch ein wenig unfertig wirken die in bester Postrock-Manier ausufernd-suchenden Stücke. Romantisch suchend. Die blaue Blume vielleicht?
Stockend erzählt Öhmann von den jüngsten Tourkatastrophen: Von einem auf nächtlicher Autobahnfahrt geplatzten Reifen und dass gottseidank niemanden etwas passiert ist. Nur dass er jetzt vollkommen pleite ist. Die Reisekasse überstrapaziert. Und dass er zur Aufbesserung höchstens Demoversionen seiner Songs verkaufen kann. Ein Album gibt es noch nicht.
Erst zum letzten Stück scheint den melancholischen Göteborgern endlich warm zu werden. Vielleicht weil sie das Sampelei-Gefrizzel und und Apple-Notebook-Rumgefrickele endlich lassen und sich von den selbst produzierten Tönen in andere Sphären wegtragen lassen. Und endlich kann Jonatan Hammar zeigen, dass ein Glockenspiel eine empfindsame Seele hat und so klingen kann wie ein kleines Symphonieorchester.
Dass die superlebendigen, überwältigenden, leidenschaftlichen Anathallo aus Chicago die kleinen Göteborger anschließend an die Wand und in einer völlig anderen Liga spielen, soll nur der Vollständigkeit halber festgehalten werden. Denn klein angefangen haben alle mal.
(Foto: Emilie Bjork)
Die letzten 5 Beiträge von Eva-Maria Vochazer
- Das Feuerwerk ist schuld: Satellite Stories - 13. 05. 2012
- Herr Heine und Frau Hansdóttir - 01. 05. 2012
- Just Another Snake Cult: Herr Schwarzenegger und Herr Bogason - 29. 04. 2012
- Little Talks, plötzlich ganz groß: Of Monsters And Men - 18. 04. 2012
- Ach, wenn ich bloß ein Brite wär: The Wha´s - 13. 04. 2012



1 Kommentare
1. Markus schrieb am 04. Dezember 2008 um 19:37
ach ja. ingesamt doch fast enttäuschend, diese pendors. anathallo natürlich live unglaublich stark. schade, dass die niemand kennt. im vvk kosteten die karten nur 5 euro – was für insgesamt 11 musiker auf der bühne natürlich ein aberwitziger preis ist. wer die chance hat, anathallo nochmal live zu sehen, sollte das tun. die sind grundsympathisch in ihrem ganzen tun und live sehr unterhaltsam.