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Foto nordische Landschaft

09. Februar 2009

Melodram auf Norwegisch: Bellman

Manchmal entdeckt man an sich Seiten, die einem vorher völlig unbekannt waren. Und die man wunderbarerweise erstaunlich gut beherrscht. Bellman hat so eine Entdeckung gemacht. Er kann seine Stimme mühelos hochschrauben. Und das klingt völlig folgerichtig souverän und entspannt.

Aber halt. Fangen wir mal von vorne an. Da ist dieser junge Musiker aus Larvik, einer Provinzstadt in Südnorwegen. Eigentlich heißt er Arne Johan Rauan. Aber als Künstler nennt er sich Bellman. Wie der schwedische Dichter und Komponist Carl Michael Bellman, verstorben 1795. Hmmm. Wundern wir uns noch ein bisschen. Aber nicht zu lange. Lassen wir Bellman einfach singen.

Denn dann heben wir ab. Bellman ist ganz  Zwitterwesen. Aus Schmachtpop-Troubadour, aus naivem Träumer, aus eigenwiligen Visionär, aus großäugigem Stauner, aus naivem Chronisten reinen Herzens. Genauer gesagt: Aus Sigur Rós, Anathallo, den Tindersticks, Mercury Rev und vielleicht am ehesten noch Mark Owen. Mark Owen? Dem Take-That-Mark-Owen? Genau dem. Dieser hat nämlich als Solokünstler mit »GREEN MAN« ein ähnlich schwerelos-verträumt-gefühlsbombastisches Solo-Debüt vorgelegt wie Bellman jetzt mit»MAINLY MUTE«. Lang ists her. 1996 genauer gesagt. Aber nicht vergessen.

Aber Schluss jetzt mit den ewigen Referenzen. Die geben eine Richtung vor, mehr nicht. Die Vergleiche mit Sängern ähnlicher Stimmlage wie Thom Yorke oder Antony Heggarty oder sogar Jónsi Birgisson von Sigur Rós taugen nicht. Bellman strebt vielleicht nach dem, was Mike Scott von den Waterboys schon Mitte der 80er erreichen wollte. The Big Music. Irgendwo eine Ganzheit aus Tönen zu erreichen. Mit den Mitteln von Leidenschaft und Schönheit.

Bellman bricht Herzen. Chöre flehen, Glockenspiele weinen, Synthies wimmern. Und zu den allerschönsten Dingen, die der junge Herr aus der Provinz tut, zählt eins: Eine sehr eigenwillige Version des Prince-Songs The Holy River abliefern. Das ist so innig, das es fast schon weh tut. Uuuh. Ich muss mich setzen. Aber Bellman in den kommenden Monaten in den Augen (und Ohren!) behalten.

Die Fotos sind von Mari K. Christiansen und Jan Erik Svendsen

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