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Foto nordische Landschaft

28. Februar 2009

Zeitmaschine in die End-60er: The Horror The Horror

Der faröische Sänger Teitur hat mal im Interview mit Nordische Musik gesagt, dass man zu jedem Konzert in der geheimen Hoffnung geht, dass man dort vielleicht die beste Musik zu hören bekommt, der man jemals gelauscht hat. Recht hat er. Da ist immer diese gewisse Spannung, was einem erwartet. Wenn man eine Band vorher nicht kennt, kann man bei den einschlägigen Musikportalen von myspace über last.fm bis zum frisch gehypten Spotify in aktuelle Songs hereinhören und in den üblichen MP3-Blogs das eine oder andere herunterladen. Aber live ist immer anders.

The Horror The Horror also im Wiesbadener Schlachthof also. Retro-Rock aus Schweden. Nicht die schicke Mando-Diao-Variante, sondern die Unterabteilung grundgute fleißige Arbeiter in abgetragenen Jeans und ausgeleierten T-Shirts, die in Deutschland vom sympathischen Tapete-Label herausgebracht werden. Wer macht sich im einsetzenden Schneetreiben über glatte Straßen bloß zu einem solchen Konzert auf? Ganz einfach: Die Altrocker in der Lederjacke, die Hippie-Kids im löchrigen Pullover und die unheilbar Neugierigen.

Mit betontem Understatement kommen die fünf Schweden auf die Bühne und greifen nach ihren Instrumenten. Oh weia, wie sehen die denn aus? Drei der Herren so, als sei Woodstock gerade gestern abend zu Ende gegangen. Die restlichen beiden wie introvertierte Informatikstudenten. Sänger Mattias Axelsson hat die schlimmste Frisur, die ich seit Ende der 80er Jahre jemals bei einem Mann gesehen habe. Hat dessen  kleine Schwester mit der Nagelschere etwa diese Scheußlichkeit verbrochen? Autsch!

Genug. Genug. Denn The Horror The Horror sind ja nicht zum Posen, sondern zum Spielen da. Und wir geraten unversehens in eine Zeitmaschine Richtung End-60er. Als der melodiöse Hippierock seine Hochzeiten hatte. Plus, in einer Verbeugung vor der Neuzeit, einem guten Schuss Stroke´scher Kompromisslosigkeit. Ordentlich, ordentlich. Gut tanzbar. Schweißtreibend. Aber irgendwie … sehr wenig überraschend. Viel zu vertraut. Man überlegt die ganze Zeit, wo man das alles schon mal gehört hat und geht im Geiste die Albumtitel von Anfang der 70er durch. Diesen hemdsärmeligen Schrammelrock. Der macht nach wie vor Spaß. Aber er regt weder an noch auf. Und deshalb macht sich bald ein gewisses schales Gefühl breit.

Mattias Axelsson übt sich zwischendurch der Kunst des stechenden Starrens oder stürzt sich wie ein schmutzigblonder Kobold in die Menge. Und ganz zum Schluss küsst er den langmähnigrn Basser freundlichst auf den Mund. Das ist eine schöne Geste.

Und dann trollt man sich durch einen ausgewachsenen Schneesturm nach Hause und denkt, naja, war ja nicht schlecht. Aber auch nicht so richtig gut. Und denkt vielleicht schon daran, auf welches Konzert man als nächstes geht.

Heute abend zum Beispiel: zu Glasvegas in den Karlstorbahnhof nach Heidelberg. Wo schon weit im Vorfeld das Gerücht die Runde machen, dass die Schotten ihre Freunde von Oasis mit im Schlepptau haben. Lassen wir uns überraschen. Wie immer bei Konzerten.