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Foto nordische Landschaft

29. April 2009

Isländische Invasion: Hjaltalín, Mammút und kein Ende

Vielleicht liegt es am (gerade noch abgewendeten) Staatsbankrott der Atlantikinsel Island. Vielleicht müssen sich die Insulaner in diesen Wochen und Monaten verstärkt über Einnahmequellen außerhalb der Heimat Gedanken machen. Reine Theorie.  Aber es ist eine einigermaßen einleuchtende Erklärung für das Phänomen, dass isländische Bands in diesem Frühjahr geradezu in Scharen durch deutsche Konzertsäle touren. Ok, ok, das war jetzt die romatisierende Erklärung. Tatsächlich ist es so, dass es  der »Nordrid – Iceland Express Musik Klub« ist, eine Initiative von Icelandic Music Export, die hauptsächlich hinter der isländischen Invasion steckt. Mit Staatsknete für die Expedition ins Ausland ausgerüstet. Einige isländische Kronen sind also im Staatssäckel noch vorhanden, eine wirklich beruhigende Nachricht.

Es gibt aber auch einige Bands, die es unabhängig davon in deutsche Konzertsäle schaffen.
Hjaltalín (Foto) zum Beispiel, die bestens aufgelegte,superkreative, fröhliche isländische Variante von Arcade Fire, waren 2009 bereits schon zwei Mal auf Kurztour hier. hjaltaUnd haben beim Konzert letztens im Heidelberger Karlstorbahnhof das Publikum zum Tanzen und Lächeln gebracht und mit Nachdruck bewiesen, dass die Oboe unbedingt zu den Instrumenten zählen sollte, die zur Grundausstattung einer Rockband gehören. Oder Benni Hemm Hemm, der Meister des Stolperpops, der hoffentlich wieder zwölf Mitmusiker mitbringt wie beim Konzert vor geschätzten anderthalb Jahren in der Frankfurter Brotfabrik, als er leider vor ebenso vielen Zuschauern spielte. Etwas mehr Publikum wäre dieses Mal netter!

Lay Low, Reykjavik!, und Mammút waren im Rahmen der staatlich gesponserten Norðrið-Reihe in den ersten Monaten des Jahres schon hier. Die Popdiseuse Dísa, die hemdsärmeligen Sprenghjuhöllin und der Singer-Songwriter Svavar Knutur kommen demnächst. Strengt sich mächtig an, dieses isländische Musikexportbüro. Nähe Informationen über die Tourreihe sind übrigens bei 101 Berlin zu finden.

Da werden Fans isländischer Musik in anderen europäischen Ländern schon fast ein wenig neidisch auf die isländische Invasion in Deutschland. Mark Ollard etwa, ein Londoner Islandfreund, der sich in iceblahsmallseinem sympathischen Iceblah-Blog hauptsächlich mit isländischen Bands beschäftigt und gerade unter mächtigen Eifersuchtsanwandlungen leidet, wenn er Richtung Süden blickt. Nur Geduld, junger Jedi, isländische Bands werden London mit Sicherheit nicht links liegen lassen, wenn sie künftig auf Abenteuer ziehen. Denn Staatsbankrott oder nicht: Die isländische Musikszene erstaunt seit Jahren durch ihre unglaubliche Vielfalt und Kreativität, die für ein Land von knapp über 300.000 Einwohnern einmalig sein dürfte.

25. April 2009

Heute in meiner Post: Bullet

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Heute in meiner Post: »HEADING FOR THE TOP« von den schwedischen Bullet.  Auf Vinyl! Auf weißem Vinyl!
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19. April 2009

Die Mumins kommen!

mumin1Die Mumins – wer kennt sie nicht, die freundlichen nilpferdartigen Wesen der Finnlandschwedin Tove Jansson. Filme und Bücher mit Mumin-Geschichten fanden ihren Weg weit über die finnischen Grenzen hinaus. Mittlerweile gibt es eine richtige »Mumin-Industrie«: Wer das Helsinkier Stockmann (Kaufhaus) betritt, findet dort Mumin-Tassen, Teller, Plüschtiere, Schlüsselanhänger, Magnete,… und sogar Mumin-Kekse.

Nun gastiert die Wanderausstellung  »Schweben – Träumen – Leben« mit Tove Janssons Mumin-Geschichten in Berlin. Die in der Ausstellung gezeigten Aufnahmen umfassen eine Zeitspanne von über 50 Jahren: Sie entstanden zwischen 1943 und 1994. tove_jansson1

Die Ausstellung wird mitsamt ihrem Rahmenprogramm hier zu sehen sein:
In der Gelben Villa in Kreuzberg (23.03.-17.04.2009), in der Bibliothek am Luisenbad in Wedding (05.05.-08.06.2009), auf der Langen Nacht der Wissenschaften im Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität in Mitte (13.06.2009) und in der Kultschule in Lichtenberg (20.06.-30.08.2009).

Danach kann sie als Wanderausstellung deutschlandweit kostenlos über das Finnland-Institut ausgeliehen werden.
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18. April 2009

One Morning Left: Schreihälse, Spielkinder

Finnland ist zwar Metal- und Hardcore-Hochburg, aber bei beim Thema Post-Hardcore und Post-Screamo wird die Luft schon dünner. Und kommen dann noch Electronics mit ins Spiel, die eine gewisse Affinität zu Pop und Synthie-Glam nicht verbergen, dann muss man im Headbanger-Land schon sehr intensiv suchen. Ob one-morning-left-1One Morning Left bewusst auf dieses Alleinstellungs-Merkmal gesetzt haben, das sei mal dahingestellt. Die fünf Provinzjungs aus Vaasa und Jyväskylä sind Anfänger, aber was für welche! Mit einer unbändigen Lust an Anarchie und Aufbegehren. Und am Zerstören von Strukturen. Aber aus den Bruchstücken kommt etwas sehr Tanzbares, etwas sehr Ironisches, etwas unbedingt Positives heraus. Man möchte schwören, dass Miksu, Roni, Tokke, Olli und Tomppa bei den Aufnahmen zu ihrer ersten EP »PANDA <3 PENGUIN« mehr als die Hälfte der Zeit nur abgelacht haben. Wenn nicht Sänger Miksu zu sehr mit Schreien beschäftigt war. Spaßvögel sind die Fünf ohnehin. Auf den wunderbar pseudo-dilettantischen Promofotos hantieren sie hingebungsvoll mit Haarglättern. Das sollen richtig böse Jungs sein?

Songs wie  »BD_L3ftoverZ!« sind ein funkelnder, aggressiver Spaß, der nicht nur den blassen Emocore-Buben gefallen dürfte, sondern auch deren Freundinnen. Selbst die gute alte Italo-Synthiegarde dürfte weise lächelnd dazu nicken. Denn irgendwo ganz oben an der Decke one-morning-left2dreht sich die glitzernde Disco-Kugel so schnell, dass sie demnächst aus der Verankerung fliegt und tausende von Spiegelsplittern sich in Herz und Hirn der Tanzenden bohren.

Ein Label haben die Jungspunde ebensowenig wie mehr als fünf Songs auf ihrer myspace-Seite. Dort aber ist »BD_L3ftoverZ!« schon über 120.000 Mal abgerufen worden, was für eine gewisse Akzeptanz in der Gemeinde spricht. One Morning Left nehmen das als ermutigendes Signal und sind Anfang Mai erstmals auf Tour außerhalb Finnlands unterwegs. Näheres bei unseren Tourterminen.

13. April 2009

Nur sieben, na und? Final Days Society im Hafen 2

Vor nur sieben Zuhörern zu spielen, während draußen vor dem Offenbacher Hafen 2 ungefähr zwei Dutzend Leute sitzen und an diesem milden Abend ihr Bier genießen, das ist eine echte Herausforderung für jede Band. Lag es an den Osterferien, lag es am Fußball, lag es an der allgemeinen Frühling-Draußenseinwollen-Euphorie? Wir werden es nicht erfahren.

fd5Was tun, um den Postrockern Final Days Society, ohne sie vorher groß zu kennen, in einem fast peinlich leeren Saal moralische Sympathie zu zeigen? Ganz einfach: Frech in die Mitte vor die Bühne stellen und einfach wohlwollend zuhören.

Dass altmodische Fransenlampen, dekorativ über die Bühne verteilt, beim schwedischen Postrock quasi zum Inventar gehören, wissen wir seit den Auftritten von EF und Immanu El in den letzten Jahren. Sei es drum. Eine intime Atmosphäre will die Band damit bei ihren Auftritten schaffen, erzählt Sänger Suwat Khanh hinterher. Die Sache mit der intimen Atmosphäre ist wegen des Mangels an Publikum sehr einfach hergestellt. Das Quartett aus dem südschwedischen Växjö, das im vergangenen Jahr mit »NOISE PASSES, SILENCE REMAINS« debütierte, bewegt sich in der besten Tradition des empfindsamen Postrock zwischen Mono und Mogwai, aber fällt durch Vocals aus der Reihe. Das ist für Puristen schon fast shocking.

fdsWie alle echten Postrocker sind Final Days Society im Herzen Romantiker. Ganz im Sinne einer Rebellion gegen die Vergänglichkeit schaffen sie unablässig wachsende, leidenschaftlich treibende Songstrukturen, die irgendwann in lächelnder Katharsis kulminieren. Gitarrendominiert, nicht spielkindhaft. Diese vier wollen ernstgenommen werden. Trotz aller tastenden Zartheit, die immer wieder als Siegerin hinter all diesen Gitarrenwällen auftaucht. Suwat Khanh, der sich, so scheints, in seinem kompakten Körper versteckt, nur um phasenweise siegreich daraus auszubrechen. Auf diese ausufernden Sonsgstrukturen muss man sich einlassen. Ein gutes Zeichen, dass es funktioniert: Der unterbeschäftigte Barmann hört aufmerksam zu. Denn die Schweden wollen uns mit den Mitteln des Postrock glücklich machen. Auch wenn sie das nie offen zugeben würden.

Mit der Kommunikation mit dem Publikum klemmt es noch ein bisschen. Unkommentiert gehen die Songs ineinander über. Erst gegen Ende nimmt die Band Kontakt mit demPublikum auf. Der Schlagzeuger überzeugt durch profunde Deutschkenntnisse. Und dann spielen sie die angeblich erste Zugabe ihres Lebens, weil die sieben Zuhörer im Hafen 2 noch mehr hören wollen.

fd6Das Schöne an diesen intimen Konzerten ist – so unangenehm es für die Band auch sein mag! – dass man hinterher ins Gespräch kommt. Mit den Musikern und mit den Besuchern. Dass der nette Mann mit der Brille da war, weil er die Band via myspace entdeckt hat und nun zufrieden die eben erstandene CD in der Hand hält. Dass der Schlagzeuger seine ausgezeichneten Deutschkenntnisse dem schwedischen Schulsystem verdankt. Dass der Sänger bei der Sache mit der Zugabe ein bisschen geschwindelt hat. Na und. Später sitzt er draußen und bewundert den Mond über Offenbach.

 
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