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Foto nordische Landschaft

10. April 2009

König der Nerds: I Was A King in der Oetinger Villa

»Was tun wir hier bloß hier?« wäre an diesem Abend die richtige Frage gewesen. Wie hat sich eine norwegische Band in in ein selbstverwaltetes Jugend- und Kulturzentrum in Südhessen verirrt, das abstruserweise in einer sehr bourgeoisen, aber  bröckelnden neogotischen Villa residiert? Und warum muss die Band aus Oslo unter einem eindrucksvollen Antinazi-Banner spielen? Weil das politisch korrekt ist? Fragen über Fragen.

iwak_presse_smallUnprätentiös und hemdsärmelig klettern I Was A King auf die Bühne der Darmstädter Oetinger Villa. Frode Strømstad, Herz und Stimme der Band, präsentiert sich als Nerd wie aus dem Bilderbuch: Bisschen dicklich, riesige Brille, den halben Kopf  unter einer Ballonkappe versteckt, Karohemd und schüchterne, aber intelligente Augen. So weit die Klischees. Aber die Musik!

Sehr viel Hippie-Sixties. Sicher. Ein bisschen Folk mit untergemischt. Auch nichts wirklich Revolutionäres. Aber da ist mehr. Eine energische Empfindsamkeit. Hier und da blitzt Härte auf, die entschlossen alle Loser-Attitüde vor die Türe schickt und die Gitarren ihre Zähne blecken lässt.  Klar blicken wir auf die Vergangenheit – aber das heißt nicht, dass wir altmodisch kiffend so tun, als lebten wir im San Francisco der 60er. Überhaupt nicht. iwakDenn Meister Stromstad hat ein sehr hoch entwickeltes Gespür für eingängige Melodien. Auch wenn das keiner richtig laut sagt, ist dies eines der simplen Geheimnisse hinter dem perfekten Popsong. Fragt mal Paul McCartney.

Also erstmal tief schlucken und alle die Vokabeln, die sich im Sprachzentrum des Hirns nach vorne drängeln, energisch nach hinten beordern. Nein, I Was A King sind keine Retro-Vorgestrigen, die auf einen angesagten Trend aufspringen. Gar nicht. Die meinen das ernst. Und das haben auch andere Menschen verstanden und so ist es gekommen, dass auf dem aktuellen I  Was AKing-Album Sufjan Stevens himself und Emil Nikolaisen von Serena Maneesh mitmischen.

Aber zurück nach Darmstadt. Stromstad hat sich eine famose Band mitgebracht, die energisch mitjammt. Vor allem die Frau in der knatschroten Bluse an der Gitarre, die ab und zu mitsingt.  Und nach zehn iwak2Minuten hat er alle um den Finger gewickelt. Und man denkt scharf nach warum und kommt zu dem Ergebnis: Bingo! Es ist die Stimme! Die Stimme von Frode Strømstad. Sanft, klar, eigenständig, eigenwillig, ungewöhnlich, süchtig machend. Und all das vor ungefähr 20 Leuten, wo doch mindestens hundert das dieser Stimme angemessene Publikum gewesen wären. Bitte bald wiederkommen!