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Foto nordische Landschaft

13. April 2009

Nur sieben, na und? Final Days Society im Hafen 2

Vor nur sieben Zuhörern zu spielen, während draußen vor dem Offenbacher Hafen 2 ungefähr zwei Dutzend Leute sitzen und an diesem milden Abend ihr Bier genießen, das ist eine echte Herausforderung für jede Band. Lag es an den Osterferien, lag es am Fußball, lag es an der allgemeinen Frühling-Draußenseinwollen-Euphorie? Wir werden es nicht erfahren.

fd5Was tun, um den Postrockern Final Days Society, ohne sie vorher groß zu kennen, in einem fast peinlich leeren Saal moralische Sympathie zu zeigen? Ganz einfach: Frech in die Mitte vor die Bühne stellen und einfach wohlwollend zuhören.

Dass altmodische Fransenlampen, dekorativ über die Bühne verteilt, beim schwedischen Postrock quasi zum Inventar gehören, wissen wir seit den Auftritten von EF und Immanu El in den letzten Jahren. Sei es drum. Eine intime Atmosphäre will die Band damit bei ihren Auftritten schaffen, erzählt Sänger Suwat Khanh hinterher. Die Sache mit der intimen Atmosphäre ist wegen des Mangels an Publikum sehr einfach hergestellt. Das Quartett aus dem südschwedischen Växjö, das im vergangenen Jahr mit »NOISE PASSES, SILENCE REMAINS« debütierte, bewegt sich in der besten Tradition des empfindsamen Postrock zwischen Mono und Mogwai, aber fällt durch Vocals aus der Reihe. Das ist für Puristen schon fast shocking.

fdsWie alle echten Postrocker sind Final Days Society im Herzen Romantiker. Ganz im Sinne einer Rebellion gegen die Vergänglichkeit schaffen sie unablässig wachsende, leidenschaftlich treibende Songstrukturen, die irgendwann in lächelnder Katharsis kulminieren. Gitarrendominiert, nicht spielkindhaft. Diese vier wollen ernstgenommen werden. Trotz aller tastenden Zartheit, die immer wieder als Siegerin hinter all diesen Gitarrenwällen auftaucht. Suwat Khanh, der sich, so scheints, in seinem kompakten Körper versteckt, nur um phasenweise siegreich daraus auszubrechen. Auf diese ausufernden Sonsgstrukturen muss man sich einlassen. Ein gutes Zeichen, dass es funktioniert: Der unterbeschäftigte Barmann hört aufmerksam zu. Denn die Schweden wollen uns mit den Mitteln des Postrock glücklich machen. Auch wenn sie das nie offen zugeben würden.

Mit der Kommunikation mit dem Publikum klemmt es noch ein bisschen. Unkommentiert gehen die Songs ineinander über. Erst gegen Ende nimmt die Band Kontakt mit demPublikum auf. Der Schlagzeuger überzeugt durch profunde Deutschkenntnisse. Und dann spielen sie die angeblich erste Zugabe ihres Lebens, weil die sieben Zuhörer im Hafen 2 noch mehr hören wollen.

fd6Das Schöne an diesen intimen Konzerten ist – so unangenehm es für die Band auch sein mag! – dass man hinterher ins Gespräch kommt. Mit den Musikern und mit den Besuchern. Dass der nette Mann mit der Brille da war, weil er die Band via myspace entdeckt hat und nun zufrieden die eben erstandene CD in der Hand hält. Dass der Schlagzeuger seine ausgezeichneten Deutschkenntnisse dem schwedischen Schulsystem verdankt. Dass der Sänger bei der Sache mit der Zugabe ein bisschen geschwindelt hat. Na und. Später sitzt er draußen und bewundert den Mond über Offenbach.