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Foto nordische Landschaft

18. April 2009

One Morning Left: Schreihälse, Spielkinder

Finnland ist zwar Metal- und Hardcore-Hochburg, aber bei beim Thema Post-Hardcore und Post-Screamo wird die Luft schon dünner. Und kommen dann noch Electronics mit ins Spiel, die eine gewisse Affinität zu Pop und Synthie-Glam nicht verbergen, dann muss man im Headbanger-Land schon sehr intensiv suchen. Ob one-morning-left-1One Morning Left bewusst auf dieses Alleinstellungs-Merkmal gesetzt haben, das sei mal dahingestellt. Die fünf Provinzjungs aus Vaasa und Jyväskylä sind Anfänger, aber was für welche! Mit einer unbändigen Lust an Anarchie und Aufbegehren. Und am Zerstören von Strukturen. Aber aus den Bruchstücken kommt etwas sehr Tanzbares, etwas sehr Ironisches, etwas unbedingt Positives heraus. Man möchte schwören, dass Miksu, Roni, Tokke, Olli und Tomppa bei den Aufnahmen zu ihrer ersten EP »PANDA <3 PENGUIN« mehr als die Hälfte der Zeit nur abgelacht haben. Wenn nicht Sänger Miksu zu sehr mit Schreien beschäftigt war. Spaßvögel sind die Fünf ohnehin. Auf den wunderbar pseudo-dilettantischen Promofotos hantieren sie hingebungsvoll mit Haarglättern. Das sollen richtig böse Jungs sein?

Songs wie  »BD_L3ftoverZ!« sind ein funkelnder, aggressiver Spaß, der nicht nur den blassen Emocore-Buben gefallen dürfte, sondern auch deren Freundinnen. Selbst die gute alte Italo-Synthiegarde dürfte weise lächelnd dazu nicken. Denn irgendwo ganz oben an der Decke one-morning-left2dreht sich die glitzernde Disco-Kugel so schnell, dass sie demnächst aus der Verankerung fliegt und tausende von Spiegelsplittern sich in Herz und Hirn der Tanzenden bohren.

Ein Label haben die Jungspunde ebensowenig wie mehr als fünf Songs auf ihrer myspace-Seite. Dort aber ist »BD_L3ftoverZ!« schon über 120.000 Mal abgerufen worden, was für eine gewisse Akzeptanz in der Gemeinde spricht. One Morning Left nehmen das als ermutigendes Signal und sind Anfang Mai erstmals auf Tour außerhalb Finnlands unterwegs. Näheres bei unseren Tourterminen.