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Foto nordische Landschaft

06. Juni 2009

Cats On Fire: Temperenzlerbewegung, tanzbar

Um die Extremitäten von Mattias Björkas muss man sich Sorgen machen. Der Sänger von Cats On Fire schlenkert seine Arme und Beine beim Tanzen mit solcher Heftigkeit hin und her, dass man auweiadenkend hofft, dass sie sich nicht aus ihren Gelenken lösen. Aber es muss der eckig-stilvolle Tanzstil von Björkas sein, der an diesem Abend im Heidelberger Karlstorbahnhof größeres Gliedmaßenchaos  verhindert. cats1Würde auch nicht zum fröhlich-intelligenten Loser-Pop der vier aus Turku passen, die sich als Tourverstärkung die wunderbare Jessica Rapo an Keyboard und Backing Vocals  mitgebracht haben, die ansonsten bei der Tweepopband Le Futur Pompiste aktiv ist.

Das zweite Cats-Album OUR »TEMPERANCE MOVEMENT« ist kürzlich in Deutschland erschienen und auf eine sehr wohlwollende Resonanz gestoßen. Die Financial Times Deutschland gab dem Werk sogar die Höchstpunktzahl. Die wohl unerwartete Wertschätzung fern der Heimat scheint den Finnlandschweden mächtig Rückenwind zu verleihen. Temperamentvoll und überhaupt nicht katzenpfötchensanft legen sie los, als wollten sie dem britischen Dandypop ein Denkmal setzen. Morrissey und Paul Weller, euer Stil, eure Arroganz, euer unglaubliches Feingefühl für die kreative Wucht des Verlierertums, sie leben hoch! Lasst uns tanzen, auch wenn wir auf Parties immer nur in der Küche herumstehen und der/die begehrte Person wie gewohnt mit jemand anderem nach Hause geht.

Die Schüchternen cats-2sind an diesem Abend nicht auf der Bühne, sie sind im Publikum. Es dauert, bis sich die Heidelberger Füße in Bewegung setzen, da nützen selbst funkelnde Gitarrenpophymnen wie »Born Again Christian« nur wenig. Tut nichts zur Sache, irgendwann ist selbst der wertkonservativste Student machtlos gegen die überwältigende Kraft des tanzbaren, federleichten Indiepops in der besten Tradition der 80er Jahre in verfallenden nordbritischen Industrielandschaften. Cats On Fire sind an diesem Abend mit Recht selbstbewusst. Mischen gekonnt die Sahnenstücke ihrer beiden Alben, wechseln gefühlvoll zwischen introspektiver Traurigkeit und temperamentvoller Ironie. Hätten gerne, gerne noch eine zweite Zugabe spielen können.

Zwei finnische Pobbands im Doppelpack an einem Abend, das hat in deutschen Konzertsälen Seltenheitswert. Denn nicht vergessen wollen wir die Vorband, die allerliebst semi-dilettantischen Goodnight Monsters mit ihrem großäugig-naiven Kinderzimmerpop und ihrer wohl gepflegten merkwürdigen Drolligkeit. Und nicht zuletzt ihrem großen Gespür für Popharmonien! Das Duo wähnt sich fern der flachen finnischen Heimat in Heidelberg gar im Land der Fjorde.»Heidelberg seems to me like Norway, you know, the river and the mountains, they look like Fjords!«

Nach dem K0nzert ein entspannter Schwatz mit beiden Bands. Über Autobahnen, Baustellen, das größte Faß der Welt, die Wirtschaftskrise und die Nettigkeit des deutschen Publikums. cats3Selbst Cats-Bassist Kenneth, wohl sonst ein großer Schweiger, spricht drei Sätze hintereinander und beweist einen schönen Sinn für Selbstironie. »In Interviews sage ich grundsätzlich nichts, weil es sowieso das Gegenteil dessen sein wird, was die anderen sagen«, sagt er, glücklich grinsend.

Das Interview mit Cats On Fire, in dem Kenneth tatsächlich kein Wort sprach (schade!), demnächst auf Nordische Musik.

 
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