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Foto nordische Landschaft

02. Juli 2009

Demonical: »Jede Band kriegt die Fans, die sie verdient«

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Demonical touren als nordisches Kraftpaket gemeinsam mit Torture Killer und Facebreaker durch die Lande. Nachmittags treffen die Bands in Stuttgart ein, genießen das gute Wetter – und die gute Verpflegung. Während drinnen im Jugendclub der VFB Stuttgart auf der Leinwand um die noch mögliche Deutsche Meisterschaft spielt, plaudert Sänger Sverker »Widda« Widgren auf der Terrasse über deutsche Texte, schwedische Eisenindustrie, »private« Bands und kommerzielle Bands.

»Keine Ahnung wer das zusammengestellt hat – aber es funktioniert«

Euer Basser (Martin Schulman) hat das Interview klargemacht – ist er euer Manager?
Sverker Widgren: (grinst) Nicht wirklich. Aber er kümmert sich um alles, die Interviews, organisiert alles mögliche,… Es ist einfach besser, wenn alles in einer Hand bleibt.

Ihr kommt gerade direkt vom Legacy-Fest. Wie war’s?
Sverker Widgren: Es war gut! Ich hab mich gewundert dass es so voll war. Wir spielten mittags um 15 Uhr und es war voll! In Schweden wäre da keine Sau.
(Pause) Es hat die Hauptbühne weggeblasen,also mussten alle Bands auf der kleinen Bühne spielen. Es gab dann nur kurze Pausen, und vielleicht war bei machen das Set etwas kürzer, aber insgesamt gab es nur eine Stunde Verspätung. Als wir spielten, gab’s keine andere Band (lacht), also mussten alle, die eine Band sehen wollten, uns sehen.
(A.d.R.: Ein Sturm riss Teile der Bühnenplanen ab, starker Regen macht den Einsatz von Strom auf der Bühne unmöglich.)

Das ist eure erste Headlinertour. Wie kam es zu diesem nordischen Killer-Paket?
Sverker Widgren: Keine Ahnung (grinst). Keine Ahnung wer das zusammengestellt hat – aber es funktioniert.
Ich denke, es ist ein gutes Paket. Martin kannte das Label von Torture Killer ganz gut. Und wie du gesehen hast, ist auch unser Tourbus finnisch.
(Pause) Und ich kenne Facebreaker flüchtig von meiner anderen Band, Diabolical – in der spiele ich Gitarre. (Lacht) Wir hatten mal ne legendäre Aftershow-Party zusammen. 2001. Irgendeine Band renovierte gerade ihren Proberaum – und wir machten eine Abbruchparty draus: Jemand hat da Werkzeug vergessen… (diabolisches Grinsen) …und so benutzten wir andere Instrumente.
Aber zurück zur Tour: Ich hatte gar keine Erwartungen. Aber bisher lief es richtig gut. Alle Clubs waren gut, auch voll. Außer Göteborg, da waren wenig Leute, schlecht organisiert.


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»Natürlich würde mir niemand etwas Schlechtes ins Gesicht sagen«

Schnell ein paar Worte zur Bandgeschichte…
Sverker Widgren: Die Band gab’s vorher schon, aber unter einem anderen Namen: Centinex, die gab’s etwa 15 Jahre, und davor hatten sie noch eine andere Band. Immer in der gleichen Besetzung. Anfangs spielten sie ziemlich »primitiv«, dann wurden sie immer technisch(er). Als sie nicht mehr länger technischen Thrash spielten, gab’s einen neuen Namen, passend zum neuen Stil.
Am Anfang war der Gitarrist (AdR: Johan Jansson) auch der Sänger. Das war er aber nur, weil sie schnell was aufnehmen wollten. Erst danach haben sie ein richtiges Line-Up zusammengestellt.

Wie kamst du zur Band?
Sverker Widgren: Ich habe ein eigenes Studio: Necromorbus. Wir betreiben es zu zweit, produzieren jedes Jahr zehn Alben. Auch wenn der Name nach Black Metal klingt: Wir arbeiten mit allen Arten von Bands. Da produzierte ich auch Demonicals Alben, kannte alle Songs und die Band.

dem_widgren(Pause) Ich kam (vorerst) für die Finnland-Tour 2008 mit Dismember dazu. Wenn ich nicht gespielt hätte, hätten sie die Tour abgesagt. Die Jungs meinten: ‘Lieber sagen wir die Tour ab, als noch einmal mit diesem Sänger zu spielen.’ (grinst) Tja, ich hatte nur ein Tag Zeit zu proben – aber wenn du alles schon tausendmal gehört hast… (lacht) geht’s schnell. Nach der Tour war ich dann Bandmitglied.

…und  wie ist die Resonanz auf dich, als den neuen Sänger?
Sverker Widgren: Gut. (lacht) Aber natürlich würde mir niemand etwas Schlechtes ins Gesicht sagen. (grinst). Die Kritiken zum neuen Album sind bisher aber auch alle positiv.

»You can do it slow or do it fast«

Was ist anders auf dem Neuen, im Gegensatz zum vorherigen Album?
Sverker Widgren: Natürlich der Gesang (lacht) und es ist mehr Old School, schwedisch, wie’s 15 Jahre vorher war. Es entstand ganz locker: Jeder hatte die gleiche Meinung wie’s klingen soll.

Wie lange dauerten die Aufnahmen zu »HELLSWORN«?
Sverker Widgren: Lange! Die Songs wurden zwar schnell geschrieben – aber langsam aufgenommen. (schmunzelt) …ja, das Eine bedingte das Andere: Vieles musste noch fertig gemacht werden, unter anderem. die Texte.

Das heißt…?
Drei bis vier Wochen. Das ist für uns lange. Gitarre und Schlagzeug gingen schnell, aber der Rest… und die Texte…

Wer schrieb denn die Texte?
Sverker Widgren: Hauptsächlich unser Bassist, Martin. Ich schrieb auch zwei. Die ersten zwei Lieder. Die Musik schrieben alle zusammen – außer mir. Normalerweise kommt jeder mit einem fertigen Song, dann wird einmal geprobt und schnell aufgenommen (Grinst): ‘You can do it slow or do it fast’.

dem_schulmanApropos Texte: »Götter Des Nordens«  – wieso ein deutscher Text?
Sverker Widgren: Wir hatten den Text zuerst auf Englisch. Der Song sollte eigentlich auch nie aufs Album, eigentlich soll(te) er auf ein Split-Album mit Dismember. Dann hat ihn eine Freundin aus Dresden spaßeshalber übersetzt. Wir nahmen ihn auf Deutsch auf und dachten: ‘hey, das ist ja viel cooler!’
(Pause) Texte in der Muttersprache sind viel schwieriger. Wenn ich nen schwedischen Texte schreibe, bräuchte ich Jahre (lacht).

Spielt ihr den Song auf der Tour?
Sverker Widgren: Manchmal. Als Zugabe. Kommt immer drauf an, wie lange wir spielen. Wir wechseln in der Setlist immer etwas ab. Meistens haben wir elf Songs, beim Legacy Festival waren’s aber nur sieben.

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»Klar. Direkt. Ehrlich.«

Welche Bands beeinflussen euch?
Sverker Widgren: Oh, da hat jeder andere Bands im Kopf. Aber die meisten sagen natürlich, es klinge wie Dismember, Entombed. Klar. Direkt. Die Atmosphäre. ‘Straight to the point’. Auch klingt unser Album wie wenn wir proben: Sehr ehrlich. Obendrein klingen wir live sehr ähnlich. Wir haben nicht viel überarbeitet

Ein paar Worte zum Metal in Schweden…
Sverker Widgren: Wirklich JEDER hat ‘ne Band. In jedem Dorf spielt man in einer Band – (feixt) was soll man da sonst machen)?

Seid ihr aus Stockholm?
Sverker Widgren: Nein. Zwei von uns kommen aus Åvesta. Ein kleiner Ort, aber man kennt ihn in Schweden: Da gibt’s Eisenindustrie (A.d.R,: ….hat ja auch mit Metal zu tun.)
Ich wohne in Stockholm, bin da hingezogen, komme ursprünglich aus dem Norden. (Pause) Wenn du was mit Musik machst ziehst du nach Stockholm. Oder vielleicht nach Göteborg. Viele Leute in meinem Alter, junge Leute ziehen da hin.

Dein Hauptjob ist…?
Sverker Widgren: Das Studio. Davon lebe ich. Ein Monat arbeiten, ein Monat frei.

…das klingt nach einem Traumjob; da beneiden dich sicher viele?
Sverker Widgren: …wenn sie wüssten wie es ist, täten sie’s nicht. In den ‘Arbeitsmonaten’ arbeite ich nur. Esse. Schlafe. Ich hab keine Sozialkontakte. Ich zwinge mich, jeden Tag wenigstens eine E-Mail zu beantworten …aber ich bekomme fünf.
Unser Schlagzeuger (a.d.R: Ronnie Bergerståhl) spielt auch bei Grave, er kann davon leben.

…aber massentauglich des Geldes wegen, wollen Demonical nicht werden:
Sverker Widgren: Man merkt, wenn Bands Musik nur aus Kommerzzwecken schreiben/machen, angepasst an den Massengeschmack. Wenn eine Band kommerziell werden will, bitte. Das ist nicht mein Ding.
Und: Jede Band kriegt die Fans die sie verdient. Ich hatte als Teenie immer ‘private’ Bands, die außer mir keiner kannte. Fans, die Musik hören, ohne dass sie auf dem Silbertablett serviert wird, meinen’s ernst.

Klingt, als würdest du lieber Clubshows spielen…
Sverker Widgren: Auf jeden Fall!
Ich gehe natürlich auch gerne auf Festivals. Aber das ist dann eher um Leute zu treffen: ‘Ach du spielst da auch? Lass uns da ‘n Bier trinken!’, also eher ‘privat’.

…und so boten Demonical auch ihren Fans in Stuttgart eine gehörige Clubshow.

Mycket tack därför – och för intervjun!

Biografie – Demonical

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Demonical wurden im März 2006 von den ehemaligen Centinex-Mitgliedern Johan Jansson (Gitarre, Gesang), Martin Schulman (Bass) und Ronnie Bergerståhl (Schlagzeug) gegründet, mit dem Ziel zu den Wurzeln des Death Metal zurückzukehren und eine gewaltige Ladung Dunkelheit und Brutalität in die Welt hinauszuballern. Das erste hörbare Lebenszeichen war die im Juli 2006 im Necromorbus Studio aufgenommene 4-Track-Promo-CD »BLOODSPELL DIVINE«. Sie führte dazu, dass einige Labels den Jungs ihre Angebote offerierten.

Im November 2006 fand man dann in Ludde Engellau (Remasculate) den passenden Shouter, da Gitarrist Johan nicht auf Dauer singen wollte. Demonical unterschrieben beim Label Cyclone Empire (Timo Rautiainen & Trio Niskalaukaus, Evocation) einen Vertrag über mehrere Alben.
Das erste Album der Jungs, mit dem Titel »SERVANTS OF THE UNLIGHT«, wurde in den Black Lounge- und Necromorbus Studios (Mörk Gryning, In Battle, Zarathustra) im Januar/Februar 2007 aufgenommen und erschien im April gleichen Jahres. Im November 2007 veröffentlichte Temple Of Darkness eine limitierte Demonical/Absu- Split-EP, darunter auch ein Song  vom »BLOODSPELL DIVINE«-Promo.

Demonical tourte mit Nunslaughter und Nominon, sowie mit Denial Of God in Europa, spielte ferner beim deutschen »Up From The Ground Festival« im August 2007, war Vorband von Dismember in Finnland und trat 2008 beim legendären »Metalmania Festival« in Polen auf.

Im Dezember 2007 trennte sich die Band von Ludvig Engellau aus musikalischen und persönlichen Gründen, und fand schließlich Anfang 2008 einen neuen Sänger: Sverker »Widda« Widgren, Gitarrist bei Diabolical und Produzent im Necromorbus Studio – wo die Schweden Anfang 2009 den Nachfolger »Hellsworn« aufnahmen. Er erschien im Mai 2009, gefolgt von der ersten Headlinertour, zusammen mit Facebreaker und Torture Killer.

Fotos © Demonical

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