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Foto nordische Landschaft

04. August 2009

Ämyrock: Umsonst und draußen am See

Bei den großen finnischen Rockfestivals in diesem Sommer müssen die Besucher zuerst einmal eines: Bezahlen, und das nicht zu wenig. Für zwei Tage Ruisrock waren in diesem Jahr an die hundert Euro fällig. Aber davon später mehr. Denn eines der kleinsten, aber traditionsreichsten Festivals findet im beschaulichen Hämeenlinna statt – und das bereits zum 35. Mal! amyZur Tradition gehört beim Ämyrock-Festival auch, dass es umsonst und draußen ist. Immer am letzten Samstag im Juni. Mitten im Park. Ein neo-klassizistisches, offenes Sommertheaterhäuschen dient als Bühne. Der Vanajavesi-See und die historische Burg Häme sind in Spuckweite. Der berühmteste Sohn der Stadt, der Komponist Jean Sibelius, dürfte angesichts des Lärmpegels beim Festival nach Ohrstöpseln verlangen.

Auf der Bühne stehen ausnahmslos finnische Bands. Allermeistens hoffnungsvolle Nachwuchskapellen. Die vielleicht ein Album herausgebracht haben, vielleicht auch zwei. Und gerade deshalb lohnt sich die Fahrt in die Provinz rund 140 Kilometer nördlich von Helsinki. Weil sich hier oft die aufregendsten jungen Bands tummeln! Und durch die Umsonst- und Draußen-Atmosphäre ist die Stimmung besonders  entspannt und leger. Nur den Regenumhang sollte man nie vergessen. Irgendein Regenschauer geht an den Ämyrock-Samstagen unweigerlich auf das Festival hernieder. Da mag Wochen vorher und Wochen nachher die Sonne scheinen!

Besonders gut swingen lässt es sich bei Ämyrock 2009 gleich nachmittags zu den Elektropoppernregina Regina, die einen giftigneongrünpinken Mix aus dem 80er-Jahre-Kinderzimmer anrühren. Achtung, Synthie-Overkill, garniert mit der quietsch-naiven Kleinmädchenstimme von Sängerin IIsa. In letzter Zeit haben die Drei sehr zu ihrem Vorteil südamerikanische Einflüsse in ihren wilden Plastikmix integriert, was an den Tanzefüßen im Publikum trotz vorwiegend schwarzer Einheitskleidung nicht spurlos vorübergeht. Quietschbunt und fröhlich!

Rabiater geht es später bei Black Audio zu, die einen anarchischen Mix aus Rock und Prog und viel wilder Energie pflegen. Der Titel »Schwerstabeiter des Tages« geht an Schlagzeuger Tommi Forsström, der wenige Stunden später noch einen Auftritt mit seiner Hauptband Viola im mitternächtlichen Ämyrock-Club vor sich hat – allerdings dann in Hämeenlinna-City im wunderbaren neuen Club Suisto, wo der Spaß bis in die frühen Morgenstunden weitergeht!

Der eigentliche Höhepunkt des Tages aber kommt ganz zum Schluss: Murmansk gehören zu den interessantesten Newcomern der letzten Zeit. Allein durch die Eigenwilligkeit und Intensität, mit der sie sich irgendwo im Grenzgebiet zwischen Noise Rock, Shoegaze, Experimentalrock und Lust am Lärm bewegen. murmanskMit Sängerin Laura Soininen steht hier eine Frau auf der Bühne, die trotz ihrer ungelenken Schüchternheit bereits über eine ausbaufähige Ausstrahlung verfügt. Und eine hysterisch große Stimme sowieso. Murmansk schaffen es,  das schwärzeste Schwarz in die tranceartige Endlosschleife des Postrock zu transportieren. Und dabei immer unerbittlich und unbarmherzig sie selbst zu bleiben. Und man möchte sich verlieren in diesen trostlosen Soundlandschaften, die so ungeheuer unwiderstehlich unberechenbar sind. Live sind Murmansk eine so überaus positive Überraschung, dass ihr Debütalbum »CHINESE LOCKS« auch noch die nächsten Tage auf Dauerrotation im persönlichen Player gespielt wird.

(Fotos sind von Tuomas Kohvakka und Jari Anttonen)

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1 Kommentare

1. umsonst schrieb am 13. August 2009 um 09:58

Das Festival war bestimmterste Sahne, aber 100 Euro Eintritt sind einfach zu viel.

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