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Foto nordische Landschaft

06. September 2009

Astrid Swan: Ich bin doch noch keine dreißig

Echte Identitätskrisen kriegt man doch erst mit 40. Oder? Geht es schon mit Ende 20 los, dass man sich überlegt, wo denn das eigene Leben so hintreibt und ob nicht schon irgendetwas unwiderruflich vorbei ist? Dass man mit Entsetzen feststellt, dass man mit unter 30 schon vor zwölf Uhr nachts im Bett liegt und in der langweiligen Vorortsiedlung wohnt?

Die finnische Sängerin Astrid Swan hat auf ihrem neuen Album »BETTER THAN WAGES« astrid1genau aus diesem undefinierbaren, sporadisch aufflackernden Grauen, dass man genauso werden könnte wie die Eltern, einen wunderbar ironischen, wütenden Song gemacht, der passenderweise »2000-2010 heißt (I´m Not Even 30)«. Synthies wummern, und darüber liegt die leicht hysterische Stimme Swans, die den besten Highheels nachtrauert, in denen sie die Nächte in den Clubs durchgetanzt hat, den perfekten Jeans und hinterherheult und den aufregenden geheimnisvollen Telefonanrufen, die einfach ausbleiben. Sami Sanpäkkilä, Experimentalfilmer und Mann hinter dem eigenwillig-innovativen Fonal-Label, hat den Song in ein Video umgesetzt, in dem sich sich ein völlig normales Apartment in eine Schreckenskammer bürgerlicher Angepasstheit verwandelt.

Swan, die als Frau am Klavier auf ihrem ersten Album »POVERINA« noch auf den Spuren von Tori Amos wandelte, hat sich gehäutet und das Klavier vorerst hinter sich gelassen. Hat sich eine Band dazugeholt, die Drunk Lovers, und rockt los und lässt alles, was jemals astrid2die Farbe Rosa in ihrem musikalischen Leben hatte, hinter sich. Aber auch die dunkleren, kulturkritischen, intellektuellen Töne des Vorgängeralbums »SPARTAN PICNIC«. »Ich wollte einfach Spaß haben«, sagt sie in einem Interview zu »BETTER THAN WAGES«, das Anfang September beim finnischen Label Johanna Kustannus herausgekommen ist. Und fügt fast unnötigerweise hinzu. »But of course, my sort of fun is not pure bubblegum«.